Den passenden Strom- und Gastarif finden
Schritt für Schritt zur sicheren Wahl
- Bei der Tarifwahl sind die Laufzeit und die Preisgarantie zentrale Stellschrauben.
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Die Energiekosten stellen bekanntlich für die meisten Haushalte in und um Nürnberg einen erheblichen Posten im Budget dar. Und in einem komplexen Markt mit Hunderten von Anbietern und Tarifen fällt die Wahl des passenden Angebots dementsprechend oft nicht leicht. Sie kann jedoch direkt zu spürbaren finanziellen Entlastungen führen, wenn einige grundlegende Kenntnisse und eine systematische Vorgehensweise angewendet werden. Eine informierte Entscheidung verhindert unliebsame Überraschungen auf der Jahresrechnung.
Ausgangslage und Verbrauch klären
Bevor der Vergleich überhaupt beginnt, muss im ersten Schritt der individuelle Bedarf ermittelt werden. Die Haushaltsgröße und die Anzahl der elektrischen Geräte geben erste Hinweise, doch präziser ist der aktuelle Jahresverbrauch in Kilowattstunden (kWh). Dieser ist in der Regel auf der letzten Strom- oder Gasjahresrechnung zu finden. Parallel dazu sollten die Preise des aktuellen Tarifs (Arbeitspreis pro kWh und monatlicher Grundpreis) notiert werden.
Ein weiterer essenzieller Punkt ist die Zählerart. Handelt es sich um einen einfachen Eintarifzähler oder einen Doppeltarifzähler (auch Zweitarifzähler genannt), der zwischen Hoch- und Niedertarif unterscheiden kann? Diese Information bestimmt, welche Tarifarten überhaupt in Frage kommen. Darüber hinaus sollte möglichst frühzeitig geklärt werden, ob man normales Erdgas oder Biogas beziehen möchte.
Tarifarten und Preisbestandteile verstehen
Jeder Tarif setzt sich aus zwei Hauptkomponenten zusammen: dem Arbeitspreis für jede verbrauchte Kilowattstunde und dem Grundpreis, einer festen monatlichen Gebühr. Die Gesamtkosten ergeben sich aus der Summe beider Posten über das Jahr hinweg. Entscheidend ist daher stets der zu erwartende Gesamtpreis für den eigenen Verbrauch.
Bei der Tarifwahl sind die Laufzeit und die Preisgarantie zentrale Stellschrauben, um die verschiedenen Strom- und Gasanbieter vernünftig miteinander vergleichen zu können. Eine längere Preisgarantie (beispielsweise 12 oder 24 Monate) schützt vor kurzfristigen Preiserhöhungen, bindet aber auch für den gesamten Zeitraum. Gerade vor dem Hintergrund der Entwicklung der Strom- und Gaspreise in den letzten Jahren lohnt es sich, diesen Punkt bewusst zu bewerten. Wer eher mit weiteren Schwankungen rechnet, setzt häufig auf eine längere Preisgarantie für mehr Planungssicherheit. Wer flexibel bleiben möchte, wählt kürzere Laufzeiten, um bei sinkenden Preisen schneller wechseln zu können. Öko-Optionen reichen von Tarifen mit einem gewissen Ökostrom-Anteil bis hin zu Tarifen mit zertifizierter Energie aus neuen Anlagen. Tipp: Ihre Glaubwürdigkeit lässt sich an unabhängigen Siegeln wie "ok-power" oder "Grüner Strom" erkennen.
Von sogenannten Pakettarifen ("Strom- oder Gaspaket") oder Vorkassemodellen ist aus Verbrauchersicht hingegen oft abzuraten. Bei Paketen wird eine Pauschalmenge bezahlt – wird weniger verbraucht, geht Geld verloren. Und bei Mehrverbrauch wird es sogar noch teuer. Vorkasse- oder Guthabenmodelle bergen hingegen das Risiko, bei einer Insolvenz des Anbieters oder sonstigen Problemen das vorausbezahlte Geld zu verlieren.
