Mehr Gerechtigkeit bei Rentenreform gefordert
Forchheimer greift aktiv in die Rentendiskussion mit ein

Foto: Thomas Scherer/Spk. Fuerth
  • Bereits über 83.000 Unterschriften für mehr soziale Gerechtigkeit bei der Rentenreform gesammelt

FORCHHEIM – Weil er nirgendwo Gehör fand, startete der in Forchheim wohnende Thomas Mück eine Petition über die Plattform www.innn.it die von dem gleichnamigen Berliner Verein betrieben wird. Ziel seiner Petition: Aussetzung des Altersfaktors bei der geplanten Übergangsregelung zur Abschaffung der sog. "abschlagsfreien Rente mit 65". Dadurch: Vermeidung der Ausgrenzung ganzer Jahrgänge von der möglichen Übergangsregelung im Rahmen der Rentenreform.

"Eigentlich habe ich die Petition aus einem doppelten Frust heraus gestartet", so der Forchheimer. "Zum einen bin ich selber von der Abschaffung der abschlagsfreien Rente mit 65 betroffen. Nach den bisher bekannt gewordenen Informationen soll diese Möglichkeit zum 31.12.2031 eingestellt werden. Wer bis dahin 45 Jahre gearbeitet hat, bekommt noch die Rente mit 65 ohne Abschläge. Aber: nur, wenn man zu diesem Datum auch bereits 65 ist. Und ab Jahrgang 1967 ist das nicht mehr möglich. Es geht mir also selber so - obwohl ich dann bereits 45 Jahre gearbeitet habe, aber erst im Juni 1967 geboren wurde, rutsche ich ein halbes Jahr daran vorbei."

Ausgehend von einer vergleichbaren Gesetzesänderung will die Bundesregierung nur die Jahrgänge 1962 bis 1966 berücksichtigen, da sie unterstellt, dass fünf Jahrgänge rechtlich nicht anfechtbar sind. Auch wenn Arbeitnehmer ab dem Jahrgang 1967 (und folgende) ebenfalls auf 45 Arbeitsjahre kämen, wären sie alle dann alle außen vor.

"Der zweite Grund für den Start der Petition war die Tatsache, dass sich niemand von den Öffentlich-Rechtlichen zu diesem Aspekt angesprochen fühlte. Auch eine Politikerin aus der eingesetzten Alterssicherungskommission, die ich auf dieses Thema hin abschrieb, antwortete nur mit den üblichen Floskeln und dem Hinweis, dass man das Rentenpaket nicht aufschnüren könne. Auf meine Frage, ob man die Aussetzung des Altersfaktors vielleicht noch andenken könnte, ging sie überhaupt nicht ein."

Daraufhin wurde Mück aktiv und startete auf dem Onlineportal "www.inn.it." seine Petition, die in Kürze an Bärbel Bas gehen wird. Anfangs kamen die Unterschriften eher schleppend, aber die Ergebnisse der letzten Landtagswahlen beflügelten dann die Geschwindigkeit - binnen einer Woche unterzeichneten allein 50.000 Menschen seine Petition. "Ich konnte es selber nicht glauben - mit Hilfe der Plattformmitarbeiter gelang es, dass zur Spitzenzeit alle 7 Sekunden ein Arbeitnehmer in Deutschland die Petition unterschrieb. Für mich war es unvorstellbar, wie die Zahlen im Minutentakt nach oben schossen" so Thomas Mück.

Ihm geht es nicht um das Aufschnüren des Pakets der Reformvorschläge. Es geht ihm lediglich darum, dass alle Arbeitnehmer, die zum Stichtag die 45 Arbeitsjahre erreicht haben, auch fair berücksichtigt werden, unabhängig davon, wann Sie das entsprechende Rentenalter erreichen. Er ist überzeugt, dass er damit sogar eine Brücke zwischen SPD und CDU/CSU schlagen kann, ohne dass eine Seite ihr Gesicht verliert und ohne dass es zu einer Kostenexplosion käme. Denn die Anzahl der betroffenen Personen ab 1967 dürfte überschaubar bleiben.

"Ich selber habe neben meiner Arbeit drei berufsbegleitende Studiengänge absolviert und habe darüber hinaus jahrelange Aufbauarbeit in den neuen Bundesländern geleistet. Viele Jahre meines Lebens waren durch Überstunden und Nachtarbeit für diese Studiengänge geprägt. All das soll aufgrund der geplanten Reform nicht mehr zählen, nur weil ich ein halbes Jahr zu spät geboren wurde? Niemand kann mir erzählen, dass dies etwas mit Gerechtigkeit zu tun hat."

Mit Abschlägen könnte er unabhängig von den Ergebnissen der geplanten Rentenreform in den Ruhestand gehen. "Das ist keine wirkliche Alternative. Es würde für mich jeden Monat einen Verzicht auf ca. 260 Euro bedeuten. Und das für den Rest meines Lebens. Alternativ müsste ich jetzt selber über 60.000 Euro als Ausgleich in die Rentenkasse einzahlen. Aber diese Summe habe ich natürlich nicht nebenbei." Und so kämpft er um jede Unterschrift und für mehr Gerechtigkeit und Verständnis bei der Rentenreform. Wie es ausgehen wird ist offen, aber über 80.000 Unterschriften dürften auch an Bärbel Bas nicht spurlos vorüber gehen.

Autor:

Redaktion MarktSpiegel aus Nürnberg

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