Neue Bewegung in alten Fällen
Zahlreiche Hinweise nach „Aktenzeichen XY“ zu Mädchenmorden in Bayern
- Die Kripo Kempten hat nach der Fernsehfahndung zahlreiche Hinweise zum Mordfall Sonja Hurler aus dem Jahr 1981 erhalten. (Archivbild)
- Foto: Polizeipräsidium Schwaben Süd/West/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
KEMPTEN/FÜRTH (dpa/lby/ak) – Die Ausstrahlung der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY… ungelöst“ hat zwei jahrzehntealte Mordfälle in Bayern erneut ins öffentliche Bewusstsein gerückt – und für die Ermittler eine Fülle neuer Hinweise beschert. Seit der Sendung stehen die Telefone bei der Polizei nicht mehr still, wie Johannes Stoll, Sprecher des Polizeipräsidiums Kempten, bestätigt. Die Resonanz sei außergewöhnlich hoch gewesen.
Im Mittelpunkt der Ermittlungen steht der Mord an der 13‑jährigen Sonja Hurler, die in der Nacht zum 5. Juli 1981 in Kempten getötet wurde. Eine gesicherte DNA‑Spur verbindet den Fall inzwischen mit einem weiteren Verbrechen: dem Mord an der zwölfjährigen Marion Baier, die am 2. Juli 1973 nach einem Festbesuch in Zirndorf ums Leben kam. Beide Mädchen wurden vermutlich Opfer desselben Täters, eines Sexualstraftäters, der bis heute nicht gefasst wurde.
Die XY‑Sendung widmete sich vor allem dem Fall Hurler, stellte aber auch die Verbindung nach Mittelfranken her. Besonders ins Auge fiel damals ein silberner Christopherus‑Anhänger, der am Tatort in Oberasbach gefunden wurde. Die Ermittler gehen davon aus, dass Marion Baier ihn ihrem Angreifer im Gerangel abgerissen haben könnte. Auch zu diesem Schmuckstück meldeten sich Zuschauerinnen und Zuschauer mit Hinweisen.
Mehr als 30 Anrufe gingen allein bei der Kemptener Kripo ein, zahlreiche weitere direkt im Fernsehstudio. Das ZDF sprach bereits von der höchsten Zahl an Rückmeldungen innerhalb der aktuellen Sendung. Unter den Hinweisen seien „vielversprechende Informationen“, so Stoll. Welche Spuren genau verfolgt werden, bleibt aus ermittlungstaktischen Gründen offen.
Die Polizei hatte in der Vergangenheit bereits eine groß angelegte genetische Reihenuntersuchung durchgeführt. Rund 300 Männer, die 1981 in der Nähe des Tatorts lebten, gaben damals eine Probe ab – ohne Treffer. Unmittelbar vor dem Mord an Sonja Hurler soll zudem eine Gruppe Jugendlicher das Mädchen durch einen Kemptener Ortsteil gejagt haben. Mehrere Zeugen berichteten davon, doch auch diese Spur führte bislang nicht zur Identität des Täters.
Mit den neuen Hinweisen wächst nun die Hoffnung, dass sich nach Jahrzehnten doch noch ein entscheidender Ansatzpunkt findet. Die Ermittler prüfen jede Spur sorgfältig – in der Hoffnung, zwei Familien endlich Gewissheit geben zu können.
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