Neu im Kino
Anarchische Komödie «Beule – Zerlegt die Welt»
- Die derbe Krachklamotte «Beule – Zerlegt die Welt» strapaziert das Zwerchfell bis zum Gehtnichtmehr.
- Foto: ELEMENT E/Filmwelt Verleihagentur/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
BERLIN (dpa) - Seit dem Kultfilm „Bang Boom Bang – Ein todsicheres Ding“ aus dem Jahr 1999 galt dieser als unangefochtene Spitze der deutschen Anarcho-Komödien. Nun tritt ein neuer Anwärter auf den Thron der hemmungslosen Albernheiten: „Beule – Zerlegt die Welt“.
Der Film, inszeniert und geschrieben von Janek Rieke, der zugleich die Hauptrolle übernimmt, verspricht nichts weniger als ein infernales Spektakel aus Chaos, Zerstörungswut und verzweifelter Sehnsucht.
Im Zentrum der Handlung steht Seemann Olli, genannt Beule, gespielt von Rieke selbst. Beule ist ein Mann, der sich selbst, seiner Freundin Anja (Julia Hartmann) und seiner Umwelt permanent im Weg steht. Seine Unfähigkeit, mit sich und anderen klarzukommen, führt zu impulsiven Ausbrüchen, die in einer Schneise der Verwüstung enden. Die Eskalation ist Programm – und das Tempo, mit dem Rieke diese entfesselte Komödie inszeniert, lässt kaum Raum zum Durchatmen.
Der Film ist eine Orgie aus brachialem Humor, grotesker Gewalt und emotionaler Verzweiflung. Die Gags prasseln in schneller Folge auf das Publikum ein, das sich dem Tempo kaum entziehen kann. Subtilität ist hier fehl am Platz. Eine Axt als zentrales Requisit unterstreicht die absurde Überzeichnung, die Gewalt zur Farce werden lässt. Wer sich auf derben Humor einlassen kann, wird mit einem Kinoerlebnis belohnt, das in seiner Radikalität Seltenheitswert besitzt.
Bereits vor drei Jahren feierte „Beule – Zerlegt die Welt“ seine Uraufführung beim Hamburger Filmfest. Doch erst jetzt, nach langer Suche nach einem Verleih, schafft es die Krachklamotte auf die große Leinwand. Die Chancen auf einen Publikumserfolg stehen gut – deutsche Filme mit dieser kompromisslosen Komik sind rar gesät.
Hinter all dem Lärm und Klamauk verbirgt sich jedoch auch eine ernsthafte Botschaft. Beule ist nicht nur ein Chaot, sondern auch ein Mann, der sich gegen die zunehmende Gleichförmigkeit einer digitalisierten Welt stemmt. Inmitten von Smartphones und Laptops sucht er nach einem Ausweg, nach Individualität und echter Verbindung. So verlässt man das Kino nicht nur mit schmerzenden Lachmuskeln, sondern auch mit einem Hauch von Nachdenklichkeit.
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