Filmstart mit Tiefgang
„Das Ungesagte“ beleuchtet verdrängte NS-Vergangenheit

Gespräch mit Patricia Hector und Lothar Herzog über ihre Regiearbeit. Am Dienstag, 18. November 2025 (18 Uhr) im Metropolis. | Foto: Entertainment Kombinat
  • Gespräch mit Patricia Hector und Lothar Herzog über ihre Regiearbeit. Am Dienstag, 18. November 2025 (18 Uhr) im Metropolis.
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KINO-TIPP (pm/ak) – Am 6. November startete der Dokumentarfilm „Das Ungesagte“ von Patricia Hector und Lothar Herzog bundesweit in den Kinos. Die Regiearbeit widmet sich einem Thema, das in vielen deutschen Familien bis heute kaum ausgesprochen wird: der eigenen Verstrickung in das NS-Regime. Mit einem psychologischen Ansatz und eindringlichen Gesprächen gelingt dem Film ein Blick in das kollektive Unterbewusstsein der deutschen Gesellschaft.

Am Dienstag, 18. November (18 Uhr) wird es ein Special-Screening mit anschließendem Gespräch im Metropolis in Nürnberg geben. Das Regieteam um Patricia Hector und Lothar Herzog wird persönlich anwesend sein. Thorsten Schaumann, der Leiter der Hofer Filmtage, wird das Gespräch führen.

„Die meisten Deutschen, die damals für das NS-Regime waren, haben nach 1945 nie wieder über diese Zeit gesprochen“, erklären Hector und Herzog. „In fast allen deutschen Familien war das Thema tabu: Das Ungesagte.“ Der Film versucht, diese Leerstelle in der Erinnerungskultur zu füllen – mit schmerzhaft ehrlichen, teils verstörenden, aber auch berührenden Aussagen von Zeitzeugen. Dabei kommen nicht nur ehemalige Mitläufer des Regimes zu Wort, sondern auch jüdische Überlebende, deren Perspektiven die blinden Flecken der Mehrheitsgesellschaft erhellen.

Die Verbindung beider Sichtweisen eröffnet erschütternde Erkenntnisse über Schuld, Verdrängung und moralischen Zwiespalt. Professor Bernward Dörner würdigt den Film als „Werk von hohem Wert im Kampf gegen das Vergessen“, das auch das Tabuisierte im Gesagten sichtbar mache.

Angesichts der aktuellen gesellschaftlichen Entwicklungen sehen die Filmemacher ihren Beitrag als hochrelevant. „Ein tieferer Einblick in das Denken und Fühlen der damaligen Mehrheitsgesellschaft ist heute brandaktuell“, heißt es in der Director’s Note. Die Begeisterung vieler Menschen für die NS-Ideologie zu verstehen, sei notwendig, um die Vergangenheit zu begreifen und die Zukunft verantwortungsvoll zu gestalten. Hector und Herzog verweisen auf Filme wie „Final Account“ von Luke Holland oder „The Zone of Interest“ von Jonathan Glazer, die erste Impulse in diese Richtung gesetzt haben. Ihr Werk soll diesen Diskurs weiterführen – möglicherweise als letztes Dokument seiner Art, da viele der Protagonisten bereits hochbetagt sind.

Begleitend zum Kinostart finden über das Jahr hinweg Workshops statt, die in Kooperation mit der Filmuniversität Babelsberg KONRAD WOLF organisiert werden. Diese Sonderveranstaltungen richten sich unter anderem an Schulen und bieten Raum für Austausch und Reflexion. Im Mittelpunkt steht die Aufarbeitung spezifischer Themen zur NS-Vergangenheit, insbesondere die Rolle familiärer Gespräche und die Vermittlung kritischer Medienkompetenz im Umgang mit Zeitzeugen als historischen Quellen.

Weitere Informationen zum Film, Trailer und Materialien sind auf der Website www.dasungesagte.de/dokumentarfilm abrufbar.

Autor:

Arthur Kreklau aus Fürth

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