Hilfe für Herzinsuffizienz-Patienten
App auf Rezept: Pilotprojekt mit Start-Up-Unternehmen aus Forchheim gestartet

Leicht zu bedienen und eine Hilfe im Alltag: Monika Rudy kommt mit der ProHerz App gut zurecht.
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  • Leicht zu bedienen und eine Hilfe im Alltag: Monika Rudy kommt mit der ProHerz App gut zurecht.
  • Foto: Giulia Iannicelli / Klinikum Nürnberg
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NÜRNBERG (pm/nf) - Der Volksmund nennt es Herzschwäche: Bei einer Herzinsuffizienz ist das Herz nicht in der Lage, genügend Blut durch den Körper zu pumpenund die Organe mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Weltweit sind rund 200 Millionen Menschen betroffen. Allein in Deutschland ist die Herzinsuffizienz mit fast 500.000 Einweisungen im Jahr derhäufigste Grund für eine stationäre Behandlung.

Das Klinikum Nürnberg geht jetzt neue Wege. Gemeinsam mit ProCarement, einem Start-Up-Unternehmen aus Forchheim, statten die Klinik für Herzchirurgie und die Klinik für Kardiologie Studienteilnehmer mit einer App aus, die ihren Gesundheitszustand im Alltag erfasst und kontrolliert. Es werden noch weitere Studienteilnehmer gesucht.

Leicht zu bedienen und eine Hilfe im Alltag: Monika Rudy kommt mit der ProHerz App gut zurecht. Mit im Bild (v.l.): Prof. Dr. Matthias Pauschinger, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie, Dr. Fahed Husri, Facharzt für Herzchirurgie, und Dr. Sebastian Eckl von der Firma ProCarement.
  • Leicht zu bedienen und eine Hilfe im Alltag: Monika Rudy kommt mit der ProHerz App gut zurecht. Mit im Bild (v.l.): Prof. Dr. Matthias Pauschinger, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie, Dr. Fahed Husri, Facharzt für Herzchirurgie, und Dr. Sebastian Eckl von der Firma ProCarement.
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„Telemedizinische Anwendungen und Gesundheitschecks sind an sich nichts Neues“, erklärt Prof. Dr. Matthias Pauschinger, Ärztlicher Leiter der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie. „Die ProHerz-App geht jedoch einen Schritt weiter. Sie baut auf den bekannten Ansätzen auf und versetzt die Patienten in die Lage, mit minimalem Aufwand ihren Gesundheitszustand zu überwachen.“ Der Vergleich mit einer Fitness-App liege nahe, ergänzt Prof. Dr. Theodor Fischlein, Ärztlicher Leiter der Klinik für Herzchirurgie. „Die ProHerz-App sammelt täglich die relevanten Werte und informiert bei Auffälligkeiten umgehend das Fachpersonal im CareCenter. So können wir bei Komplikationen rechtzeitig eingreifen, selbst in den frühen, oft nahezu symptomlosen Phasen der Herzinsuffizienz.“ Langfristig soll die Studie eine moderne Behandlungsunterstützung bei Herzinsuffizienz etablieren und die Versorgung auf ein höheres Niveau bringen – das Ziel ist eine App auf Rezept.

Kostenfreie Teilnahme an der Studie

Die Teilnahme an der ProHerz-Studie ist kostenfrei. Interessierte kommen zu einer ersten Untersuchung ins Klinikum Nürnberg. Hier werden sie umfassend gecheckt. Dann erhalten sie zunächst für einen Zeitraum von drei Monaten einen Zugang zur ProHerz-App auf einem Mobilgerät, das für Bluetooth geeignet ist. Ebenso werden sie mit dem Zubehör für Zuhause ausgestattet: einer Waage, einem Blutdruckmessgerät und einem Fingerpulsoximeter. Diese Geräte müssen täglich genutzt werden, die Daten laufen automatisch in der App zusammen. „Natürlich beraten wir die Teilnehmer ausführlich und erklären ihnen, wie App und Geräte funktionieren“, erklärt Dr. Fahed Husri, im Klinikum Nürnberg Ansprechpartner der ProHerz-App-Studie. „Nach dieser Zeit werden sie noch einmal gründlich untersucht. Dies bildet die Grundlage für eine profunde medizinisch-fachliche Einordnung.“

