Tarifbindung weiter ein Sorgenkind
Gefahr für Niedrig-Löhne und schlechte Arbeitsbedingungen steigt

Die Gewerkschaften kämpfen für mehr Tarifverträge in Deutschland. | Foto: Gregor Fischer/dpa (Symbolbild)
  • Die Gewerkschaften kämpfen für mehr Tarifverträge in Deutschland.
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Wiesbaden (dpa/vs) - Löhne, Sonderzahlungen, Mehrurlaub - in Tarifverträgen wird viel zugunsten von Arbeitnehmern geregelt, was für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht tarifgebundener Unternehmen oft nicht der Fall ist. Doch längst nicht alle Beschäftigten arbeiten in tarifgebundenen Firmen.  Welche Branchen vorn liegen.

Nur knapp die Hälfte (49 Prozent) aller Beschäftigten in Deutschland hat 2025 in einem tarifgebundenen Betrieb gearbeitet. Damit blieb die Tarifbindung gemessen an den Vorjahren konstant, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden mitteilte.

Allerdings war die Quote in früheren Jahren deutlich höher: Bis Mitte der 90er Jahre wurden laut dem Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung etwa 85 Prozent aller Beschäftigten nach Tarifvertrag bezahlt.

«Tarifverträge sind der wichtigste Garant für gute Löhne und Arbeitsbedingungen», sagte Thorsten Schulten, Tarifexperte am WSI. Sie leisteten einen wesentlichen Beitrag für den sozialen Zusammenhalt. «Deshalb ist es erschreckend, dass nicht einmal mehr die Hälfte aller Beschäftigten in Deutschland noch durch einen Tarifvertrag geschützt wird.»

Die neuen Daten seien ein Weckruf an die Politik, endlich Maßnahmen für das Tarifvertragssystem zu ergreifen. «Das jüngst beschlossene Bundestariftreuegesetz, nach dem öffentliche Aufträge des Bundes nur noch an tariftreue Unternehmen gehen sollen, kann hier nur ein erster Schritt sein.» Dass eine deutlich höhere Tarifbindung möglich sei, zeigten Länder wie Belgien, Frankreich, Österreich oder Schweden, wo die Tarifbindung deutlich über 80 Prozent liege.

Große Kluft unter Branchen

Der Statistik zufolge gab es 2025 große Unterschiede zwischen den Branchen: Die höchste Tarifbindung gab es im Bereich «Öffentliche Verwaltung, Verteidigung, Sozialversicherung» mit 100 Prozent. Es folgten die Energieversorgung (84 Prozent), Erziehung und Unterricht (79 Prozent) sowie der Finanz- und Versicherungssektor (68 Prozent).

Die Branchen mit der geringsten Tarifbindung 2025 waren Land- und Forstwirtschaft sowie Fischerei (10 Prozent), Kunst, Unterhaltung und Erholung (21 Prozent), das Grundstücks- und Wohnungswesen (21 Prozent). Weit hinten lagen auch das Gastgewerbe und die Erbringung von freiberuflichen, wissenschaftlichen und technischen Dienstleistungen (je 23 Prozent). «Im Vergleich zum Vorjahr veränderte sich die Tarifbindung in den Branchen damit kaum», schrieben die Statistiker.

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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