Diebstahl im Einzelhandel nimmt weiter zu
Studie zeigt neue Höchstwerte und wachsende Gewaltbereitschaft
- Spirituosen sind besonders begehrtes Diebesgut.
- Foto: Oliver Berg/dpa
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Köln (Christian Rothenberg/dpa/ak) – Der deutsche Einzelhandel verzeichnet erneut steigende Verluste durch Diebstahl. Nach Zahlen des Handelsforschungsinstituts EHI summierten sich die entwendeten Waren 2025 auf mehr als 4,3 Milliarden Euro – ein Plus von 3,1 Prozent und der höchste Wert seit Beginn der Erhebungen. Besonders gefragt sind weiterhin Spirituosen, Zigaretten und Kaffee. EHI‑Experte Frank Horst sieht den größten Druck im organisierten und gewerbsmäßigen Diebstahl, doch auch der alltägliche Kundendiebstahl bereitet Sorgen. Beschäftigte berichten zunehmend von aggressiveren Tätern, Sicherheitsfirmen raten inzwischen zu stichfesten Westen.
Die Entwicklung der vergangenen Jahre zeigt eine deutliche Tendenz: Zwischen 2020 und 2025 stiegen die Schäden um knapp 29 Prozent, beim Kundendiebstahl sogar um gut 41 Prozent. Rund 3,05 Milliarden Euro entfallen auf Diebstähle durch Kunden, ein Drittel davon auf professionelle Tätergruppen. Eigene Beschäftigte verursachten Schäden von 910 Millionen Euro, Lieferanten und Servicekräfte weitere 370 Millionen. Die gesamte Inventurdifferenz im Handel lag 2025 bei 5,11 Milliarden Euro. Für den Staat bedeutet das entgangene Umsatzsteuereinnahmen von rund 590 Millionen Euro.
Als Gründe nennen Experten gestiegene Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Unsicherheit und Personalmangel. Der Handelsverband Deutschland verweist zudem auf schwindenden Respekt vor Eigentum und Defizite bei der Strafverfolgung. Banden agierten zunehmend professionell, teilweise mit regelrechten Bestelllisten. Selbstbedienungskassen spielen laut EHI zwar eine Rolle, sind aber nicht der Haupttreiber des Anstiegs.
Besonders häufig verschwinden kleine, teure und leicht zu verbergende Artikel. Im Lebensmittelhandel betrifft das neben Alkohol und Tabak auch Rasierklingen, Parfums, Energydrinks oder Babynahrung. Drogerien melden Verluste bei Kosmetik und Düften, Bekleidungshändler bei Jeans, Schuhen und Accessoires. In Elektronikmärkten stehen Smartphones, Spiele und Kopfhörer im Fokus, in Baumärkten akkubetriebene Maschinen und hochwertiges Werkzeug.
Die polizeiliche Kriminalstatistik bildet das Ausmaß nur begrenzt ab. 2025 wurden 383.096 Ladendiebstähle angezeigt – 5,4 Prozent weniger als im Vorjahr. Experten gehen jedoch davon aus, dass mehr als 98 Prozent der Fälle unentdeckt bleiben. Viele Händler verzichten zudem auf Anzeigen, weil Verfahren häufig eingestellt werden.
Um gegenzusteuern, investierte die Branche 2025 rund 3,3 Milliarden Euro in Prävention und interne Kontrollen. Dazu gehören Schulungen, Videoüberwachung, Detektive und technische Sicherungen. Immer mehr Händler verschließen begehrte Ware in Vitrinen oder setzen auf unsichtbare Sicherungen in Regalen. Einzelne Kaufleute berichten von spürbaren Erfolgen, auch wenn die Maßnahmen teuer sind.
Der Handelsverband fordert eine konsequentere Strafverfolgung und eine bessere Ausstattung der Behörden. Bei bandenmäßigem Diebstahl solle die Mindeststrafe auf ein Jahr erhöht werden. Für 2026 erwartet EHI‑Experte Horst keinen weiteren Anstieg – vorausgesetzt, politische und wirtschaftliche Rahmenbedingungen verschärfen sich nicht erneut.
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