Ohne digitale Technik wird in Zukunft kein Gewerk mehr auskommen
So geht’s dem Handwerk in Mittelfranken – alle Fakten, alle Chancen & Risiken

Wirtschaftliche Lage des Handwerks in Mittelfranken.
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FRANKEN (nf) - Überwiegend ungetrübt war der Start des mittelfränkischen Handwerks in die Zwanzigerjahre. Dies zeigen die Ergebnisse der Konjunkturbefragung der Handwerkskammer zum Ende des Jahres 2019. Sowohl die aktuelle Geschäftssituation als auch die Zukunftsaussichten werden weiterhin insgesamt optimistisch beurteilt. Thomas Pirner,  Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken, und Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken, werfen für uns einen Blick auf die aktuelle Lage und zukünftige Entwicklung. 

Drei von fünf Betrieben (60,8 Prozent, Vorquartal: 65,7 Prozent, Vorjahr: 60,4 Prozent) befinden sich demnach in einer guten wirtschaftlichen Situation. 31,3 Prozent (Vorquartal: 27,9 Prozent, Vorjahr: 33,5 Prozent) sehen ihre Situation als befriedigend an und 7,9 Prozent (Vorquartal: 6,4 Prozent, Vorjahr: 6,1 Prozent) geht es schlecht. Auch die geäußerten Erwartungen bleiben insgesamt auf hohem Niveau: 88,1 Prozent der Betriebe sehen sich auch im ersten Quartal des neuen Jahres in einer zumindest stabilen, wenn nicht sogar besseren Geschäftslage. 

Auch der Blick auf die einzelnen Handwerksgruppen zeigt im Wesentlichen sehr optimistische Ergebnisse. So sind 96,6 Prozent (Vorquartal: 95,7 Prozent, Vorjahr: 95,9 Prozent) der Betriebe des Bauhandwerks mindestens zufrieden. Bei den Betrieben des Ausbauhandwerks sind es 94,7 Prozent (Vorquartal: 97,4 Prozent; Vorjahr: 97,4 Prozent).Gut oder zufriedenstellend sehen immer noch 89,1 Prozent (Vorquartal: 90 Prozent, Vorjahr: 89,4 Prozent) der Betriebe des gewerblichen Bedarfs ihre wirtschaftliche Lage, unter denen sich auch Zulieferbetriebe befinden. Unabhängig von diesen Zahlen lässt sich jedoch beobachten, dass mittlerweile etliche Betriebe, die unmittelbar oder mittelbar der Automobilindustrie zuliefern, teils erhebliche Einbußen bei der Auftragslage zu verzeichnen haben.Auch das Kraftfahrzeughandwerk meldet weiterhin eine bemerkenswert gute Situation. Mehr als 91 Prozent (91,3 Prozent, Vorquartal: 91,7 Prozent, Vorjahr: 91,3 Prozent) der Handwerksunternehmen bewerten ihr Geschäftsklima mindestens mit befriedigend.
Die Kapazitätsauslastung über alle relevanten Gewerke liegt bei drei von vier Betrieben bei mehr als 70 Prozent. Im Schnitt reichen die Aufträge über alle Gruppen hinweg für 11,5 Wochen (Vorjahr: 9,3 Wochen). Bei den Betrieben des Bauhandwerks beträgt die Vorlaufzeit sogar 16,8 Wochen (Vorjahr: 12 Wochen). Das Ausbauhandwerk spricht von einem Polster von 13 Wochen (Vorjahr: 10,6 Wochen). Jeder siebte Betrieb konnte seine Belegschaft verstärken, ein gutes Fünftel der befragten Handwerksbetriebe kann von gestiegenen Umsätzen berichten. Jeder sechste Betrieb (16,2 Prozent, Vorquartal: 11,9 Prozent, Vorjahr: 13 Prozent) hat jedoch einen Umsatzrückgang zu verzeichnen, bei 62,1 Prozent (Vorquartal: 64,8 Prozent, Vorjahr:60,4 Prozent) blieben die Einnahmen stabil. Die infolge des Baubooms erhöhte Nachfrage nach Baustoffen zeigt weiterhin Konsequenzen bei der Preisbildung, 36,8 Prozent der Betriebe mussten teurer einkaufen, konnten lediglich 18,6 Prozent an die Kunden weitergeben.

Wenn auch die Befragungsergebnisse weiterhin überwiegend ein sehr positives Bild abgeben, zeigen sich bei dem einen oder anderen mittelfränkischen Zulieferbetrieb im Handwerk erste teilweise massive Auftragseinbrüche infolge der Flaute in der Industrie. In der Region Westmittelfranken berichten sieben von zehn Betrieben (69,6 Prozent, Vorjahr: 71,7 Prozent) von einer guten wirtschaftlichen Situation, während im Großraum Nürnberg lediglich 56,5 Prozent (Vorjahr: 55,7 Prozent) der befragten Unternehmen diese Ansicht teilen. Bei den Erwartungen für das erste Quartal zeigt sich ein einheitliches Bild: In der Region Nürnberg rechnen 78,4 Prozent der Betriebe mit einer gleichbleibenden Geschäftslage und 9,7 Prozent mit einer Verbesserung. In Westmittelfranken erwarten 78,3 Prozent der Handwerksunternehmen eine konstante und 9,8 Prozent eine noch günstigere Entwicklung ihrer wirtschaftlichen Situation.

