Jugendliche zu viel am Handy
Neue App „freii“ für bewussteren Medienkonsum
- Im Schnitt verbringen 15-Jährige in Deutschland laut OECD fast sieben Stunden täglich an diversen Bildschirmen (Archivbild).
- Foto: Carsten Koall/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
BERLIN (dpa/ak) – Sieben Stunden täglich am Bildschirm – für viele Jugendliche in Deutschland ist das längst Alltag. Eine neue App namens „freii“ will dem nun entgegenwirken und setzt dabei auf eine 21-tägige Challenge, die Jugendliche und ihre Eltern gemeinsam durchlaufen. Ziel ist es, den Umgang mit digitalen Medien wie Tiktok und Instagram bewusster zu gestalten und die Bildschirmzeit in ein gesundes Verhältnis zur Freizeit zu bringen.
Vorgestellt wurde das Präventionsprogramm in einer Berliner Schule. Entwickelt wurde die App von Fachleuten der Villa Schöpflin in Lörrach, einem Zentrum für Suchtprävention. Finanziert wird das Projekt von der Schöpflin Stiftung und der Beisheim Stiftung. Die Nutzung der App ist kostenlos und richtet sich an Kinder und Jugendliche im Alter von 11 bis 15 Jahren.
Im Zentrum des Programms stehen tägliche Aufgaben, die entweder allein oder gemeinsam mit den Eltern gelöst werden. Vier junge Menschen begleiten die Teilnehmenden digital durch die Challenge – mit kurzen Videos, Quizfragen und interaktiven Herausforderungen. Die Aufgaben sind bewusst knapp gehalten und dauern jeweils nur drei bis vier Minuten. Unterstützung erhält das Projekt auch vom bekannten Kabarettisten und Arzt Eckart von Hirschhausen, der eigens für Eltern kleine Erklärvideos produziert hat.
„Wir möchten die Mediennutzung, die Bildschirmzeit und die Freizeit in Einklang bringen“, sagte Daniel Ott, stellvertretender Leiter der Villa Schöpflin, bei der Pressekonferenz. Es gehe nicht darum, digitale Medien zu verteufeln, sondern um einen reflektierten Umgang damit.
Laut einer Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verbringen 15-jährige Jugendliche in Deutschland im internationalen Vergleich besonders viel Zeit mit digitalen Anwendungen. Im Schnitt sind es 48 Stunden pro Woche – das entspricht fast sieben Stunden täglich.
Die Entwickler der App betonen, dass „freii“ nicht nur für den privaten Gebrauch gedacht ist. Auch Schulen sollen eingebunden werden. Geplant ist eine bundesweite Schulung von Fachkräften, die das Programm in Bildungseinrichtungen begleiten. Ziel ist es, Risikofaktoren wie eine fehlende Freizeitstruktur zu erkennen und Strategien zu vermitteln, wie Jugendliche durch klare Regeln und offene Kommunikation vor übermäßiger Handynutzung geschützt werden können.
Die App wurde wissenschaftlich begleitet und ihr Effekt im Rahmen einer vom Bundesgesundheitsministerium geförderten Studie bewertet. Ab dem 22. September wird die Betaversion öffentlich verfügbar sein. Diese Version ist bereits voll nutzbar, wie Daniel Ott erklärte. Bei technischen Problemen könnten die Entwickler jedoch noch nachjustieren.
Mit „freii“ soll ein Schritt in Richtung digitaler Balance gemacht werden – nicht mit erhobenem Zeigefinger, sondern mit alltagsnahen Impulsen für Familien und Schulen.
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