Tiergartenbilanz Nürnberg 2023
Nachwuchs bei bedrohten Tierarten und mehr als eine Mio. Gäste

2023 konnte der Tiergarten zahlreiche Zuchterfolge bei bedrohten Arten vermelden: Unter anderem gab es am 22. November Nachwuchs bei den Asiatischen Löwen. Mutter Aarany kümmerte sich von Beginn an fürsorglich um ihren Nachwuchs, nach einigen Wochen durfte auch Vater Kiron zu den Kleinen. | Foto: Thomas Hahn / Tiergarten Nürnberg
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  • 2023 konnte der Tiergarten zahlreiche Zuchterfolge bei bedrohten Arten vermelden: Unter anderem gab es am 22. November Nachwuchs bei den Asiatischen Löwen. Mutter Aarany kümmerte sich von Beginn an fürsorglich um ihren Nachwuchs, nach einigen Wochen durfte auch Vater Kiron zu den Kleinen.
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NÜRNBERG (pm/nf) – Der Tiergarten der Stadt Nürnberg blickt insgesamt zufrieden auf ein intensives Jahr 2023 zurück. Die anhaltend hohen Kosten konnte er dank sehr guter Besuchszahlen und der Energiesparmaßnahmen, die auch 2023 fortgeführt wurden, stemmen.

Die Einrichtung wird ein für diese Situation gutes wirtschaftliches Ergebnis erzielen. Eine Herausforderung stellten auch 2023 der Fachkräftemangel und der stetige Sanierungsbedarf der großenteils aus den 1930er­Jahren stammenden Infrastruktur im Tiergarten dar.

Mehr als eine Million Gäste

2023 begrüßte der Tiergarten erneut mehr als eine Million Gäste: 1 097 366 Menschen besuchten den Landschaftszoo am Schmausenbuck. 9 334 Personen erwarben Dauerkarten – etwa neun Prozent mehr als 2022. 1 160 Tierpatinnen und ­paten unterstützten den Tiergarten mit insgesamt 204 140 Euro. Der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e. V. verzeichnete zum Jahresende 5 057 Mitgliedschaften. Aufgrund von Partner­, Familien­ oder Firmenmitgliedschaften standen dahinter mehr als 12 000 Menschen, die den Tiergarten und seine Arbeit förderten. Damit ist der Verein nach wie vor ein unabdingbarer Stützpfeiler für den Tiergarten, der viele Bau­ und Artenschutzprojekte überhaupt erst möglich macht.

„Als Ausflugsziel, Bildungseinrichtung, Forschungs­ und Artenschutzzentrum ist der Tiergarten fester Bestandteil des öffentlichen Lebens in Nürnberg“, sagt Bürgermeister Christian Vogel. „Sein hervorragendes internationales Netzwerk macht ihn auch zu einem wichtigen Akteur im weltweiten Artenschutz. Wir freuen uns, dass 2023 wieder so viele Menschen die wertvolle Arbeit des Tiergartens unterstützt haben – sei es über eine Tierpatenschaft, eine Mitgliedschaft im Verein oder einfach durch ihren Besuch.“

Tiergartendirektor Dr. Dag Encke verortet die Arbeit des Zoos im regionalen, nationalen und internationalen Zusammenhang: „Klimawandel, Artensterben, Biodiversitätskrise – wir stehen weltweit vor großen Aufgaben und tiefgreifenden Veränderungen. Als Tiergarten haben und nutzen wir die Chance, die drängenden Themen unserer Zeit aufzugreifen und gemeinsam mit unseren Partnern zu gestalten“, sagt er, und fügt hinzu: „Die Beteiligung an Erhaltungszuchtprogrammen für gefährdete Arten ist dafür ebenso ein Beispiel wie die Mitarbeit an internationalen Artenschutzprogrammen und die Durchführung von Forschungsarbeiten, die manchmal sogar weltweit auf großes Interesse stoßen.“

Braun-weiß gefleckter Nachwuchs: Im November 2023 kam ein Schabrackentapir-Weibchen zur Welt. | Foto: Thomas Hahn / Tiergarten Stadt Nürnberg
  • Braun-weiß gefleckter Nachwuchs: Im November 2023 kam ein Schabrackentapir-Weibchen zur Welt.
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Tierbestand und neue Tierarten im Tiergarten

Ende 2023 hielt der Tiergarten 4 314 Tiere aus 331 Arten, davon 252 Wirbeltierarten mit 3 380 Individuen. Im Vorjahr waren es 3 939 Tiere aus 287 Arten, davon 218 Wirbeltierarten mit 2 937 Individuen.

