Straßenbau unter Druck
Iran‑Krieg treibt Bitumenpreise in die Höhe
- Ein Bauarbeiter repariert eine Straße in Berlin mit Bitumen, einem Bindemittel für Asphalt. (Symbolbild)
- Foto: Wolfgang Kumm/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
Frankfurt/Main (dpa/ak) – Die Bundesregierung plant milliardenschwere Investitionen in Straßen und Brücken, doch die Branche warnt vor einer Entwicklung, die viele Projekte ins Wanken bringt. Seit Beginn des Iran‑Kriegs steigen die Materialkosten so stark, dass Bauunternehmen ihre Kalkulationen kaum noch halten können.
Besonders betroffen ist Bitumen, ein erdölbasiertes Bindemittel für Asphalt. Nach Angaben von Tim‑Oliver Müller, Hauptgeschäftsführer des Hauptverbands der Deutschen Bauindustrie, hat sich dessen Preis seit Kriegsbeginn ungefähr verdoppelt. Im März lagen die monatlichen Aufschläge sogar über den Spitzenwerten aus dem Jahr 2022 während des Ukraine‑Kriegs. Je nach Bitumenanteil schlägt das direkt auf den Asphaltpreis durch, der um 15 bis 30 Prozent steigt. Weitere Preiserhöhungen anderer Lieferanten seien bereits angekündigt.
Für viele Firmen wird das zum Problem, weil öffentliche Aufträge häufig als Festpreisverträge vergeben werden. Projekte, die im Februar zu festen Konditionen vereinbart wurden und erst im März starteten, geraten dadurch schnell in die Verlustzone. Müller fordert deshalb Preisgleitklauseln rückwirkend zum 1. März 2026, wie sie die Politik im Ukraine‑Krieg bereits per Erlass ermöglicht hatte.
Nach Einschätzung des Verbands ist eine seriöse Kalkulation derzeit kaum möglich. Aus Sorge vor weiteren Ausschlägen müssten Unternehmen Risikoaufschläge einplanen, was wiederum zu höheren Angeboten und Verzögerungen bei dringend benötigten Investitionen führe. Müller kritisiert, Bau‑ und Verkehrsministerium verwiesen auf amtliche Statistiken, die die Lage nicht zeitnah abbildeten. Die Bundesregierung verkenne die Marktentwicklung und überlasse die Branche als größten Auftragnehmer des Staates den Risiken des internationalen Konflikts.
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