Ludwig‑Erhard‑Preis in Fürth
Ludwig‑Erhard‑Preis geht an Dr. Robert Maximilian Rühl
- Der diesjährige Preisträger Dr. Robert Maximilian Rühl (li.), Festredner Dr. Gabriel Felbermayr und Evi Kurz, Vorstandsvorsitzende der Stiftung Ludwig-Erhard-Haus und Vorsitzende des Ludwig-Erhard-Initiativkreis Fürth e. V..
- Foto: Ludwig-Erhard-Initiativkreis Fürth e.V.
- hochgeladen von Arthur Kreklau
FÜRTH (pm/ak) – Vor rund 300 Gästen in der Fürther Stadthalle hat der Ludwig‑Erhard‑Initiativkreis zum 23. Mal seinen Wissenschaftspreis verliehen. Die Auszeichnung, benannt nach dem in Fürth geborenen früheren Bundeskanzler und Wirtschaftsminister, ging in diesem Jahr an Dr. Robert Maximilian Rühl. Seine an der Universität Bayreuth mit magna cum laude bewertete Dissertation über neue Wege der Rentenversicherung setzte sich gegen eine Rekordzahl von 36 Bewerbungen durch.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann hob bei der Veranstaltung die Bedeutung des Preises für den Wirtschaftsstandort Bayern hervor. Die ausgezeichneten Promotionsarbeiten, so Herrmann, knüpften an das Erbe Ludwig Erhards an und beschäftigten sich mit den wirtschaftlichen Herausforderungen der kommenden Jahre. Sie stünden für Mut, Innovationskraft und die Bereitschaft, neue Wege zu gehen.
Rühl untersucht in seiner Arbeit, wie die gesetzliche Rente demografiefester gestaltet werden könnte. Er sieht das Leistungsprinzip aus dem Gleichgewicht geraten, weil Menschen mit hohen Einkommen statistisch länger leben und damit überproportional profitieren. Sein Reformvorschlag setzt an zwei Punkten an: einer degressiven Vergabe von Entgeltpunkten sowie Rentenanpassungen, die sich künftig an der Inflation statt an der Lohnentwicklung orientieren sollen. Das Ergebnis wäre nach seiner Einschätzung mehr Leistungsgerechtigkeit und mittelfristig sinkende Sozialbeiträge. Menschen mit niedrigen Einkommen würden etwas höhere Renten erhalten, Menschen mit hohen Einkommen etwas niedrigere.
Als Festredner war Professor Gabriel Felbermayr, Direktor des Österreichischen Instituts für Weltwirtschaft, nach Fürth gekommen. Er ordnete Rühls Ansatz in die internationale Debatte ein und verwies auf die in Österreich bereits inflationsgebundene Rentenanpassung. Zudem spannte er einen historischen Bogen zu Ludwig Erhard und Friedrich August von Hayek, deren wirtschaftspolitische Überzeugungen er mit Blick auf aktuelle Handelskonflikte gegenüberstellte. Während Erhard globale Verwerfungen als Realität akzeptieren und mit europäischer Kooperation gegen Machtkonzentrationen vorgehen würde, sähe Hayek eine grundsätzliche Gefahr für den freien Markt und warnte vor merkantilistischen Tendenzen.
Bayerns Innenminister Joachim Herrmann erinnerte in seinem Grußwort an Erhards Leitgedanken der Eigenverantwortung und mahnte, sich nicht von Pessimismus leiten zu lassen. Wohlstand sei Ergebnis von Konzepten und Arbeit, nicht von staatlicher Fürsorge.
Der Ludwig‑Erhard‑Preis wird seit 2003 an frisch promovierte Wissenschaftler vergeben, deren Arbeiten praxisnah und gesellschaftlich relevant sind. Die Vorsitzende des Initiativkreises, Evi Kurz, sprach angesichts der 36 Bewerbungen aus fünf Ländern von einem gewachsenen internationalen Renommee. Neben dem Preisträger wurden Dr. Robert Messerle und Dr. Jonas Stehl für ihre Forschungen zur Krankenhauspolitik und zur globalen Ernährungssicherheit mit jeweils 1.000 Euro ausgezeichnet.
Herrmann erinnerte an Erhards Rolle beim wirtschaftlichen Wiederaufbau nach dem Zweiten Weltkrieg. Auch wenn der Vater des Wirtschaftswunders nicht nur Zustimmung erfahren habe, sei sein Beispiel ein Hinweis darauf, wie wichtig Durchhaltevermögen und Selbstvertrauen seien. Werte, die nach Ansicht des Ministers heute besonders gebraucht würden.
Herrmann dankte dem Verein und seiner Vorsitzenden Evi Kurz für ihr langjähriges Engagement. Die Preisverleihung zeige, wie stark sich der Initiativkreis für die Zukunft der sozialen Marktwirtschaft und für wirtschaftswissenschaftliche Exzellenz einsetze.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.