Wenig Aufwand und leicht zu bedienen

Dass die App im Alltag leicht zu bedienen ist, kann Monika Rudy bestätigen. Die 74-jährige ehemalige Rechtsanwaltsfachangestellte ist seit 2009 in der Nürnberger Kardiologie in Behandlung und hat im April von der Studie erfahren. „Ich war sofort neugierig und interessiert. Ich leide ja selbst an Herzinsuffizienz mit Atemnot, Müdigkeit und bisweilen spürbarem Herzklopfen. Die Chance, meinen Gesundheitszustand mit der App zu kontrollieren, finde ich prima. Ebenso ist die Art der Betreuung und Unterstützung durch ProCare- ment und das Klinikum Nürnberg sehr hilfreich. Man nimmt auch Verbesserungsvorschläge entgegen – dass ich mich persönlich in die Weiterentwicklung der App einbringen kann, freut mich sehr.“

Auch der 33-jährige Daniel Foydl nimmt an der ProHerz-App-Studie teil. Bei ihm wurde die Herzinsuffizienz im Sommer 2020 als Folge einer Herzmuskelentzündung festgestellt. „Auf die App beziehungsweise die Studie bin ich durch einen Info-Brief vom Klinikum Nürnberg aufmerksam geworden. Ich dachte mir, dass es für mich nur hilfreich sein kann, wenn immer jemand meinen Gesundheitszustand im Blick hat. Im Alltag funktioniert die App einwandfrei. Ich messe regelmäßig meine Vitalwerte, und sobald sich etwas verschlechtert, meldet sich ProCarement bei mir. Zusätzlich erinnert mich die App an meine Medikamente. Das gefällt mir sehr gut.“

Studienteilnehmer Daniel Foydl (l.) im Gespräch mit Prof. Dr. Matthias Pauschinger (r.), dem Ärztlichen Leiter der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie, und Dr. Matthias Fittkau, Oberarzt der Klinik für Herzchirurgie und Leiter des Herzinsuffizienzprogrammes.
  • Studienteilnehmer Daniel Foydl (l.) im Gespräch mit Prof. Dr. Matthias Pauschinger (r.), dem Ärztlichen Leiter der Klinik für Innere Medizin mit dem Schwerpunkt Kardiologie, und Dr. Matthias Fittkau, Oberarzt der Klinik für Herzchirurgie und Leiter des Herzinsuffizienzprogrammes.
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Eine Erfindung aus dem Medical Valley

Die ProHerz-App kann aber noch mehr. „Uns war es wichtig, den Patienten zusätzlich einen digitalen Ratgeber an die Hand zu geben,“ erklärt Dr. Sebastian Eckl. „Die App unterstützt chronisch Kranke dabei, den Umgang mit der Herzinsuffizienz zu managen. So können wir die Versorgungsqualität schon zu Hause bei den Betroffenen verbessern.“ Eckl leitet die Studie seitens ProCarement gemeinsam mit Tony Fuß.

ProCarement wurde 2019 gegründet, ist Mitglied im Medizintechnik-Cluster Medical Valley und beschäftigt heute 17 Mitarbeiter. Im CareCenter, wo die Daten zusammenlaufen, sind medizinische Fachkräfte tätig. Eckl und Fuß sind selbst Ärzte mit langjähriger Berufserfahrung und kennen sich auch mit kritisch kranken Patienten aus. Auch in Sachen Datenschutz müssen sich die Studienteilnehmer keine Sorgen machen. „Unsere Regelungen entsprechen der DSGVO und wir haben das System durch unterschiedliche Maßnahmen vor Hacker-Angriffen geschützt“, so Eckl.

Aktuell läuft die Vorstudie mit rund 70 Patienten. Im Herbst soll die Hauptstudie mit bis zu 500 Teilnehmenden starten – hier werden noch Interessierte gesucht. Wer sich anmelden möchte, findet im Internet unter www.procare-ment.com weitere Informationen.
Für Fragen steht im Klinikum Nürnberg auch Dr. Fahed Husri per E-Mail (fahed.husri@klinikum-nuernberg.de) zur Verfügung.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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