Wenn Investoren Arztpraxen übernehmen
Bayerns Hausärzte warnen: "Hier droht unser aller Tod"

Statistiken zeigen, dass - etwa im Bereich von Gelenkschäden - viele Operationen unnötig sind und das Leiden sogar noch verschlimmern können. | Foto: Adobe Stock / samrith (Symbolfoto)
  • Statistiken zeigen, dass - etwa im Bereich von Gelenkschäden - viele Operationen unnötig sind und das Leiden sogar noch verschlimmern können.
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AUGSBURG (dpa/vs) - Patienten als Melkkühe profitorientierter Ärzte? -  Vor diesem Horror-Szenario warnt der Bayerische Hausärzteverband warnt. Denn Immer mehr Investoren würden Praxen übernehmen, mit möglicherweise lebensgefährlichen Folgen für jene Menschen, die eine Behandlung brauchen. 

Der Bayerische Hausärzteverband sieht durch Investoren in Arztpraxen eine Gefahr für die Gesundheitsversorgung. «In unserem Gesundheitssystem haben sich leider längst investorengesteuerte Arztpraxen etabliert, die rein gewinnorientiert Operationen vornehmen, die völlig unnötig wären», sagte Verbandschef Wolfgang Ritter der «Augsburger Allgemeinen».

In München würden große Laborketten bereits Hausarztsitze aufkaufen und Pharmaunternehmen onkologische Praxissitze übernehmen. «Hier droht unser aller Tod: Denn es breitet sich eine medizinische Versorgung aus, die nicht mehr den chronisch kranken Menschen begleiten und unterstützen will, sondern ausschließlich gewinnmaximiert behandelt», warnte Ritter.

«Nur bei 20 Prozent der Fälle ein Spezialist nötig»

Der Verband begrüßt das von der künftigen Bundesregierung geplante «Primärarztmodell», bei dem der Hausarzt die erste Anlaufstation vor dem Facharzttermin sein soll. Allerdings sehe er Erklärungsbedarf: Vorsorgetermine seien von dem Modell ausgenommen, man könne weiterhin ohne Überweisung zum Zahn- oder Augenarzt. Auch Frauen könnten ohne weiteres zum Gynäkologen gehen.

Allgemeinmediziner könnten etwa 80 Prozent der Fälle lösen, «nur bei etwa 20 Prozent der Patientinnen und Patienten, die zu uns kommen, ist ein Spezialist beziehungsweise eine Spezialistin überhaupt nötig».

Um mehr angehende Medizinerinnen und Mediziner für die Allgemeinmedizin zu begeistern, forderte Ritter eine bessere Bezahlung. Es sei «ein Unding, dass beispielsweise Radiologen aufgrund ihrer gerätebasierten Untersuchungen zu den bestbezahlten Ärzten gehören», während Ärztinnen und Ärzte für Allgemeinmedizin, die sich ganzheitlich um Patienten kümmern, «die beispielsweise das soziale Umfeld mit berücksichtigen und jemanden über Jahre begleiten», bei der Vergütung im unteren Drittel lägen.

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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