Nana und Finja: Hoppla, jetzt kommen wir!

Im Mai 2023 nahm der Tiergarten drei weibliche Eisbären (Ursus maritimus) aus dem Tiergarten Schönbrunn in Wien, dem Erlebniszoo Hannover und dem Dierenrijk Mierlo in den Niederlanden auf. Dafür ging Eisbärin Vera nach Hannover und Eisbär Nanuk nach Wien.

Dörte macht das Delphin-Schwestern-Trio perfekt

Kurz zuvor kam ein Großer Tümmler (Tursiops truncatus) aus dem Zoo Duisburg an. Die Nürnberger Delfingruppe ist damit auf sieben Tiere angewachsen. Auch die Seekühe haben Zuwachs bekommen: Im Juli übernahm der Tiergarten eine weibliche Rundschwanzseekuh (Trichechus manatus) aus dem Zoo Wroclaw in Polen. Auf Empfehlung des Europäischen Erhaltungszuchtprogramms EEP (EAZA ex­Situ Programme) hat der Tiergarten seinen weiblichen sibirischen Tiger (Panthera tigris altaica) mit einer Kölner Tigerkatze getauscht.

Daneben hat der Tiergarten auch 62 neue Arten in seinen Bestand aufgenommen, 52 davon Fische und Wirbellose. Außerdem zum Beispiel die stark gefährdeten südamerikanischen Chaco­Pekaris (Catagonus wagneri).

Mit den stark gefährdeten südamerikanischen Chaco-Pekaris ist 2023 eine neue Art in den Tiergarten eingezogen. | Foto: Tom Burger / Tiergarten Stadt Nürnberg
  • Mit den stark gefährdeten südamerikanischen Chaco-Pekaris ist 2023 eine neue Art in den Tiergarten eingezogen.
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„Den Nabelschweinen macht vor allem der Verlust ihres Lebensraums zu schaffen. Wenn dieser Trend anhält, dann wird es einer Studie zu Folge in noch nicht einmal 30 Jahren keine Chaco­-Pekaris mehr außerhalb von Schutzgebieten und Zoos geben“, sagt Jörg Beckmann, Biologischer Leiter und stellvertretender Direktor des Tiergartens. Mit dem Eber und den zwei Bachen, die Ende Juni in das Gehege zwischen Trampeltieren und Grevyzebras eingezogen sind, beteiligt sich der Tiergarten am EEP und will damit zum Erhalt der Art beitragen.

In die begehbare Bartgeier­ Großvoliere sind zwei Schwarzstörche (Ciconia nigra) und vier Alpenmurmeltiere (Marmota marmota) eingezogen. Im Sommer haben außerdem acht Blauschafe (Pseudois nayaur), ebenfalls eine EEP­Art, die neu gestaltete ehemalige Guanako­Anlage bezogen.

Zuchterfolge bei bedrohten Arten

Hervorzuheben sind die zahlreichen Zuchterfolge, auch bei bedrohten Arten: So gab es vergangenes Jahr im Tiergarten unter anderem Nachwuchs bei den Asiatischen Löwen (Pathera leo persica), den Schabrackentapiren (Tapirus indicus) und den Gelbrückenduckern (Cephalophus silvicultor). „Der Ducker­Nachwuchs hat schon vor seiner Geburt für viel Aufmerksamkeit gesorgt, da über die Art nur wenig bekannt ist und es bislang kaum Geburten in Zoos gab.

Nach über 30 Jahren ohne Nachwuchs gab es bei den Karpatenluchsen (Lynx lynx carpathicus) wieder Welpen, von denen ein Kater für die Auswilderung in Deutschland vorgesehen ist. Daneben freute sich der Tiergarten über Küken bei den Andenkondoren (Vultur gryphus) und den Harpyien (Harpia harpyia). 

