Rentenmodelle im Vergleich
Wie Europas Nachbarn ihre Altersvorsorge organisieren
- Das System in Deutschland soll erneut reformiert werden. (Symbolbild)
- Foto: Patrick Pleul/dpa
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Berlin (dpa/ak) – In Deutschland wird erneut über die Zukunft der Rente gestritten. Während eine Kommission an Vorschlägen für eine Reform arbeitet, verweist Sozialministerin Bärbel Bas (SPD) auf deutliche Unterschiede zu anderen europäischen Staaten. Die gesetzlichen Altersbezüge hierzulande seien im Vergleich niedrig, sagte sie in der Sendung „Maischberger“. Männer erhalten demnach im Schnitt rund 1.400 Euro, Frauen etwa 940 Euro im Monat. Ein Blick in die Nachbarländer zeigt, wie unterschiedlich die Systeme aufgebaut sind.
In Österreich liegt die durchschnittliche Pension deutlich höher: Männer kommen auf rund 2.400 Euro, Frauen auf etwa 1.700 Euro. Ausgezahlt wird 14 Mal im Jahr, die Anpassung erfolgt nach der Inflation. Das Regelpensionsalter beträgt 65 Jahre, für Frauen wird es schrittweise angehoben. Ein zentraler Unterschied zum deutschen Modell: Alle Berufsgruppen zahlen verpflichtend in ein gemeinsames System ein. Der Beitragssatz liegt mit 22,8 Prozent über dem deutschen Wert von 18,6 Prozent, zudem steuert der Staat mehr Geld bei. Trotz hoher Leistungen gilt auch das österreichische System als reformbedürftig, da jährlich Milliarden zur Deckung der Lücke zwischen Einnahmen und Ausgaben nötig sind.
Die Niederlande setzen auf eine Kombination aus staatlicher Grundrente und weit verbreiteten Betriebsrenten. Rund 90 Prozent der Beschäftigten verfügen über eine solche Zusatzversorgung, finanziert überwiegend von den Arbeitgebern. Das gesetzliche Rentenalter liegt bei 67 Jahren. Wer keine Betriebsrente hat, ist im Alter häufig auf staatliche Unterstützung angewiesen.
In der Schweiz basiert die Altersvorsorge auf drei Säulen: staatliche Rente, berufliche Vorsorge und private Zusatzversicherungen. Die maximale Rente aus der ersten Säule beträgt derzeit 2.520 Franken im Monat. Zusammen mit der zweiten Säule erreichen Rentnerinnen und Rentner im Schnitt deutlich höhere Beträge, müssen jedoch auch hohe Lebenshaltungskosten und Krankenkassenbeiträge tragen.
Schweden erlaubt einen flexiblen Renteneintritt ab 64 Jahren, gekoppelt an die Lebenserwartung. Neben dem umlagefinanzierten System fließen 2,5 Prozent des Beitrags in eine Prämienrente, die in Fonds angelegt wird. Wer keine Auswahl trifft, landet im staatlichen Standardfonds.
Frankreich hatte 2023 eine umstrittene Reform beschlossen, die das Rentenalter auf 64 Jahre anheben sollte. Die Umsetzung wurde inzwischen ausgesetzt. Viele Beschäftigte arbeiten ohnehin länger, um Abschläge zu vermeiden. Mit 67 Jahren gibt es die volle Rente unabhängig von der Einzahldauer.
Großbritannien hat das Rentenalter für jüngere Jahrgänge auf 68 Jahre festgelegt. Anspruch auf die staatliche Rente besteht erst nach mindestens zehn Beitragsjahren, die volle Leistung nach 35 Jahren. Mit rund 1.108 Euro für vier Wochen gilt sie als wenig auskömmlich. Arbeitgeber müssen deshalb verpflichtend in eine private Vorsorge einzahlen, ergänzt durch steuerliche Anreize der Regierung.
Die Beispiele zeigen: Europas Rentensysteme unterscheiden sich stark – bei Beitragssätzen, Rentenhöhen und dem Verhältnis von staatlicher und privater Vorsorge. Deutschland steht damit nicht allein vor der Frage, wie ein verlässliches Modell für kommende Generationen aussehen kann.
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