Die über 9 Jahre dauernde Hochkonjunktur – auch im Handwerk – ist beispiellos. Im vergangenen Jahr hat jedoch vor allem die Industriekonjunktur eine Abschwächung erfahren, die weiter anhält. Experten sprechen bereits von einer Rezession in diesem Wirtschaftsbereich, hervorgerufen durch die in Folge der Klimadiskussion ausgelöste Verstärkung des Fokus auf alternative Antriebstechnologien für Kraftfahrzeuge wie beispielsweise Strom oder Wasserstoff.Nach wie vor bleibt das außenwirtschaftliche Umfeld durch erhebliche Unwägbarkeiten geprägt. Die Weltwirtschaft ist weiterhin durch den Abschwung der Industriekonjunktur – nicht zuletzt aufgrund protektionistischer Politik – geprägt.

Aber auch darüber hinaus befinden sich die Wirtschaft und die Gesellschaft derzeit in einem Transformationsprozess, der in seiner Intensität und Geschwindigkeit seinesgleichen sucht. Stichworte in diesem Zusammenhang sind unter anderem Digitalisierung, Einwanderung, zukunftsorientierte Bildung und der mitunter erhebliche Fachkräftemangel, unter dem bereits jetzt auch das Handwerk leidet. Die über Jahrzehnte führende Rolle Deutschlands – was beispielsweise die Entwicklung und den Einsatz neuer Technologien betrifft – erscheint nicht nur erheblich gefährdet, sondern in manchen Bereichen schon verloren. 

So dürfte in Zukunft etwa auch das Nahrungsmittelhandwerk von den Änderungen beim Ernährungsbewusstsein der Verbraucher betroffen sein, die nicht zuletzt im Zusammenhang mit der Klimadiskussion eingetreten sind. Das Handwerk kann jedoch hierbei seine Stärken in der Nachhaltigkeit der Produktion und der hohen Qualität (statt der Quantität) der Produkte sehr gut ausspielen. Andererseits werden beispielsweise Fleischersatzprodukte – lange Zeit als Nische betrachtet – zunehmend massenmarktfähig.

„Drei von vier Betrieben geht es gut - wer einen sicheren Job sucht, kommt zu uns.“

Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken.
  • Thomas Pirner, Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken.
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Thomas Pirner,  Präsident der Handwerkskammer für Mittelfranken: ,,„Wir freuen uns, dass das mittelfränkische Handwerk weiterhin sehr zuversichtlich ins neue Jahr blickt. Die Gesamtzufriedenheit liegt bei 92 Prozent, mehr als 88 Prozent unserer 22.000 Handwerksbetriebe erwarten eine verbesserte oder gleiche Geschäftslage wie im Jahr 2019. Das ist eine Stabilität, die man vielerorts vergeblich sucht. Herauszuheben ist der Hoch- und Tiefbau – hier beträgt das Auftragspolster fast 17 Wochen. Ganz abkoppeln kann sich das Handwerk natürlich nicht von den gesamtwirtschaftlichen Entwicklungen. Insbesondere Zulieferbetriebe auch hier in der Region spüren die Industrieflaute – eine dünnere Auftragsdecke ist die Folge. Eine stabile Beschäftigungssituation melden 73,6 Prozent unserer Mitgliedsbetriebe, so dass zum Jahresende etwa 125.800 Männer und Frauen im mittelfränkischen Handwerk tätig waren. Damit konnten wir uns leicht gegenüber dem Vorjahr steigern und weitere 300 Arbeitsplätze mehr schaffen.“

„Alle wichtigen gesellschaftlichen Zukunftsprojekte werden ohne das Handwerk nicht zu verwirklichen sein – sei es der Wohnungsbau, die Energiewende, die Mobilitätswende oder Smart Living“

Prof. Dr. Elmar Forster,  Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken.
  • Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken.
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Prof. Dr. Elmar Forster, Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer für Mittelfranken: ,,Die Zukunftsprognosen bleiben weiterhin zuversichtlich für ganz Mittelfanken: In der Region Nürnberg mit der stärker städtischen Prägung wie in den strukturschwächeren ländlichen Gebieten Westmittelfrankens rechnen rund 78 Prozent der Betriebe mit einer gleichbleibenden Geschäftslage und fast 10 Prozent mit einer Verbesserung. Noch sprechen viele Anzeichen für ein Andauern der guten Konjunktursituation insbesondere im Bau- und Ausbauhandwerk. Die anhaltende Niedrigzinspolitik, die hohe Kaufkraft und die damit einhergehende Konsumneigung spielen dem Handwerk in die Hände. Denn insbesondere das Handwerk ist im hohem Maße von der Binnenkonjunktur abhängig. Das Klimapaket der Bundesregierung mit seinen neu aufgelegten Förderungsmaßnahmen unterstützen diese Entwicklung – auf den 17. Neu- und Altbautagen, die am 29. Februar und 1. März in unserem Bildungszentrum in der Sieboldstraße stattfinden, ist genau dieses Klimapaket der Schwerpunkt der Messe wie des begleitendem Vortragsprogramms. Bei freiem Eintritt. Jeder sechste Betrieb (16,9 Prozent, Vorquartal: 15,9 Prozent, Vorjahr: 15,6 Prozent) sicherte durch im Vergleich zum dritten Quartal höhere Investitionen seine Zukunft. Dabei geht es dem Handwerk nicht anders als anderen Wirtschaftsbereichen: Die größten Umwälzungen bringt – absehbar auch in den kommenden Jahren – die Digitalisierung. Dadurch verändern sich ganze Berufsbilder, es entstehen sogar neue Berufe. Ohne digitale Technik wird in Zukunft kein Gewerk mehr auskommen.“

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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