Amerikanischer Traum im Jubiläumsjahr
Zwischen Hoffnung, Ernüchterung und alten Versprechen
- Was ist 250 Jahre nach der Gründung aus dem amerikanischen Traum geworden? (Archivbild)
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Washington (Khang Mischke/Franziska Spiecker/dpa/ak) – Philadelphia, 250 Jahre nach der Unabhängigkeitserklärung: Nur wenige Schritte vom historischen Ort entfernt, an dem die Abgesandten der 13 Kolonien 1776 den Bruch mit Großbritannien besiegelten, sprechen Passanten über ein Ideal, das Generationen geprägt hat. Der amerikanische Traum – für manche ein täglicher Antrieb, für andere ein überholtes Versprechen.
Aaron, ein junger Mann aus der Stadt, beschreibt ihn als „konstanten Glauben an Hoffnung“. Jeder Tag biete die Chance, dem eigenen Ziel näherzukommen. Ein paar Parkbänke weiter klingt es ganz anders. Adriana und Richard halten die Vorstellung gleicher Chancen für eine Illusion, die nur einem Teil der Bevölkerung zugutekomme. Richard spricht sogar vom „amerikanischen Albtraum“.
Umfragen bestätigen diese Skepsis. Laut dem Pew Research Center glauben fast 60 Prozent der US-Bürger, die besten Jahre des Landes lägen hinter ihnen. Mehr als die Hälfte erwartet bis 2050 eine schwächere Wirtschaft, weniger globales Gewicht und eine tiefere politische Spaltung. Besonders junge Erwachsene blicken düster in die Zukunft.
Die Gründe dafür sind vielfältig. Die alte Formel vom Tellerwäscher zum Millionär verliert an Strahlkraft, weil steigende Kosten für Wohnen, Gesundheit und Bildung viele Haushalte belasten, während die Löhne kaum mithalten. Zwar profitieren einige vom Boom neuer Technologien, doch für viele reduziert sich der Traum auf das Nötigste: „leben, Essen kaufen, Rechnungen bezahlen“, sagt die 51-jährige Janis aus Philadelphia. „Das ist heutzutage so schwer.“
Auch die politische Debatte um Migration und Staatsbürgerschaft spielt hinein. Ökonomen sehen in sinkenden Zuwanderungszahlen einen Faktor für hohe Verbraucherpreise, weil Unternehmen höhere Löhne zahlen müssen. Gleichzeitig versuchte Präsident Donald Trump, das verfassungsrechtlich verankerte Geburtsrecht einzuschränken. Der Supreme Court stoppte diesen Vorstoß jedoch und bestätigte wenige Tage vor dem Jubiläum, dass in den USA geborene Kinder weiterhin automatisch Staatsbürger werden – unabhängig vom Aufenthaltsstatus ihrer Eltern. Der Vorsitzende Richter John Roberts erinnerte daran, dass Staatsbürgerschaft „das Recht bedeutet, Rechte zu haben“.
Der Blick zurück zeigt, wie umkämpft Gleichberechtigung in den USA immer war. Martin Luther King formulierte 1963 seine Vision eines Landes, in dem Menschen nach ihrem Charakter beurteilt werden. Fortschritte wie der Voting Rights Act von 1965 folgten, doch jüngere Entscheidungen des Supreme Court zur Wahlkreisgestaltung haben den Schutz von Minderheiten wieder geschwächt.
Im Jubiläumsjahr bleibt der amerikanische Traum ein widersprüchliches Leitbild. Laut einer Studie des Milken Center for Advancing the American Dream glauben nur 46 Prozent der Befragten an echte Chancengleichheit. Gleichzeitig halten 78 Prozent den Traum weiterhin für wichtig – als Ideal, das Orientierung bietet, auch wenn die Zuversicht schwindet, ihn persönlich verwirklichen zu können.
Für Janis aus Philadelphia ist die Lage klar: „Man muss heute so hart arbeiten. Manchmal sogar zwei Jobs.“ Alles sei teurer geworden. Ein Satz, der in diesen Tagen oft zu hören ist – und viel darüber verrät, wie weit die berühmte Vision von der Wirklichkeit entfernt scheint.
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