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Krimilesung in Almoshof
Wie ein Splitter im Körper der Jungfrau

Foto: Edith Link

Barbara Koch vom Kulturladen Schloss Almoshof startete am 30. September die Krimireihe, die einmal im Monat zwischen September und März als Krimilesung mit Musik stattfindet. In der Reihe »Tatort Knoblauchsland« präsentieren fränkische Autorinnen und Autoren ihre aktuellen Werke. Dabei werden sie von lokalen Größen der Nürnberger Musikszene begleitet. Für die Bewirtung des Abends sorgt das beliebte Kunstcafé.

Der eingeladene Autor war eine sehr gute Wahl: Andreas Thamm, geboren 1990 in Bamberg, gewann den Kulturpreis der Stadt Nürnberg. Der Jugendbuchautor schreibt einfühlsame und viel gelobte Bücher (Heldenhaft, 2015; Wenn man so will, waren es die Aliens, 2021) für heranwachsende Jugendliche. Gleichzeitig wirkt er als Journalist mit regionalen Themen in überregionalen Medien (unter anderem ZEIT Online, Spiegel online, taz). 2020 erhielt er den Kunstförderpreis und das Arbeitsstipendium des Landes Bayern. Im Schloss Almoshof las er aus den Antologien "Tatort Alpen" und "Tatort Bayrischer Wald" aus dem ars vivendi Verlag seine Kurzkrimis vor. Begleitet wurde er ausdrucksstark mit Geräuschen vom Kontrabass von Stephan Goldbach, der auch in Gostners Suppkultur mit ihm auftritt.

"Ich persönlich musste ja zuerst an den Ötzi denken...", beginnt er seine Lesung. Es geht im folgenden um einen italienischen Bergsteiger namens Frederico, der im Mai 1953 am Jungfraujoch in den Berner Alpen als verschollen galt und nun durch das Schmelzen des Gletschers wieder zu Tage kam.

Die eine Kindheitserinnerung führt ihn zur nächsten. War nicht der eigene Vater in der Jugend mit einem Freund auf der Jungfrau und damit sozusagen eine lebende Quelle? Ein Besuch beim Vater und seine Sammlung von Fotografien und Filmchen mit der Videokamera bringen eine überraschende Entdeckung!

Es ist die schöne Sprache von Andreas Thamm, die einen gerne zuhören lässt. Ein Beispiel: "Zwei Männer,
die sporadisch lose Worte in den Schnee fallen lassen..."

Nach der Pause geht es in den Bayrischen Wald. Andreas Thamm verrät, dass er in der Corona-Zeit eine Einladung in die Glasstadt Zwiesel zu einem Verlag annahm, weil er seine Familie mitnehmen konnte. Dort entstand der zweite Kurzkrimi "Das Rufen im Walde, wo keiner spaziert". 

Es geht wieder um einen ungeklärten Mord. Ein Zwieseler, der vormals Walter hieß, gab sich nach einem Aufenthalt in Indien, als Gandhi und prangerte mit Pappschildern am Bahnhof sitzend die örtlichen Missstände an. Auch der amtierende Bürgermeister Heller wird von ihm der Korruption verdächtigt, hat er doch ein Schnellrestaurant ins Naturschutzgebiet bauen lassen. "In der Politik geht es um Leben und Tod ... so etwas versteht doch so einer nicht, der nie als Bauer oder Waldarbeiter gearbeitet hat, sondern seine Zeit in Indien, Goa oder sonst wo verbracht hat...", so der Bürgermeister beim Interview mit dem Bayrischen Rundfunk. Oder hat so einer doch alles richtig verstanden und ist deshalb tot?

Der nächste Lesung findet am 18. Oktober um 19.30 Uhr mit Johannes Wilkes: "Mord im Knoblauchsland" statt.

Autor:

Edith Link aus Nürnberg

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