Selenskyj reist zu Trump
Gespräche über Tomahawk-Raketen geplant
- Die Ukraine will Russland mit Marschflugkörpern unter Druck setzen. (Archivbild)
- Foto: Mass Communication Spc. 3rd Clas/U.S. Navy/dpa
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KIEW/WASHINGTON (dpa/ak) – Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj will am Freitag in Washington mit US-Präsident Donald Trump über die Lieferung von Marschflugkörpern des Typs Tomahawk verhandeln. Ziel der Gespräche sei es, die ukrainische Luftabwehr zu stärken und die Fähigkeit zu weitreichenden Angriffen auszubauen, um Russland zu Friedensverhandlungen zu bewegen. Das kündigte Selenskyj am Montag bei einem gemeinsamen Auftritt mit EU-Außenbeauftragter Kaja Kallas in Kiew an.
Die geplante Lieferung der US-Waffe sorgt bereits im Vorfeld für scharfe Reaktionen aus Moskau. Kremlsprecher Dmitri Peskow warnte vor einer Eskalation und betonte, dass der Einsatz solcher Systeme eine direkte Beteiligung amerikanischer Spezialisten erfordere. Auch Dmitri Medwedew, Vizechef des russischen Sicherheitsrats, äußerte sich besorgt. Auf Telegram schrieb er, die Lieferung könne „für alle schlecht ausgehen – und vor allem für Trump selbst“. Da Tomahawks auch nuklear bestückt sein könnten, sei beim Anflug nicht erkennbar, ob es sich um konventionelle oder atomare Sprengköpfe handle. Russland drohe in solchen Fällen regelmäßig mit nuklearer Gegenwehr.
Die Tomahawk-Marschflugkörper verfügen über eine Reichweite von bis zu 2.500 Kilometern und wurden in der Vergangenheit von den USA vor allem seegestützt eingesetzt. Die Ukraine besitzt derzeit keine geeigneten Kriegsschiffe oder U-Boote, doch die USA haben inzwischen eine landgestützte Variante entwickelt. Selenskyj hatte bereits mehrfach um die Lieferung dieser Waffensysteme gebeten.
Neben dem Treffen mit Trump sind laut Selenskyj auch Gespräche mit US-Rüstungsfirmen sowie mit Senatoren und Kongressabgeordneten geplant. Auf Vorschlag des US-Präsidenten sollen zudem Kontakte zu amerikanischen Energieunternehmen geknüpft werden. Eine ukrainische Delegation unter Leitung von Regierungschefin Julia Swyrydenko ist bereits auf dem Weg in die Vereinigten Staaten. Begleitet wird sie unter anderem vom Chef des Präsidentenbüros, Andrij Jermak, und dem Sekretär des nationalen Sicherheitsrats, Rustem Umjerow.
Auch aus Berlin kommt ein Appell an Trump, sich stärker für ein Ende des russischen Angriffskriegs einzusetzen. Außenminister Johann Wadephul lobte Trumps Vermittlungserfolg im Gaza-Konflikt und forderte ihn auf, nun auch gegenüber dem Kreml Druck auszuüben. Bei einem Treffen mit seinem bulgarischen Amtskollegen Georg Georgiew in Sofia sagte Wadephul, Deutschland hoffe auf neue Impulse für Verhandlungen zwischen Russland und der Ukraine.
Unterdessen setzt Russland seine Angriffe auf ukrainische Städte fort. In der Nacht kam es in Charkiw zu schweren Bombardierungen, die Stromausfälle in drei von neun Stadtteilen verursachten. Vier Menschen wurden verletzt, darunter auch Patienten einer beschädigten medizinischen Einrichtung. Die Großstadt liegt nur rund 20 Kilometer von der russischen Grenze entfernt und ist seit Beginn des Krieges immer wieder Ziel russischer Luftangriffe.
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