Handball-Sensation in Nürnberg
HC Erlangen holt gegen Magdeburg einen Punkt
- Antonio Metzner (Mitte) bei einem seiner starken Würfe auf das Magdeburger Tor - JockiFoto
- Foto: #JockiFoto, Erlangen
- hochgeladen von Jocki Krieg
ERLANGEN (hjk) - Die Vorzeichen standen aus Sicht des HC Erlangen nicht gut für das Heimspiel gegen den amtierenden Champions League-Sieger SC Magdeburg. Doch was die Erlanger beim Schlagabtausch am Samstag leisteten, war mehr als nur ein überraschender Punktgewinn beim 31:31. Es war gelebter Teamgeist, es war Kampf und es war der pure Wille.
Große Willensleistung
Der HCE fand gut in die Partie, Scheerer und Nissen besorgten die ersten beiden Führungen für die Franken. Dario Quenstedt im Tor zeigte sich ebenfalls von Beginn an hellwach und steuerte gleich fünf Paraden zur Anfangsphase bei, sodass mit dem 5:2 von Sander Øverjordet die Halle erstmals so richtig tobte und Antonio Metzner mit dem 6:2 für den absoluten Höhepunkt der Anfangsviertelstunde sorgte. Die über 5000 Zuschauer in der ARENA waren von Beginn an kaum in ihren Sitzen zu halten. Die Stimmung elektrisierte ab Sekunde eins.
Debütanten brachten die Halle zum Kochen
Dass neben den Verletzten Firnhaber, Bissel, Gömmel, Kos und Olsson auch noch kurzfristig Rúnarsson, Kristjánsson sowie Gebala passen mussten, schienen die verbliebenen Spieler auf dem Feld zunächst zu vergessen. Aus der HCE-Jugend feierte der 19-Jährige Hans-Lukas Willax sein Debüt und fügte sich mit zwei seiner insgesamt drei Premierentreffern auf Anhieb ins Spielgeschehen ein. Trotz all der Aufopferung blieb die Qualität des SCM spürbar und die Gäste kämpften sich wieder heran. Nach 23 gespielten Minuten stand es 11:10 für Erlanen und dann lieferte der nächste Debütant ab. Der erst 17-Jährige Maxsim Lochmann von der Erlanger A-Jugend feuerte seinen ersten Profi-Wurf dem Magdeburger Schlussmann um die Ohren und legte mit einem zweiten Treffer noch einen drauf. Die Halle brannte und unter tosendem Applaus verabschiedete sich die Mannschaft schließlich mit 16:11 in die Kabine.
Beispielloser Kraftakt
Angeführt und Gislí Kristjánsson und mit einer merkbaren Portion Wut im Bauch, kam das momentan beste Team der Welt aus der Kabine. Der SCM tastete sich peu à peu auf 18:19 in der 40. Minute heran. Als seine Vorderleute ihn am meisten brauchten, war auch der Erlanger Dario Quenstedt wieder voll da und nahm einen freien Wurf von Lukas Mertens weg, sodass Bialowas auf der Gegenseite die Zwei-Tore-Führung festigte. Der frisch eingewechselten Khalifa Ghedbane (HCE) entschärfte kurz darauf einen Siebenmeter, ehe zwei Tore von Marek Nissen und Antonio Metzner das 24:20 auf die Anzeige zauberten.
Nissen lieferte - die ARENA kochte
Als ohnehin schon alle Dämme rissen, brachten streitbare Schiedsrichter-Entscheidungen die Tribüne endgültig zum Brodeln. Das steckte auch weiter die Spieler auf der Platte an: Zwei Steinert-Tore, circa zehn Minuten vor dem Ende, sorgten für das 26:24. Getragen von der euphorischen Kulisse schüttelten die Franken immer wieder eine neue Antwort aus ihrem Ärmel. Mit fünf verbliebenen Minuten auf der Uhr leuchtete schließlich das 27:27 auf der Anzeige und Marek Nissen hob sich mit drei seiner zehn Treffer des Abends in dieser Phase erneut empor. Als Antonio Metzner (siehe #JockiFoto) unter Zuhilfenahme des Pfostens das 31:29 besorgte, schien der Sieg zum Greifen nah. Doch auch die Gäste antworteten ein letztes Mal und glichen abermals zum Endstand von 31:31 (16:11) aus.
Das Unentschieden fühlt sich wie ein Sieg an
Ein allerletzter Kraftakt war nicht vom Erfolg gekrönt. Dennoch gingen mit der Schluss-Sirene alle Erlanger Fäuste in Richtung Hallendach, um mit dem letzten Hauch übrig gebliebener Energie diesen fantastischen Punktgewinn zu bejubeln. Auch komplett unabhängig vom Ausgang dieses Schlagabtausches: Der HCE hat gefightet, alles in die Waagschale geworfen und die kaum greifbare Chance vehement verteidigt. Und das mit unter anderem drei Spielern, die an diesem historischen Abend ihr Debüt auf dem Bundesliga-Parkett feiern durften - und dabei allesamt überzeugten. Dieser Punktgewinn ist angesichts dieser Vorzeichen mehr als nur ein weiterer Zähler: Ein klares Ausrufezeichen!
Autor:Jocki Krieg aus Erlangen |
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