Wenn Sprengmeister Heymann aktiv wird, dann knallt's!

Sprengmeister Michael Heymann bereitet am Sprengkasten die Explosion vor.
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Letzter noch aktiver Steinbruch sichert Nachfrage nach einzigartigem Sandstein

NÜRNBERG (nf) - Was für ein Spektakel! Nur etwa alle acht Jahre (manchmal auch nur drei Jahre) findet im Worzeldorfer Steinbruch im Süden Nürnbergs eine Groß-Sprengung statt, bei der bis zu 200 Tonnen Nürnberger Burgsandstein aus dem Fels gelöst werden. „Eine Sprengung wie diese live mitzuverfolgen, ist auch bundesweit ein Ereignis mit Seltenheitswert“, erzählt GS Schenk Geschäftsführer Jobst Dentler.

Der Worzeldorfer Steinbruch des Familienunternehmens GS Schenk aus Fürth ist der einzig noch aktive Steinbruch in ganz Mittelfranken, in dem der Nürnberger Burgsandstein heute noch abgebaut wird. Aus dem regionstypischen Gestein sind große Teile der Nürnberger Altstadt erbaut, wie die Kaiserburg, die stadtbildprägenden Kirchen St. Lorenz und St. Sebald sowie zahlreiche Patrizierhäuser. Heute liefert der Worzeldorfer Steinbruch den Burgsandstein für die Restaurierungen an der Kaiserburg, der fünf Kilometer langen Stadtmauer oder dem im Zweiten Weltkrieg zerstörten Pellerhof, der mithilfe des Nürnberger Burgsandsteins originalgetreu wiederaufgebaut werden konnte.

Wie Sprengmeister Michael Heymann dem MarktSpiegel erklärt, verlaufen diese Sprengungen im Alltag unspektakulärer ab. ,,Das was wir heute machen – mit einem ordentlichen Rumms – geschieht nur, damit unsere Gäste auch was zu sehen bekommen. Eigentlich ist das nicht fachmännisch." Bei der Sprengung wird der Sandstein nicht einfach in die Luft gejagt, sondern es werden ganz gezielt große Platten aus der Gesteinsformation gelöst. Sie sollen schließlich nachher in möglichst großen Stücken abtransportiert und verarbeitet werden. Zum Einsatz kam der Sprengstoff Nitropenta, der u.a. auch in Handgranaten verbaut wird.

Kaum eine andere Großstadt ist wohl so geprägt von einem einheimischen Gestein wie Nürnberg. Aus dem Nürnberger Burgsandstein ist eine Vielzahl historischer Gebäude erbaut, wie die Kaiserburg und das Opernhaus, die stadtbildprägenden Kirchen St. Lorenz und St. Sebald sowie zahlreiche Patrizierhäuser. Heute liefert der Worzeldorfer Steinbruch den Burgsandstein für Restaurierungen an der Kaiserburg oder an der fünf Kilometer langen Stadtmauer, aber auch für Neubauten oder den Garten- und Landschaftsbau. 

Beim Nürnberger Burgsandstein handelt es sich um einen mittel- bis grobkörnigen Sandstein, der vor mehr als 200 Millionen Jahren entstanden ist. Die markante helle rotbraune Färbung des Gesteins stammt von seinem Gehalt an Eisenoxid. Seinen Namen verdankt er dem Burgfelsen der Nürnberger Kaiserburg, wo er erstmals wissenschaftlich beschrieben worden ist. „Der Nürnberger Burgsandstein ist in Franken weit verbreitet, wird aber heute nur noch im Worzeldorfer Steinbruch abgebaut“, erläutert Professor Dr. Roman Koch von der FAU Erlangen. Der dort gebrochene Nürnberger Burgsandstein werde auch als „Worzeldorfer Quarzit“ bezeichnet. Sein erhöhter Quarzanteil von ca. 40 Prozent, macht ihn nach Angabe des Paläontologen besonders widerstandsfähig und verwitterungsbeständig. Er eigne sich deshalb, damals wie heute, als hochwertiger Baustoff zu vielseitigen Einsatzzwecken.

Die Verfügbarkeit des Nürnberger Burgsandsteins ermöglichte auch den originalgetreuen Wiederaufbau des im Zweiten Weltkrieg zerstörten Pellerhofs, der einst als eines der bedeutendsten Beispiele deutscher Renaissance-Kunst galt. Das ambitionierte Projekt wurde von den Altstadtfreunden Nürnberg initiiert und ausschließlich mit Hilfe von Spenden aus der Bevölkerung und der Wirtschaft realisiert. „Insgesamt waren für den Pellerhof rund 900 Steinquader notwendig, aus denen verschiedene Werkstücke mit einem Volumen von 220 Kubikmetern gefertigt wurden“, berichtet Steinmetzmeister Roland Meier, Leiter der Natursteinabteilung von GS Schenk. Karl-Heinz Enderle, Vorsitzender der Nürnberger Alt- stadtfreunde spricht von einem „Glücksfall für Nürnberg, dass dieser für die Stadt so prägende Stein heute noch verfügbar ist.“ Der im Worzeldorfer Steinbruch gewonnene Burgsandstein ermögliche es auch in Zukunft, das Nürnberger Stadtbild zu pflegen und zu erhalten.

Über den Worzeldorfer Steinbruch

Bereits im 12. Jahrhundert lassen Aufzeichnungen auf zahlreiche Steinbrüche um Nürnberg herum schließen. Gegen Ende des Mittelalters waren es rund 30 Steinbrüche, die den Nürnberger Burgsandstein abbauten. Im Worzeldorfer Steinbruch wird der Nürnberger Burgsandstein seit dem 15. Jahrhundert gebrochen. Heute ist er ist der letzte Sandsteinbruch in ganz Mittelfranken und der Einzige, in dem der Nürnberger Burgsandstein noch abgebaut wird. Seit dem Jahr 2000 ist er im Besitz des Familien- unternehmen GS Schenk aus Fürth-Burgfarrnbach.

Über den Nürnberger Burgsandstein

Beim Nürnberger Burgsandstein handelt es sich um einen mittel- bis grobkörnigen Sandstein, der vor mehr als 200 Millionen Jahren entstanden ist. Die markante helle rotbraune Färbung des Gesteins stammt von seinem Gehalt an Eisenoxid. Seinen Namen verdankt er dem Burgfelsen der Nürnberger Kaiserburg, wo er erstmals wissenschaftlich beschrieben worden ist. 

GS Schenk – Familienunternehmen mit Steinmetztradition

Das mittelständische Familienunternehmen GS Schenk blickt auf eine über 100-jährige Geschichte zurück, in der sich die Firma von ihren Anfängen als handwerklicher Kleinbetrieb zum heutigen Generalbauunternehmen mit über 250 Mitarbeitern entwickelte. Heute ist GS Schenk bayernweit im Hochbau, Tiefbau sowie Schlüsselfertigbau tätig, entwickelt als Bauträger eigene Wohnprojekte in der Metropolregion Nürnberg und ist Experte in der Verarbeitung von Naturstein. Im vergangenen Jahr lag die Bauleistung bei rund 78 Millionen Euro.Mit 14 Mitarbeitern und 1,5 Millionen Euro Jahresumsatz ist die Natursteinabteilung von GS Schenk eine der größten Steinmetzbetriebe in Mittelfranken. Das Unternehmen kann auf eine lange Tradition in der Steinmetzarbeit zurückblicken. So war die aus Amerdingen im Nördlinger Ries stammende Familie des Firmengründers Georg Schenk bereits im 19. Jahrhundert als angesehene Steinhauermeister bekannt.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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