Schreiben an die Politik
Der heiße Draht zum Volksvertreter
- Das Portal soll helfen, sich an Politiker zu wenden.
- Foto: Moritz Frankenberg/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
Bremen (dpa/ak) – Ein Bremer Politikwissenschaftler hat ein Online‑Werkzeug geschaffen, das Bürgerinnen und Bürgern den Kontakt zu ihren Abgeordneten erleichtern soll. Über das Portal „Brief nach Berlin“ können Nutzer ihr Anliegen schildern und erhalten wenige Klicks später einen formulierten Entwurf sowie die Kontaktdaten des zuständigen Politikers. Mehr als 800 Menschen aus dem ganzen Bundesgebiet nutzten das Angebot bereits in den ersten Wochen, nachdem ein Podcast und mehrere Medien darüber berichtet hatten.
Entwickler Thomas Lorenz kam auf die Idee, als seine Mutter in Duisburg ihrem Ärger über Müll und nächtliche Randale Luft machte, sich aber nicht traute, selbst einen Brief zu schreiben. Die Hürden seien typisch gewesen, sagt der 34‑Jährige: Zweifel am eigenen Anliegen, Unsicherheit beim Formulieren, fehlende Zeit. Noch am selben Abend begann er zu tüfteln und entwickelte einen Prototypen, den seine Mutter prompt testete – und tatsächlich einen Brief einwarf.
Das Portal funktioniert kostenlos auf Handy, Tablet und Rechner. Anliegen können schriftlich oder per Sprachnachricht eingegeben werden, der Entwurf kommt per Mail. Lorenz empfiehlt, den Text anschließend handschriftlich abzuschreiben. Ein persönlicher Brief falle im politischen Alltag stärker auf, sagt er, der früher für zwei SPD‑Bundestagsabgeordnete gearbeitet hat.
Datenschutz spielt für ihn eine zentrale Rolle. Ein Account ist nicht nötig, persönliche Angaben speichert er nicht. Die eingesetzte Künstliche Intelligenz stammt aus Frankreich, Rückmeldungen erhält Lorenz nur über freiwilliges Feedback. So erfährt er etwa, dass derzeit viele Nutzer wegen der geplanten Gesundheitsreform schreiben. Geld verdient er mit dem Projekt nicht, im Gegenteil: Er trägt die laufenden Kosten selbst und investiert viel Freizeit. Sein Ziel ist, Menschen zu ermutigen, sich politisch einzubringen, ohne sich ausgeliefert zu fühlen.
Bis Ende Juni soll das Angebot erweitert werden. Dann sollen auch Schreiben an Landesregierungen und Kommunen möglich sein. Zudem soll die KI künftig Hinweise geben, welche Ebene für welches Thema zuständig ist – etwa wenn es um Müllprobleme geht, die eher ins Rathaus gehören als in den Bundestag. Langfristig hofft Lorenz, dass Entwickler in anderen Ländern seine Idee aufgreifen. Der Code ist öffentlich einsehbar, müsste aber jeweils an die lokalen Gegebenheiten angepasst werden.
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