Streit um strengere Regeln
Kassen und Ärzte warnen vor überfüllten Praxen

Krankenkasse DAK: «Es drohen überfüllte Hausarztpraxen.» (Symbolbild) | Foto: Marijan Murat/dpa
  • Krankenkasse DAK: «Es drohen überfüllte Hausarztpraxen.» (Symbolbild)
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Berlin (dpa/ak) – Die Pläne der schwarz-roten Koalition, den Krankenstand in deutschen Unternehmen zu senken, stoßen auf deutliche Kritik. Vor allem die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung und die Pflicht zur Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung ab dem ersten Krankheitstag sorgen für Unruhe bei Krankenkassen und Ärzten. Die DAK-Gesundheit warnt vor spürbaren Folgen: Mehr Menschen müssten künftig direkt in die Praxen kommen, was die ohnehin hohe Belastung weiter steigern könnte. Vorstandschef Andreas Storm spricht von der Gefahr überfüllter Wartezimmer.

Politisch wird bereits um die Ausgestaltung gerungen. SPD-Chef und Vizekanzler Lars Klingbeil nennt die Verschärfung einen Koalitionskompromiss, der nun praktikabel umgesetzt werden müsse. Kanzler Friedrich Merz betont, dass die Bescheinigung zwar ab dem ersten Tag vorliegen müsse, ein unmittelbarer Praxisbesuch aber nicht zwingend sei. Unternehmen könnten zudem eigene Regelungen treffen.

Gesundheitsministerin Nina Warken verteidigt das Aus der telefonischen Krankschreibung, verweist aber auf digitale Alternativen wie die Videosprechstunde. Diese solle ausgebaut werden, um Missbrauch zu verhindern und gleichzeitig den Einstieg in die Versorgung stärker zu digitalisieren. Nach Daten des Zentralinstituts für die kassenärztliche Versorgung und der Barmer machten telefonische Krankschreibungen zuletzt nur 0,8 bis 1,2 Prozent aller Bescheinigungen aus. Hinweise, dass sie den Krankenstand nach oben treiben, fanden sich nicht.

Kurzzeitige Erkrankungen wie Erkältungen, die häufig per Telefon attestiert werden, spielen laut Techniker Krankenkasse ohnehin eine geringere Rolle bei den gesamten Fehltagen. Storm plädiert deshalb für ein anderes Instrument: Teilkrankschreibungen. Erfahrungen aus Skandinavien zeigten, dass flexible Modelle Beschäftigte eher im Arbeitsprozess halten könnten. Die stufenweise Wiedereingliederung sei ein Ansatz, der sich weiterentwickeln lasse.

Ministerin Warken plant die Einführung solcher Teilkrankschreibungen bereits. Beschäftigte sollen sich bei längeren Erkrankungen künftig zu 25, 50 oder 75 Prozent krankschreiben lassen können – sofern sie und der Arbeitgeber das möchten. Damit könnte ein neues Modell entstehen, das zwischen vollständiger Arbeitsunfähigkeit und sofortiger Rückkehr eine praktikable Mitte bietet.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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