Tourismus im Aufwind
Bahn erweitert ihr Angebot für Reisen quer durch Europa
- Die Bahn will ihre Verbindungen in Europa ausbauen, etwa nach Paris. (Archivbild)
- Foto: Michael Evers/dpa
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Frankfurt am Main (Alexander Sturm/Fabian Nitschmann/dpa/ak) – Die Deutsche Bahn spürt eine wachsende Nachfrage nach internationalen Verbindungen – und reagiert mit einem deutlich erweiterten Sommerprogramm. Immer mehr Menschen entscheiden sich für Fahrten nach Paris, Amsterdam oder Zürich. 25 Millionen der rund 140 Millionen Fernverkehrsreisenden waren im vergangenen Jahr grenzüberschreitend unterwegs, ein Plus von 30 Prozent gegenüber 2019. Für die kommenden Jahre rechnet der Konzern mit weiterem Wachstum.
Besonders stark legten 2025 die Strecken nach Zürich, Paris und Brüssel zu. München–Zürich verzeichnete ein Plus von 27 Prozent, Frankfurt–Paris stieg um 22 Prozent, Köln–Brüssel um 16 Prozent. Viele Reisende schätzen laut Bahnvorstand Michael Peterson die direkte Ankunft in den Innenstädten und akzeptieren inzwischen auch längere Fahrzeiten von sechs bis acht Stunden.
Gleichzeitig bleibt der wirtschaftliche Druck hoch. Der Konzern schrieb 2025 einen Milliardenverlust, auch im Fernverkehr läuft ein Sanierungsprogramm. Neue Angebote sollen nun zusätzliche Kundschaft bringen. Ab Mitte Juni fährt die Verbindung Kopenhagen–Prag zweimal täglich über Hamburg und Berlin. An Sommerwochenenden wird der ICE von Köln nach Brüssel bis Gent, Brügge und an die belgische Küste verlängert. Im Juli und August kommt samstags ein Direktzug von Frankfurt nach Bordeaux hinzu. Ab dem 7. September folgen vier tägliche ICEs zwischen Köln und Antwerpen, erstmals mit Halt am Flughafen Brüssel. Für 2027 ist eine Direktverbindung München–Mailand–Rom geplant, gemeinsam mit Trenitalia und den ÖBB.
Auf der Strecke Berlin–Paris prüft die Bahn ein zweites Zugpaar. Die Nachfrage sei hoch, die achtstündige Direktfahrt gut ausgelastet. Auch Frankfurt könnte als Zwischenhalt profitieren. Schwieriger gestaltet sich dagegen eine mögliche Direktverbindung nach London. Wegen fehlender Schengen-Zugehörigkeit Großbritanniens wären separate Sicherheitskontrollen nötig. Eine gemeinsame Taskforce mit Eurostar arbeitet an Lösungen, doch eine Umsetzung dürfte noch Jahre dauern.
Der Bahn kommt derzeit zugute, dass Autofahren durch den Iran-Krieg teurer geworden ist. An einzelnen Tagen registriert der Konzern bis zu zehn Prozent mehr Nachfrage. Gleichzeitig ist der Fernverkehr dank 100 Prozent Ökostrom weniger abhängig von steigenden Energiepreisen. Für 2027 hat sich die Bahn große Strommengen langfristig gesichert.
Bei der Pünktlichkeit zeigt sich zuletzt eine leichte Entspannung. Im April erreichten 64,4 Prozent der Fernverkehrszüge ihr Ziel rechtzeitig, nach 59,4 Prozent im Februar und rund 52 Prozent im Januar. Die Bahn setzt im Betriebsablauf zunehmend auf Künstliche Intelligenz, etwa bei der Entscheidung, ob Züge auf verspätete Anschlüsse warten sollen. Entscheidend bleibe jedoch der Zustand der Infrastruktur, die über Jahre vernachlässigt wurde.
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