Top-Talk bei #nuedigital in Nürnberg
Zukunft made in Mittelstand - Motor für Veränderung
- Constanze Oschmann (CEO von SELLWERK, li.) und Julia Bangerth (COO und CHRO der DATEV eG).
- Foto: Sellwerk/Jens Liebenberg
- hochgeladen von Victor Schlampp
NÜRNBERG – Wie steht es um unseren Mittelstand – und wie wird es mit ihm weiter gehen? Der spannende Talk bildete einen Höhepunkt des Nürnberg Digital Festival 2025 bei SELLWERK in der Pretzfelder Straße. Auf dem Podium: Julia Bangerth (COO und CHRO der DATEV eG) und Constanze
Oschmann (CEO von SELLWERK).
Die Vorständinnen sprachen über Chancen und Herausforderungen, die mittelständische Unternehmen im digitalen Zeitalter erwarten. Gemeinsam warfen sie einen Blick auf...
...den Mittelstand:
Julia Bangerth: „Wir haben im Rechenzentrum Daten von 2,9 Millionen Unternehmen, rund 15 Millionen Löhne – und wir sehen: dem Mittelstand geht es gut! Wir haben erstmals im Mai eine Umsatzsteigerung gesehen. Aber wir sehen auch, dass seit gut zwei Jahren die Lohnsteigerungen gerade im Mittelstand deutlich höher sind als die Umsatzsteigerungen.Wenn ich den Mittelstand als Rückgrat der deutschen Wirtschaft bezeichne, dann besteht immenser Handlungsbedarf. Vor allem, weil wir auch stetigen Beschäftigungsrückgang sehen.“
...Digitalisierung:
Constanze Oschmann: „Wenn man Digitalisierung hört, denkt man erst mal an Technik. Ich glaube, bei einem großen Change-Prozess ist es wichtig, an die Haltung im Unternehmen zu denken. An das Team zu denken, weil dieser Wandel die DNA des Unternehmens verändert. Da werden alte Abläufe mit ganz neuen kombiniert. Deshalb ist die Haltung, dieser tiefe, kulturelle Wandel, ganz wichtig – sowohl in der Führung als auch in den Teams.“
...Trends:
Julia Bangerth: „Es gibt eine Standardformel, die heißt: Wir überschätzen die technologischen Entwicklungen in den nächsten paar Monaten. Aber wir unterschätzen die mittel- bis langfristigen Entwicklungen, weil wir uns als Menschen schwer tun mit exponentieller Entwicklung. Das ist etwas, das unser Gehirn sich nicht gut vorstellen kann. Deshalb ist Scouting wichtig: Wo sind die Trends? Wo sind Themen, die wir mitgehen müssen? Wo können wir Mehrwert liefern? Wir haben viele Kolleginnen und Kollegen, die regelmäßig in den USA sind und sich anschauen: Was kommt da?“
...Künstliche Intelligenz (KI):
Constanze Oschmann: „In der Marktforschung sieht man, dass KI mit Abstand das Innovativste bei den Unternehmen ist, gerade im Mittelstand. So eine einheitliche Bewertung gab es in den letzten Jahren nicht.“
Julia Bangerth: „Die Frage ist: Was ist das Ziel? KI nur einzusetzen, damit man sagen kann, ich habe jetzt KI und einen schönen Marketing-Gag – was durchaus auch Unternehmen tun? Unser Ansatz ist größtmögliche Effizienz durch KI-Tools. Was hilft mir, effizienter zu sein, z.B. im Bereich der Softwarewicklung. Was hilft mir im Bereich Service, mehr Kundenanfragen beantworten zu können.“
Constanze Oschmann: „Spannend ist, dass der Mittelstand durchaus sieht, dass Geschwindigkeit in dem Bereich einen Skalenvorteil bringt – aber er sich trotzdem schwer damit tut, KI einzuführen.“
...Lösungen:
Constanze Oschmann: „Gerade in Deutschland ist es so, dass Digitalisierungsthemen in der öffentlichen Wahrnehmung hauptsächlich geprägt sind von Datenschutz oder Cybercrime. Die Chancen, die sich durch Digitalisierung und KI bieten, sind hingegen nicht so in der Kommunikation. Wir wollen den Mittelstand unterstützen. Mit Produkten, die zum Teil KI-unterstützt sind, die dem Mittelständler eine Plattform geben, auf der er sich austauschen kann.“
Julia Bangerth: „Die Zahl der Beschäftigten in den nächsten Jahren wird rückläufig sein, weil die rentenstarken Jahrgänge erst kommen und weniger Menschen nachkommen. Häufig erlebt man Ängste und den einen oder anderen Job wird es in ein paar Jahren in der aktuellen Form nicht mehr geben. Aber es wird sich weiterentwickelnde Themen geben – und ohne Effizienz durch KI wird gerade der Mittelstand ein großes Problem haben.“
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