Roboter mit Bewusstsein
Cassandra: Aus der Netflix-Serie ins Zukunftsmuseum
- Cassandra – Exponat im Zukunftsmuseum.
- Foto: Dieter Zeitler
- hochgeladen von Nicole Fuchsbauer
NÜRNBERG (pm/nf) - Zwei große Augen blicken den Besuchenden entgegen. Sie scheinen zu beobachten und zu analysieren, nehmen den Museumsgast ins Visier. Es geht um die durchdringende Kraft von KI, die das Museum anhand der neuen Netflix-Leihgabe Cassandra thematisiert. Der humanoide Roboter ist nun Teil der Dauerausstellung im Deutschen Museum Nürnberg – Das Zukunftsmuseum.
Die Gäste begegnen dem lebensgroßen Haushaltsroboter Cassandra im Ausstellungsbereich „Arbeit und Alltag“. Er bereichert dort den Unterbereich „Kontrolle“
„Mit Cassandra holen wir ein Objekt aus der Science-Fiction in unsere Ausstellung, in der wir mit utopischen und dystopischen Ideen zum Nachdenken über unsere Zukunft anregen,“ so Marion Grether, Museumsleiterin. „Cassandra erweitert unseren Bestand humanoider Roboter. Während AMECA als Gesprächspartnerin mit menschengleicher Mimik verblüfft und der Sexroboter Harmony grundsätzliche Fragen zu Intimität, Autonomie und Projektionen menschlicher Wünsche aufwirft, konkretisiert sich bei Cassandra die Diskussion zu KI und Kontrolle.“
Welche Rollen sollen Roboter zukünftig einnehmen? Freund, Richter, Therapeut? Ihre persönliche Haltung können die Museumsgäste über Magnetkärtchen zum Ausdruck bringen – der Einstieg in eine technik-ethische Diskussion, zu der das Museum anregen will.
Cassandra – Die Figur
Cassandra entstammt der gleichnamigen sechsteiligen Serie, deren Streaming-Premiere am 6. Februar 2025 auf Netflix war. Der humanoide Roboter in 1970er-Jahre Retroästhetik erlangt eine faszinierende Präsenz zwischen Mensch und Maschine. Sein kompakter mechanischer Körper aus glänzendem Metall mit Armen, die an Küchengeräte erinnern, ist verbunden mit einem lebendigen weiblichen Gesicht, eingespielt auf einem Röhrenbildschirm.
Als Ausstellungsobjekt steht Cassandra im Zentrum der Rauminstallation vor einem Aufzug in Retro-Design. Ihre Größe von 1,64 m wurde der Körpergröße der Schauspielerin Lavinia Wilson nachempfunden. In der Serie entwickelt Cassandra ein Bewusstsein. Der Roboter denkt, fühlt und trifft eigene Entscheidungen – und lässt dabei die Grenze zwischen Mensch und Maschine verschwinden. Die Geschichte erzählt von einer jungen Familie, die in ein Smart Home aus den 1970er-Jahren zieht. Dort erwacht die künstliche Intelligenz Cassandra aus ihrem Dornröschenschlaf – und strebt danach, ein gleichwertiges Familienmitglied zu werden. Was als technologische Utopie beginnt, entwickelt sich schon bald zu einem unheimlichen Spiel zwischen Kontrolle und Macht, Empathie und Identität.
Die Installation lädt zur Reflexion über die Zukunft der Mensch-Maschine-Beziehung sowie über Verantwortung und Kontrollverlust in einer zunehmend automatisierten Welt ein. Was passiert, wenn künstliche Intelligenz nicht länger Werkzeug ist, sondern zur selbständigen Akteurin wird?
Mythologische Bezüge
Der Name Cassandra verweist auf die Seherin Kassandra aus der griechischen Mythologie – eine tragische Figur, deren wahre Warnungen ungehört bleiben.
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