Weltweite Armut steigt dramatisch an
2022 brauchen rund 274 Millionen Menschen Hilfe

Binnenvertriebene während einer Nahrungsmittelverteilung des Welternährungsprogramms in in Siwa.
  • Binnenvertriebene während einer Nahrungsmittelverteilung des Welternährungsprogramms in in Siwa.
  • Foto: Adrienne Surprenant/OCHA/Collectif Item/dpa
  • hochgeladen von Victor Schlampp

GENF (dpa) - Erschreckende Prognosen: 2022 dürften nach Schätzungen der Vereinten Nationen (UN) fast 40 Millionen Menschen mehr weltweit auf humanitäre Hilfe oder Schutz angewiesen sein als in diesem Jahr.

Die Vereinten Nationen stellen sich 2022 auf 274 Millionen Bedürftige ein, nach 250 Millionen im Jahr 2021, wie das UN-Nothilfebüro (OCHA) berichtete. Jeder 29. Erdenbewohner sei auf Unterstützung angewiesen.
"Der Bedarf wächst, was auf das Zusammentreffen von politischer Instabilität, zunehmenden Vertreibungen, Folgen des Klimawandels und Auswirkungen von Covid-19 zurückzuführen ist", berichtet das UN-Nothilfebüro. "Humanitäre Hilfe rettet leben", sagte Nothilfekoordinator Martin Griffiths. Dennoch sei dies nur Teil der Lösung, Konflikte müssten vor allem politisch gelöst werden. Größte Sorge mache ihm die Lage in Äthiopien, wo die Regierung gegen die lange dominierende Volksbefreiungsfront von Tigray (TPLF) kämpft.

Die Geldmittel reichen bei weitem nicht mehr aus

Die UN-Organisationen wollen 183 Millionen Menschen in 63 Ländern helfen. Sie brauchen dafür insgesamt 41 Milliarden Dollar (36,3 Mrd Euro), doppelt so viel wie noch vor vier Jahren. Besonders groß sei die Not in Afghanistan, Syrien, Jemen und Äthiopien. Zu diesem Finanzplan kommen bei unvorhergesehenen Katastrophen oder Konflikten im Laufe des Jahres weitere Spendenaufrufe für Nothilfe.
In diesem Jahr wurde der UN-Finanzbedarf für humanitäre Hilfe nach Angaben von OCHA bislang nur zu 46 Prozent gedeckt. Die Vereinten Nationen hatten um 37,7 Milliarden Dollar gebeten. 20,5 Milliarden Dollar fehlten Mitte November noch, so viel wie nie zuvor. Das humanitäre Programm für Simbabwe wurde nur zu 19 Prozent finanziert, die Programme für Pakistan und Haiti nur zu 27 Prozent.
Am besten lief es für Afghanistan: Der ursprüngliche Bedarf in Höhe von knapp 870 Millionen Dollar wurde zu 77 Prozent gedeckt. Bei einem zusätzlichen Spendenaufruf für Nothilfe in Höhe von 606,3 Millionen kam sogar die gesamte Summe zusammen.

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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