Frauen-Union fordert Aufwertung des Berufsstandes
Hebammen braucht das Land!

Hebamme auf Hausbesuch. 
Foto: © Newman Studio / stock.adobe.com
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ERLANGEN (pm/mue) - Rückläufige Zahlen zwingen zum Handeln: In Erlangen existiert seit Mai eine Hebammenzentrale, im Bayerischen Landtag hat das Thema „höchste Dringlichkeit“.

„Wir können 75 Prozent aller Frauen mit Neugeborenen in Erlangen und Landkreis ambulant mit Vor- und Nachsorge abdecken“, so Ricarda Luschtinetz, Kreissprecherin der Hebammen. „45 Prozent dieser Frauen erhalten gegenwärtig keine Nachsorge“, ist hingegen Prof. Matthias W. Beckmann, Leiter der Universitäts-Frauenklinik in Erlangen, überzeugt. Beide waren jüngst im Rahmen einer Podiumsdiskussion der Erlanger Frauen-Union sowie des Gesundheits- und pflegepolitischen Arbeitskreises der CSU Mittelfranken aufeinandergetroffen. Hier hatten Expertinnen aus Praxis und Lehre zahlreiche Fragen zu Gegenwart und Zukunft der Hebammenversorgung in Erlangen Stadt und Land aufgeworfen – Hauptpunkt war dabei der allgemeine Hebammenmangel im Freistaat.

Ausbildung soll reformiert werden

„Es kann nicht sein, dass Kreißsäle deshalb schließen und Frauen verzweifeln“, so der Landtagsabgeordnete Bernhard Seidenath, Vorsitzender des Ausschusses für Gesundheit und Pflege im Maximilianeum, der als dritter mit auf dem Podium saß. Er betonte, dass es bereits seit 2013 höchste Dringlichkeit im Landtag habe, die Zahl der Hebammen in Bayern zu stabilisieren. „Dafür haben wir Millionenbeträge zur Verfügung gestellt.“ Als Gründe für den Rückgang sah der CSU-Politiker die gestiegenen Haftpflichtversicherungsbeiträge und eine zu geringe Ausbildungsleistung im Freistaat an. Pro Jahr verlassen Angaben zufolge zwischen 100 und 110 neue Hebammen die sieben Berufsfachschulen in Bayern. „Wir brauchen aber jährlich 150“, so Seidenath.

Ab 2021 will man die Ausbildung grundlegend reformieren; dann soll sie, wie bereits in den meisten europäischen Ländern üblich, auch in Deutschland akademisch als Bachelorstudiengang an Hochschulen angeboten werden. „Die Umstellung muss nahtlos erfolgen, damit keine Lücke entsteht“, betont Seidenath. Exakt dieses Szenario prognostizierte indes Prof. Dr. Matthias W. Beckmann. „Wir sind nicht in der Lage, so schnell einen Studiengang hier zu schaffen“, erklärte er und befürchtet, dass die Zahl der Nachwuchs-Hebammen ab 2024 deutlich zurück geht. „Es werden in Erlangen 60 fehlen“, rechnete er vor. Beckmann forderte ein „Geburtshilfeförderprogramm“, das angestellte Hebammen in Kliniken für ihre Arbeit im Kreißsaal belohnen soll. Ricarda Luschtinetz und einige anwesende Kolleginnen verlangten hingegen bessere Rahmenbedingungen für die Arbeit in der Klinik. „Sie haben häufig drei Frauen gleichzeitig an der Hand“, schilderte Luschtinetz ihre eigenen Erfahrungen. „Zwei Frauen dürften es höchstens sein. Wünschenswert wäre eine Eins-zu-Eins-Betreuung.“ Ansonsten sieht Luschtinetz in der Akademisierung des Berufs einen großen Vorteil: „Das eröffnet mehr Möglichkeiten und bietet sogar Karrierechancen.“

Hier gibt‘s Hilfe:
Für die Zeit von der Vor- bis zur Nachsorge (Wochenbett) finden Schwangere auch online eine Hebamme unter:

hebammenzentrale-erlangen.de

Autor:

Uwe Müller aus Nürnberg

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