Sechsfach Mord in Stade
UPDATE 2: Staatsanwaltschaft ermittelt mit Hochdruck nach tödlichen Schüssen und Fluchtversuch
- Die Gewalttat in Stade hat zu viel Anteilnahme geführt. (Archivbild vom 4.7.)
- Foto: Carsten Neff/dpa
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- Ein 45-jähriger Türke steht im Mittelpunkt der Ermittlungen zur Gewalttat mit sechs Toten in Stade.
- Er ist aber nicht der Einzige, gegen den weiter ermittelt wird.
- Die Schwiegermutter eines SPD-Politikers soll nach den Schüssen in Stade den Fluchtwagen gesteuert haben.
- Noch ist unklar, wie viel sie wusste.
- Kinder eines Opfers der brutalen Tat sind nun Vollwaisen
UPDATE 2: 6. Juli
Stade (dpa/nf) - Eine Woche nach der tödlichen Gewalttat im niedersächsischen Stade ermittelt die Staatsanwaltschaft unter Hochdruck. Viele Fragen sind nach dem Tod von sechs Menschen in der Jugendhilfeeinrichtung weiter offen, der Tatverdächtige Fatih G. sitzt als Einziger in Untersuchungshaft.
Gibt es gegen die Mutter des Kindes und die Fahrerin des Fluchtwagens auch den Vorwurf des Mordes?
Die Staatsanwaltschaft Stade erklärte nun, dass die Ermittlungen bislang nicht so weit seien, eine mögliche Beteiligung der Frauen abschließend zu beurteilen. Gegen die 34 Jahre alte Partnerin und die Begleiterin des Verdächtigen besteht nach Angaben der Staatsanwaltschaft Stade kein dringender Tatverdacht. Das Ermittlungsverfahren werde gegen alle drei wegen des Vorwurfs des Mordes geführt, hieß es. Ihre Tatbeteiligung werde seit dem vergangenen Montag untersucht - welcher Tatvorwurf den Frauen gemacht werden könne, sei noch unklar, sagte Pressesprecherin Julia Pirk.
- SPD-Politiker Deniz Kurku ist der Schwiegersohn der Frau, die das Fluchtfahrzeug des mutmaßlichen 6-fach Mörders gefahren hat.
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Die Fahrerin kommt aus Bremen und arbeitet - wie bekannt wurde - für eine staatlich geförderte NGO, die binationale Ehen unterstützen soll, als Familien- und Migrationsberaterin. Nach unbestätigten Medienberichten soll das Fluchtfahrzeug (Mercedes AMG) kurz vor der Tat auf die 65-Jährige zugelassen worden sein. Zudem ist Sylvia S. die Schwiegermutter des niedersächsischen Migrationsbeauftragten Deniz Kurku. Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies unterstützte Kurku nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung von dessen Schwiegermutter: «Deniz Kurku hat richtig gehandelt, offen zu informieren, dass seine Schwiegermutter in das Geschehene verwickelt ist», betonte der SPD-Politiker. «Ihn trifft selbst keine Schuld. Wir stehen an seiner Seite.»
Was ist über den Tatverdächtigen bekannt?
Der 45 Jahre alte mutmaßliche Schütze mit türkischer Staatsbürgerschaft sitzt wegen des Verdachts des sechsfachen Mordes in Untersuchungshaft. Der genaue Ablauf der tödlichen Schüsse in einer Jugendhilfeeinrichtung in der Hansestadt werde noch rekonstruiert, hieß es von der Staatsanwaltschaft.
Der Mann aus dem Raum Hannover soll in einer Mutter-Kind-Wohngruppe in der Stadt westlich von Hamburg anlässlich eines Gesprächs über das Sorgerecht des drei Monate alten Kindes vier Frauen und zwei Männer getötet haben. Neben drei Mitarbeitern aus der Region Hannover starben drei Menschen, die in der Einrichtung in Stade arbeiteten.
Ist der 45-Jährige vorbestraft?
