Warum Sparsamkeit manchmal ziemlich teuer werden kann

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Für die allermeisten Leser dieser Zeilen dürfte Geld ein sehr endliches Gut sein. Sparsamkeit ist daher eine zunächst grundvernünftige Einstellung – gerade in Zeiten, in denen Lebensmittel, Energie, Mieten und viele Alltagskosten spürbar gestiegen sind.

Doch so, wie die meisten schon den Begriff der „falschen Sparsamkeit" gehört haben dürften, kann es sich auch in unserer Realität verhalten; dann, wenn aus sinnvoller Sparsamkeit eine reine Billiglogik mit Tunnelblick wird. Wenn also nur noch der niedrigste Preis zählt und alles andere zwischen Qualität, Haltbarkeit, Reparaturfähigkeit, Sicherheit, Verbrauchskosten oder Service aus dem Blickfeld gerät. In solchen Fällen gilt sehr oft „Wer billig kauft, kauft mehrmals" – nicht fair, aber leider erschreckend treffsicher.

Hauptsache günstig – ein sehr alter Reflex

2002 kreierte die Werbeagentur Jung von Matt für die Elektronikkette „Saturn" einen Werbespruch, der sich wie kaum ein zweiter in den kollektiven Sprachschatz eingebrannt hat, zum geflügelten Begriff für eine ganze Konsumhaltung wurde und sogar einen eigenen Wikipedia-Artikel hat: Geiz ist geil!

Ähnlich wie bei der Sparsamkeit ist auch an dieser Grundhaltung nicht alles falsch. Niemand muss aus Prinzip das teuerste Produkt kaufen. Ein guter Preisvergleich ist sinnvoll, manchmal sogar dringend nötig. Aber: Ein niedriger Kaufpreis ist eben nur ein Teil der Wahrheit. Entscheidend ist, was eine Anschaffung über ihre gesamte Nutzungsdauer kostet.

Je größer bzw. teurer eine Anschaffung wird, desto wichtiger wird dieser Unterschied. Wer etwa ein Haushaltsgerät, ein Fahrrad, Möbel, Werkzeug oder ein Auto kauft, sollte nicht nur fragen: „Was kostet es heute?“ Sondern auch: „Wie lange hält es, was verbraucht es, wie gut lässt es sich reparieren, und was kostet Ersatz?“ Wird dafür Geld aufgenommen, gehört außerdem dazu, früh zu prüfen, wie sich die Kreditsumme auf die Zinsen auswirkt. Denn auch die Finanzierungskosten sind Teil der Gesamtrechnung – nicht nur die Monatsrate.

Billig ist nicht automatisch günstig

Ein Produkt kann günstig sein und trotzdem eine gute Wahl. Es kann aber auch billig sein, weil an Material, Verarbeitung oder Service gespart wurde. Der Unterschied zeigt sich oft erst später, wenn der Reißverschluss klemmt, der Akku nach kurzer Zeit schwächelt, die Matratze durchliegt oder der Wasserhahn schon nach zwei Jahren tropft.

Mode
die sich nach zwei Wäschen auflöst

Farbe
die mehrfach überstrichen werden muss

Elektrowerkzeug
das mitten im Projekt aufgibt

Möbel
die nach dem zweiten Umzug wackeln

Handys
die schon nach wenigen Jahren keine Updates mehr erhalten

Handwerkszeug
das selbst niedrige Maßhaltigkeitsansprüche unterbietet

Das Gemeine daran: Der Fehler fühlt sich beim Kauf noch wie ein Erfolg an, man hat ja gespart. Erst später merkt man, dass die höheren Kosten nur verschoben wurden – manchmal direkt in die nächste Rechnung.

Das mag vielleicht nicht so wichtig bei Dingen sein, die man sehr selten nutzt oder die keinem realistischen Verschleiß unterliegen. Ein billiger Blumentopf aus dem Ein-Euro-Shop etwa wird genauso seinen Dienst tun wie ein teurer handgefertigter vom Marktstand.

Aber dort, wo man – eigentlich – erwarten darf, dass etwas längeren Belastungen widersteht, führt die „Geiz ist geil"-Denkweise oft nur dazu, dass man erst den billigen Preis zahlt, dann verfrüht nachkaufen muss – und am Ende oft mit einer deutlich höheren Schlussrechnung dasteht, als hätte man von Anfang an mehr ausgegeben.

Hinzu kommt: Nicht nur bei der vielkritisierten Fast Fashion greifen viele Verbraucher aufgrund der extrem günstigen Preise umfassender zu als nötig oder geplant.

Wo man beispielsweise eigentlich nur ein gutes Hemd für 35,95 Euro braucht, kauft man sich stattdessen fünf Fast-Fashion-Stücke zu je 9,99 Euro und hat so für die „günstigere" Ware mal eben 14 Euro mehr ausgegeben.

Der Preis steht selten allein auf dem Etikett

Dabei hat das Problem beileibe nicht nur mit einer kürzeren Lebensdauer zu tun, sondern kann sich ebenso auf unsichtbare Mehrkosten erstrecken, die beim Kauf nicht sichtbar auftauchen. Besonders tückisch sind Anschaffungen, bei denen der Einstiegspreis niedrig wirkt, die Folgekosten aber hoch sind. Dazu gehören zum Beispiel:

Fahrzeuge
Günstige Anschaffung, aber teure Ersatzteile

Drucker
Billige Hardware, aber teure Tinte

Haushaltsgeräte
Schlechte Energieeffizienz treibt die laufenden Kosten in die Höhe

Smart-Geräte
Nur mit Abo vollständig nutzbar

Wer wirklich sparen will, muss deshalb nicht nur den Kaufpreis vergleichen, sondern die Gesamtkosten. Manchmal ist das etwas teurere Produkt auf lange Sicht günstiger, weil es nicht nur länger hält, sondern auch weniger verbraucht oder besser repariert werden kann.

Auch Zeit ist ein Kostenfaktor

Sparsamkeit kann auch an anderer Stelle teuer werden – bei der eigenen Lebenszeit. Wer stundenlang nach dem billigsten Angebot sucht, quer durch die Stadt fährt oder dreimal ein Produkt zurückschickt, spart vielleicht zehn Euro, verliert aber einen halben Samstag und einen Teil seiner Nerven. Das heißt nicht, dass Vergleichen unsinnig ist. Aber es lohnt sich immer, die Verhältnisse im Blick zu behalten. Bei einer Waschmaschine, einem Fahrrad oder einer neuen Matratze kann gründliche Recherche viel bringen. Bei einem 15-Euro-Artikel wird hingegen aus Preisoptimierung schnell ein Zeitfresser mit fragwürdigem Stundenlohn.

Fazit: Die beste Ersparnis ist oft eine Entscheidung mit Augenmaß

Nein, das alles soll nicht bedeuten, dass man grundsätzlich die Finger von den niedrigsten Preisen lassen sollte. Wohl aber soll es heißen, dass das alles stets mit Augenmaß geschehen sollte: Sparsamkeit ist stark, wenn sie klug ist. Sie wird aber teuer, wenn sie nur auf den niedrigsten Preis starrt. Wer gute Angebote erkennt, Qualität einschätzen kann und Folgekosten mitdenkt, gibt nicht automatisch mehr aus – sondern oft seltener.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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