Bitte an die Politik: Nicht bremsen!
Solar-Ziel für 2026 erreicht - doch wie geht es weiter?
- Eine der zuverlässigsten Möglichkeiten, zukunftsfähige Projekte auszubremsen, sind deutsche Bürokratie und Regelwut.
- Foto: angelo esslinger-stock.adobe.com (Symbolbild)
- hochgeladen von Victor Schlampp
Berlin (dpa/vs) - Es geht wieder einmal um die deutsche Bundespolitik und um Gesetzesänderungen, die hart erkämpfte Erfolge beim Umstieg in erneuerbare Energien wieder kaputt machen könnten: Der Bundesverband Solarwirtschaft warnt vor einem Ausbauknick - dabei müsste der Zubau in den kommenden Jahren steigen, um die nächsten Zielmarken zu erreichen.
Der Ausbau der Solarenergie in Deutschland hat das Jahresziel für 2026 frühzeitig erreicht. Die installierte Leistung habe die Marke von 128 Gigwatt Peak (GWp) überschritten, teilt der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) mit. «Damit ist das im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) festgelegte Ausbauziel für 2026 erreicht.» GWp beschreibt dabei die von den Solaranlagen maximal leistbare Stromproduktion.
Doch der Verband ist in Sorge, dass die nächsten Etappenziele in Gefahr sein könnten. Wegen geplanter Änderungen der politischen Rahmenbedingungen fürchtet er einen Ausbauknick. «Der 128-Gigawatt-Meilenstein ist ein Erfolg. Doch wer daraus schließt, der Solarausbau laufe jetzt von allein, irrt», sagt Hauptgeschäftsführer Carsten Körnig. «Bis 2030 müssen noch rund 87 Gigawatt Solarleistung hinzukommen. Dafür muss das jährliche Ausbautempo steigen statt sinken.»
Im Gesetz stehen für 2028 bereits 172 Gigawatt, für 2030 dann 215 Gigawatt. Bis 2040 sollen es sogar 400 Gigawatt werden. Das Gesetz wird zwar derzeit überarbeitet, der aktuelle Entwurf sieht aber keine Änderung dieser Werte vor.
Zubau müsste steigen
In den beiden vergangenen Jahren wurden laut BSW-Solar jeweils rund 17,5 GWp an Leistung installiert. Um das Ziel von 215 Gigawatt in 2030 zu erreichen, brauche man aber einen Zubau von 20 GWp pro Jahr. Im ersten Halbjahr 2026 waren es laut BSW-Solar gut 7,5 GWp. Das ist zwar etwas mehr als im Vorjahreszeitraum, doch der Verband vermutet hier auch Vorzieheffekte wegen wegfallender Förderung am Werk.
Eine mögliche Ursache: Viele Privathaushalte installieren Solarmodule, um ihren eigenen Strombedarf größtenteils zu decken und eventuelle Überschüsse ins öffentliche Stromnetz einzuspeisen, wofür sie eine festgelegte Vergütung erhalten. Ab 2027 soll diese Vergütung wegfallen. Besitzer neu installierter Anlagen müssen dann entweder mehr Solarstrom selbst verbrauchen oder den Überschuss selbst vermarkten. Diese Regelungen könnten vor weiteren Neuinstallationen abschrecken.
Der BSW-Solar appelliert deshalb an den Bundestag, die vom Bundeskabinett beschlossene EEG-Novelle 2027 und das Netzanschlusspaket im parlamentarischen Verfahren nachzubessern.
«An einem starken Ausbau von Photovoltaik und Batteriespeichern führt energie- und klimapolitisch kein Weg vorbei. Investitionen brauchen verlässliche Rahmenbedingungen», sagt Körnig. «Wer jetzt die Bedingungen für neue Solaranlagen verschlechtert, riskiert einen Ausbauknick genau in dem Moment, in dem wir mehr Tempo brauchen.»
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