Alpensteinböcke aus Nürnberg haben neue Heimat

Auswilderungsprojekte konnte der Tiergarten im vergangenen Jahr mit fünf Arten durchführen: Er brachte Alpensteinböcke nach Österreich, Europäische Ziesel nach Tschechien, Europäische Sumpfschildkröten nach Hessen, Waldrappe nach Spanien und einen Bartgeier in den Nationalpark Berchtesgaden. Den Jungvogel aus der Eulen­ und Greifvogelstation Haringsee in Österreich hatten die Nürnberger Bartgeier zuvor als Ammeneltern aufgezogen.

Tiergarten wildert Europäische Sumpfschildkröten aus

Klimawaldpfad in luftiger Höhe

Mit dem Einzug der Blauschafe hat der Tiergarten eine weitere Anlage des neuen Asien­Bereichs in Betrieb genommen. Die Kosten für den Umbau der Anlage für Blauschafe betrugen rund 700 000 Euro und wurden vollständig vom Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e. V. getragen. Außerdem gingen die Bauarbeiten an der Delfinlagune weiter voran und der Bau des Klimawaldpfads hat begonnen.
„Der Pfad führt die Gäste in die Kronenregion der heimischen Bäume des Reichswalds. Mit dem Klimawaldpfad machen wir den Lebensraum Wald, die Zusammenhänge im Ökosystem und die Auswirkungen des Klimawandels erlebbar“, sagt Dr. Dag Encke.

Die 450 Meter lange Brückenkonstruktion kostet rund 4,1 Millionen Euro und wird vollständig durch die Zukunftsstiftung der Sparkasse Nürnberg finanziert. Gehege für Waldrentiere, Eulen, Kreuzottern und Amphibien steuert der Tiergarten bei. Die dafür benötigten zirka 750 000 Euro entstammen den Rücklagen des Tiergartens.

Tiergarten Nürnberg bekommt ein neues Highlight!

Auf seiner Außenstelle Gut Mittelbüg in Schwaig mit angegliederter Biolandwirtschaft haben die Landwirte des Tiergartens erneut den Großteil des Grünfutters für die Pflanzenfresser selbst angebaut. Der Mist der Pflanzenfresser wurde wiederum zu nährstoffreichem Dauerhumus verarbeitet, sodass eine nachhaltige Kreislaufwirtschaft mit kurzen Wegen entsteht. Auch das geerntete Heu dient dem Naturschutz: Es entstammt zum großen Teil den Magerwiesen des Naturschutzgebiets Pegnitztal Ost und verschiedenen Wasserschutzgebieten der N­Ergie.

Wissenschaftlicher Tiergarten

2023 sorgte eine Studie zur Elektrorezeption bei Großen Tümmlern, die im Tiergarten Nürnberg durchgeführt wurde, für weltweites Aufsehen: Biologe Dr. Tim Hüttner kam in seiner Doktorarbeit zu dem Ergebnis, dass Delfine elektrische Felder im Wasser spüren.

Der Wert dieses Wissens wurde 2023 einmal mehr in Brasilien deutlich: Im Herbst verendeten im Amazonasgebiet rund 160 Flussdelfine innerhalb kurzer Zeit im Tefé­See. Betroffen waren die ohnehin schon bedrohten Amazonas­Flussdelfine (Inia geoffrensis) und Sotalia­Flussdelfine (Sotalia fluviatilis). Der Tiergarten, die ihm angegliederte Artenschutzgesellschaft Yaqu Pacha e. V. und der Verein der Tiergartenfreunde Nürnberg e. V. haben die Fachleute vor Ort unterstützt. Gemeinsam mit Partnern weltweit haben sie finanzielle Hilfe in Höhe von 68 000 Euro organisiert – auch dank vieler großzügiger Spenden – sowie tiermedizinische und technische Unterstützung für den Einsatz koordiniert.

Auch im laufenden Jahr wird sich im Tiergarten wieder einiges verändern: So werden der Umbau und die Sanierung des Giraffenhauses beginnen, die Arbeiten an der Lagune werden fortgeführt und der Klimawaldpfad wird eröffnet.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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