Wiedereröffnung aller Ballett- und Tanzschulen in Bayern gefordert
Stille Demo der Tänzer: Hoffnung auf Hilfe der Politik

Die stille Demo der Tänzerinnen und Tänzer. Aktion in Oberasbach, um auf die Situation der Tanz- und Ballettschulen sowie Tanzsportvereine aufmerksam zu machen.
  • Die stille Demo der Tänzerinnen und Tänzer. Aktion in Oberasbach, um auf die Situation der Tanz- und Ballettschulen sowie Tanzsportvereine aufmerksam zu machen.
  • Foto: ADTV-Tanzschule Forum GbR
  • hochgeladen von Nicole Fuchsbauer

FRANKEN/OBERASBACH (nf) - Wenn 150 Paar Tanz-Schuhe stumm auf dem Weg liegen, dann ist das ein trauriger Anblick. Denn das Tanzen ist weder stumm, noch unbeweglich! Die Folgen der Coronakrise hat auch Tanz- und Ballettschulen sowie Tanzsportvereine in eine wirtschaftliche und emotionale Ausnahmesituation gestürzt. Heute hat die ADTV-Tanzschule Forum aus Oberasbach stellvertretend für alle Betroffene die Trainings-Schuhe symbolisch auf der Straße ausgelegt, um auf die Lage der gesamten Branche aufmerksam zu machen. 

Ute Späth und Andreas Lassen, ehemaliges Turniertanzpaar, leiten ihre ADTV-Tanzschule Forum seit 19 Jahren und erklären im Interview, warum sie sich zu dieser Aktion entschieden haben.

Stille Tanzschuhe, warum haben Sie sich für diese Art der Demo entschieden?

,,Wir haben die Schließung, die am 16. März 2020 erfolgte, ausdrücklich unterstützt und sofort umgesetzt. Dennoch sind wir aufgrund der guten Entwicklung der Meinung, dass wie in anderen Bundesländern gerade auch Ballett- und Tanzschulen öffnen könnten. Mit dieser Aktion wollen wir dafür sorgen, dass wir nicht ins Hintertreffen geraten! Das Bild dieser Institutionen ist in Teilen der Politik und der öffentlichen Wahrnehmung unserer Meinung nach falsch. Viele haben ein Bild von unkontrollierten Partys oder unnötigem Freizeitvergnügen, wenn sie an Tanzschulen denken. Glücklicherweise haben wir auch Fürsprecher in der Politik. So hat sich MdL Petra Guttenberger mit einem Schreiben an die zuständigen Ministerien in München für uns eingesetzt und Oberbürgermeister Thomas Jung aus Fürth hat auch einen offenen Brief an die Regierung geschickt. MdL Horst Arnold hat diesbezüglich einen Antrag an die Regierung gestellt. Niedersachsen und NRW öffnen bereits nächste Woche Tanz- und Ballettschulen. Da kann Bayern nicht zu lange warten."

Wie sind sie auf die Idee der stillen Demonstration gekommen?

,,Wir sind mit vielen Kollegen aus anderen Tanzschulen bundesweit im ständigen Austausch. Dabei kamen schon viele großartige Ideen zustande. Eine davon ist diese ,Stille Demo'. Die Symbolik der vielen ungenutzten Tanzschuhe trifft den Kern der Sache ziemlich genau."

Wieso sollten gerade Tanz- und Ballettschulen wieder öffnen dürfen, sind Kontaktsportarten nicht besonders riskant in Corona-Zeiten?

,,Es geht uns nicht darum eine Sonderrolle zu bekommen. Doch Tanzen ist einer der gesündesten Sportarten, die es gibt. Erwiesenermaßen fördert die gleichmäßige kontrollierte Bewegung zur Musik das Herz-Kreislauf-System, sie stärkt das Immunsystem nachhaltig und fordert das Gehirn. Gerade bei älteren Menschen ist dies momentan wichtig!  Aber auch die Erziehungsaufgabe, die Tanz- und Ballettschulen bei Kindern erfüllen ist nicht zu unterschätzen! Wir können den Kindern spielerisch Abstandsregeln und Hygienebestimmungen beibringen. Soziale Interaktion mit Gleichaltrigen fehlt den Kindern – so die Aussage der Politik. Dann schickt sie in die Tanzstunden! Die Beweglichkeit, Kondition und Koordination von Kindern und Jugendlichen ist ohnehin durch einen immer mehr fordernden Schulalltag rückläufig. Durch die lange Zeit, die alle zuhause verbringen mussten, ist nun dringend Bedarf das Verlorene wiederzugewinnen.
Wie schon gesagt, die Bedeutung von Tanz- und Ballettschulen für Lebensfreude, Gesundheit und Vitalität wird sehr stark unterschätzt. Und anders als in den meisten Sportvereinen unterrichten in diesen Schulen fast ausschließlich professionell ausgebildete Lehrer."

Welche Aktionen haben sie bisher organisiert, um ihren Kunden etwas zu bieten?

,,Wie viele Tanz- und Ballettschulen haben wir Übungsvideos online gestellt. Gerade beim Live-Unterricht haben wir gemerkt, wie sehr allen die soziale Interaktion fehlt. Unser Online-Kostümfest und ein „disTanz in den Mai“ waren zwar erfolgreich, aber natürlich kein Vergleich zudem, was wir in unseren Räumen anbieten. Durch diese Aktionen halten wir den Kontakt zu unseren Tanzschülern. Die Unterstützung uns Solidarität ist riesengroß! Wir sind unglaublich dankbar dafür."

Wie planen Sie eine Wiedereröffnung?

,,Natürlich muss man auf die Vorgaben der Ämter warten. Wir haben jedoch, wie bestimmt fast alle Schulen, von unserer Seite schon ein umfangreiches Konzept erstellt. Alle unsere Mitarbeiter haben eine Hygieneschulung absolviert. Wir können unsere Räume so einteilen, dass wir nur einen Zu- und einen Ausgang haben. Anders als zum Beispiel in Bau- und Gartenmärkten können wir durch Kurslisten lückenlos feststellen, wer zu welcher Zeit bei uns war. Auch die Tanzflächen können wir in Bereiche aufteilen, sodass sich Einzeltänzer oder Paare nicht näher als vorgeschrieben kommen. Bei uns tanzen neben Solotänzern nur Paare aus einem gemeinsamen Haushalt. Wir sind der festen Überzeugung, dass gerade durch die im Tanzunterricht vorherrschende Disziplin, Kinder- und Jugendgruppen leicht in Sachen Abstandsregeln geschult werden können. So kann Spaß, Training und Erziehung miteinander kombiniert werden."

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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