Kritik von Bundestagspräsidentin
Wenn Kirche zur Politik-Veranstaltung wird
- Landesbischof Kopp beantwortet die Frage, ob die Kirche politisch ist.
- Foto: Armin Weigel/dpa
- hochgeladen von Nicole Fuchsbauer
- Wie politisch darf die Kirche sein?
- Bundestagspräsidentin Julia Klöckner hat dazu eine Debatte ausgelöst.
- Nun äußert sich der bayerische Landesbischof.
Nürnberg (dpa/lby/nf) - In der von Bundestagspräsidentin Julia Klöckner (CDU) angestoßenen Debatte, ob Kirchen sich politisch äußern sollten, hat der bayerische evangelische Landesbischof Christian Kopp auf die Bibel verwiesen. Das Evangelium Jesu sei «durch und durch politisch», sagte er im Nürnberger Presseclub. «Deshalb ist er ja auch gestorben.» Jesus sei den Machthabern zu unbequem geworden.
Auf Klöckners in einem «Bild am Sonntag»-Interview geäußerte Kritik, die Kirche drohe beliebig zu werden, wenn sie sich ständig zu tagesaktuellen Themen äußere, wollte Kopp nicht direkt antworten. «Wir hören es, kommentieren es aber nicht, weil wir unsere eigenen Dinge regeln.»
Die evangelische Kirche muss sich in Bayern auf große Veränderungen einstellen - denn sie wird kleiner, weil die Mitgliederzahl sinkt und damit auch der finanzielle Spielraum. Einsparungen bei kirchlichen Immobilien betreffen aber nicht zuvorderst die Gotteshäuser, wie Landesbischof Christian Kopp versicherte: «In Bayern geht es nicht um die Kirchen». Gerade im Fränkischen sei die Kirche vor Ort identitätsstiftend.
Vielmehr sehe man Einsparmöglichkeiten bei Pfarrhäusern und Gemeindezentren. Viele Pfarrerinnen und Pfarrer wollten nicht mehr in den Pfarrhäusern leben, sondern lieber individuell einen Wohnort suchen. «Die Häuser kosten uns aber wahnsinnig viel Geld», sagte Kopp. Bei den Gemeindezentren wolle man die Zusammenarbeit mit der katholischen Seite und der politischen Gemeinde suchen. Grundsätzlich gelte jedoch: «Kirche ist lokal, wir brauchen sie vor Ort.»
Schwerpunkte statt Rasenmäher
Den Gemeinden riet er, auch bewusst auf Angebote zu verzichten, um sich neu zu fokussieren. «Es geht darum, bestimmte Dinge zu lassen.» Er wisse, dass dies ein schwerer Weg sei. «Wenn wir aber mit dem Rasenmäher darüber gehen, dann leiden alle. Deshalb geht es darum, Schwerpunkte zu setzen und zu fragen: Was lassen wir?»
Kirchentag 2025
Der Kirchentag 2025 findet in Hannover statt und dauert vom 30. April bis zum 4. Mai 2025. "Wir wollen zeigen, dass ein Großereignis wie der Kirchentag nicht nur politisch, kulturell und spirituell inspirierend, sondern auch klimafreundlich sein kann", so Anja Siegesmund, Kirchentagspräsidentin auf der Website des Kirchentages. Zu den Themen des Kirchentages gehören u.a. Geschlechterwelten und Regenbogen, Demokratie, Zusammenhalt, Vielfalt, Internationale Politik, Religiöse und kulturelle Vielfalt, Kinder und Familien, Sexuelle Gewalt und Machtmissbrauch, Internationale Politik - Sicherheitspolitik.
Kirchenaustritte 2024
345.000 Menschen kehrten 2024 der evangelischen Kirche den Rücken, im Jahr zuvor waren es rund acht Prozent mehr (380.000). Etwa 335.000 evangelische Christinnen und Christen starben der Statistik zufolge. Dem Verlust standen rund 110.000 Taufen und 15.000 Kircheneintritte gegenüber. Unter dem Strich steht nach Angaben der EKD ein Mitgliederverlust um 3,2 Prozent.
Aus der katholischen Kirche traten 2024 rund 322.000 Menschen aus, im Jahr zuvor waren es mehr als 400.000. 213.000 katholische Bestattungen meldeten die 27 katholischen Bistümer für das Jahr 2024.
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