Wichtige Vertragskonditionen prüfen
Das Kleingedruckte entscheidet über Flexibilität und tatsächliche Kosten. Die Mindestlaufzeit und die darauffolgenden Kündigungsfristen müssen beachtet werden. Viele Verträge verlängern sich automatisch, wenn sie nicht fristgerecht gekündigt werden – bei neu abgeschlossenen Verträgen (seit dem 1. März 2022) läuft der Vertrag nach der Erstlaufzeit in der Regel unbefristet weiter und ist dann monatlich kündbar; bei älteren Verträgen können abweichende Verlängerungen gelten.
Besondere Vorsicht ist bei Preisänderungsklauseln geboten. Sie regeln, unter welchen Bedingungen der Anbieter die Preise auch während der Preisgarantie erhöhen darf, beispielsweise bei steigenden Netzentgelten. Auch Bonuszahlungen oder Rabatte sind meist mit Bedingungen verknüpft. Ein häufig angebotener Neukundenbonus wird in der Regel nur einmalig nach 12 Monaten ausgezahlt. Kündigt der Verbraucher vorher, verfällt dieser Bonus oft vollständig.
Strom- und Gastarife vergleichen
Vergleichsportale sind das wichtigste Werkzeug für die Tarifsuche, gerade wenn man die Strom- und Gasanbieter in Nürnberg strukturiert gegenüberstellen will. Um effizient zum passenden Tarif zu finden, sollten gezielt Filter gesetzt werden: nach dem eigenen Jahresverbrauch, der gewünschten Laufzeit, einer Preisgarantie oder einer Öko-Zertifizierung. Wichtig: Die Aufmerksamkeit sollte dabei immer auf den zu erwartenden Gesamtjahreskosten liegen, nicht auf einer vermeintlich günstigen Monatsrate.
Unseriöse Lockangebote lassen sich oft an unrealistisch niedrigen Preisen, undurchsichtigen Bedingungen oder einem extrem hohen Bonus erkennen, der die Gesamtkosten verzerrt. Seriöse Portale zeigen die Tarife in einer einheitlichen Reihenfolge nach den Gesamtkosten an und kennzeichnen Anbieter transparent.
Tarif auswählen und weiter im Blick behalten
Vor der endgültigen Wahl helfen persönliche Prioritäten: Steht der niedrigste Preis im Vordergrund, der Wunsch nach nachhaltiger Bio-Energie oder die maximale Flexibilität ohne lange Vertragsbindung? Der passende Tarif wird dann ausgewählt und der Wechsel direkt über den neuen Anbieter oder das Portal selbst angestoßen. Gut zu wissen: In der Regel kümmert sich der neue Versorger um die Kündigung beim alten und die Lieferung erfolgt nahtlos und ohne Unterbrechungen.
Nach dem Wechsel ist die Aufgabe allerdings nicht dauerhaft erledigt. Die monatlichen Abschlagszahlungen sollten regelmäßig mit dem tatsächlichen Verbrauch abgeglichen werden, um hohe Nachzahlungen oder Guthaben zu vermeiden. Spätestens zwei Monate vor dem Ablauf der Preisgarantie oder Vertragsbindung lohnt erneut ein prüfender Blick auf den Markt, um nicht in eine teure automatische Verlängerung zu rutschen. Ein systematisches Vorgehen macht die Energiewahl zu einer kalkulierbaren Entscheidung ohne böse Überraschungen.
Fazit: Strom und Gas müssen nicht zwangsläufig teuer sein
Die Wahl des passenden Strom- und Gastarifs ist ein systematischer Prozess, der klare Ersparnisse und Planungssicherheit ermöglicht. Entscheidend ist es, von der eigenen Ausgangslage – konkret dem Jahresverbrauch und der Zählerart – auszugehen. Bei dem anschließenden Vergleich liegt der Fokus auf den realen Gesamtjahreskosten, die sich aus dem Arbeits- und Grundpreis zusammensetzen, nicht auf Lockangeboten oder isolierten Monatsraten.
Das Verständnis der Vertragskonditionen ist mindestens ebenso wichtig wie der reine Preis. Laufzeit, Preisgarantie, Kündigungsfristen und die verschiedenen Bedingungen für Boni bestimmen die langfristige Kostenentwicklung und schlussendlich auch die Flexibilität. Letztlich führt eine informierte und methodische Vorgehensweise zu einer kalkulierbaren Energierechnung ohne versteckte Fallstricke und böse Überraschungen auf der Jahresendabrechnung.
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