Medienberichte, wonach der Verdächtige in der Türkei bereits in Haft gesessen habe und die Gründe dafür, wollte Pirk nicht bestätigen: «Zu Vorverurteilungen des mutmaßlichen Schützens liegen hier keine Erkenntnisse vor.» Die offiziellen Wege der internationalen Zusammenarbeit in Strafsachen seien aufgenommen worden. Ein möglicher Auslieferungsantrag sei nicht bekannt. Vor allem habe man aber das Interesse, die Gewalttat von Stade aufzuklären, betonte sie.
Bekannt ist, dass der Mann andere Menschen bedroht haben soll. Die Staatsanwaltschaft Hannover führt ein Ermittlungsverfahren gegen ihn. «Der Beschuldigte soll am 22. April im Zusammenhang mit der Behandlung seiner Tochter wegen eines Schütteltraumas gegenüber Ärzten der MHH aggressiv aufgetreten sein und ihnen verbal gedroht haben», hieß es von der Behörde. MHH steht für die Medizinische Hochschule Hannover.
Im Sorgerechtsstreit um das Baby steht zudem noch eine Entscheidung des Oberlandesgerichts Celle aus. Beide Elternteile haben Beschwerde gegen ein familiengerichtliches Eilverfahren vom Amtsgericht Neustadt am Rübenberge eingelegt. Das Amtsgericht hatte unter anderem angeordnet, dass die Kindsmutter und die Tochter gemeinsam in einer Mutter-Kind-Einrichtung untergebracht werden sollen. Auch die Gesundheitssorge wurde den Eltern entzogen.
Muss der Schutz erhöht werden?
Die Kollegen der getöteten Mitarbeiter in Hannover wurden für die Woche freigestellt. Jens Palandt, Erster Regionsrat der Region Hannover, sprach von einem schrecklichen, tragischen Einzelfall: «Wir werden alles tun, unsere Mitarbeiter zu schützen, sollten aber nicht in Aktionismus verfallen.»
Mit dem Schutz von Kindern und Bedrohungen setze man sich regelmäßig auseinander, in der Regel funktioniere diese Arbeit sehr gut. Gegen Einzeltäter gebe es aber keine Schutzstandards. «Natürlich prüfen wir, was wir verbessern können, aber man kann nie komplett ausschließen, dass sowas wieder passiert, weil es überall passieren kann.»
Wie können Hinterbliebene unterstützt werden?
Viele Menschen nehmen Anteil am Schicksal der Opfer - und dem zweier kleiner Kinder. Für die Drei- und Vierjährigen, deren Mutter getötet wurde, kamen über die Spendenplattform GoFundMe bis zum Wochenanfang knapp 780.000 Euro zusammen. Dem Aufruf zufolge hatten die beiden Kinder wenige Wochen zuvor bereits ihren Vater verloren. «Am 9. Juni nahm die Familie Abschied vom Vater der Kinder. Nur 20 Tage später wurde auch ihre Mama viel zu früh aus dem Leben gerissen», steht in dem Aufruf.
Auf der Spendenseite heißt es über die 32-Jährige: «Sie war eine außergewöhnliche Frau. Eine liebevolle Mutter, eine starke Persönlichkeit und ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen.»
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UPDATE:
Stade/Hannover (nf/dpa) - Nach den tödlichen Schüssen auf vier Frauen und zwei Männer in einer Jugendhilfeeinrichtung in Stade haben sich Hunderte Menschen in der Marktkirche Hannover versammelt. Viele weinen, immer wieder wischen sie sich Tränen aus den Augen. Die Gewalttat habe das ganze Land schockiert, sagt Hannovers Oberbürgermeister Belit Onay (Grüne) als einer von mehreren Rednern während der Andacht.
Sechs Erwachsene wurden am Montag brutal aus dem Leben gerissen – darunter zwei Frauen und ein Mann aus dem Raum Hannover, die als Mitarbeiter des Jugendamtes der Region Hannover in der Stader Jugendhilfeeinrichtung waren. Getötet wurden zudem zwei Frauen und ein Mann, die als Beschäftigte der Stader Jugendhilfeeinrichtung vor Ort waren. Bei einem Termin sollte es um das Sorgerecht für ein Baby gehen. Der Vater des Kindes soll geschossen haben.
Unter den Todesopfern der Schüsse in Stade befindet sich auch eine 32-jährige Mutter von zwei kleinen Kindern. Besonders tragisch ist, dass die beiden Kinder etwa drei Wochen vor der Tat ihren Vater durch einen medizinischen Notfall verloren hatten und nun Vollwaisen sind. Für die Drei- und Vierjährigen kamen über die Plattform GoFundMe innerhalb kurzer Zeit bis Freitagvormittag mehr als 600.000 Euro zusammen. Rund 24.000 Menschen beteiligten sich nach Angaben auf der Spendenseite an der Aktion.
Auf der Spendenseite heißt es: «Sie war eine außergewöhnliche Frau. Eine liebevolle Mutter, eine starke Persönlichkeit und ein Mensch mit einem unglaublich großen Herzen. Sie war selbstlos, warmherzig und immer für andere da. Sie hat geholfen, unterstützt und sich mit voller Hingabe für Menschen eingesetzt, die Hilfe brauchten.»
Der mutmaßliche Schütze Fatih G., ein 45-Jähriger mit türkischer Staatsangehörigkeit, sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm sechsfachen Mord vor. Er steht unter Verdacht, sechs Menschen in der Jugendhilfeeinrichtung in Stade erschossen zu haben. Die Ermittler gehen derzeit davon aus, dass das Tatmotiv ein Sorgerechtsstreit um ein drei Monate altes Kind ist.
Fluchtfahrzeug durch Polizei-Schüsse gestoppt
Nach den Schüssen in der Stadt westlich von Hamburg floh der Mann in einem Auto, das die 65-Jährige Sylvia S. fuhr. Beamte schossen auf die Reifen des Mercedes-AMG und nahmen die Insassen fest.
Nach derzeitigen Erkenntnissen hat die Frau eine in mehrerer Hinsicht enge Verbindung zur Familie des Tatverdächtigen. Die Frau setzte sich für den mutmaßlichen Sechsfach-Mörder im Vorfeld ein. Drei Tage vor der Tat verschickte sie ein 20-seitiges Dokument an mehrere Medien, wie die BILD berichtet. In dem Schreiben berichtet die "Patentante" über den Sorgerechtsstreit, den Fatih G. und seine Lebenspartnerin mit den Behörden in der Region Hannover führten. Die Fahrerin kommt aus Bremen und arbeitet - wie bekannt wurde - für eine staatlich geförderte NGO, die binationale Ehen unterstützen soll, als Familien- und Migrationsberaterin. Nach unbestätigten Medienberichten soll das Fluchtfahrzeug (Mercedes AMG) auf die 65-Jährige zugelassen sein.
Die Polizei befragte sie, inzwischen ist sie aus dem Gewahrsam entlassen.
- SPD-Politiker Deniz Kurku ist der Schwiegersohn der Frau, die das Fluchtfahrzeug des mutmaßlichen 6-fach Mörders gefahren hat.
- Foto: Holger Hollemann/dpa
- hochgeladen von Nicole Fuchsbauer
Nach Bekanntwerden der mutmaßlichen Verwicklung seiner Schwiegermutter in die Gewalttat von Stade bekommt der niedersächsische Migrationsbeauftragte Rückendeckung. «Deniz Kurku hat richtig gehandelt, offen zu informieren, dass seine Schwiegermutter in das Geschehene verwickelt ist», betonte Ministerpräsident Olaf Lies (SPD).
Kurku hatte am Donnerstag eine Stellungnahme über seine familiäre Verwicklung veröffentlicht. «Unmittelbar nachdem ich aufgrund von Medienberichten von der Betroffenheit meiner Schwiegermutter Kenntnis erhalten hatte, habe ich dieses den Ermittlungsbehörden und weiteren Stellen in meinem beruflichen Umfeld mitgeteilt», ließ der Landesbeauftragte für Migration und Teilhabe über einen Rechtsanwalt mitteilen.
Fragwürdige Rolle der 65-Jährigen
Inwiefern die 65-Jährige von den Plänen wusste und welche Rolle sie bei der Tat spielte, ist nach Angaben der Ermittler noch unklar. .
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