Zwei Mitarbeiter bei Waffenkontrolle getötet
UPDATE: Landratsamt Neumarkt in tiefer Trauer: Was bisher bekannt ist

Landrat Martin Meier zeigte sich entsetzt. | Foto: Daniel Löb/dpa
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  • Landrat Martin Meier zeigte sich entsetzt.
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  • Ein Mann und eine Frau (45 und 54 Jahre alt) sterben bei einer routinemäßigen Waffenkontrolle in Berngau. 
  • Während das Landratsamt trauert, fordert Verdi bessere Schutzkonzepte für den Außendienst – was ändert sich nun?
  • Nach Stunden wird der mutmaßliche Schütze überwältigt. 
  • Motivsuche beim Schützen von Berngau


UPDATE:

Berngau (dpa) - Bei dem Mann, der zwei Behördenmitarbeiter in der Oberpfalz bei einer Waffenkontrolle getötet haben soll, handelt es sich nach Angaben von Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) um einen Jäger und Sportschützen. Das Motiv des mutmaßlichen Schützen sei völlig unklar.

Viele Menschen im Ort sind geschockt. | Foto: Daniel Löb/dpa
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«Die Betroffenheit ist enorm», sagte Berngaus 1. Bürgermeister Thomas Meier der Deutschen Presse-Agentur. «Die Stimmung ist tatsächlich fatal.» In der Gemeinde mit ihren etwa 2.600 Einwohnern herrsche Unverständnis über die Tat, die Menschen hätten Mitgefühl mit den Angehörigen.

Die Berngauer sind entsetzt am Tag nach den tödlichen Schüssen auf Behördenmitarbeiter. | Foto: Daniel Löb/dpa
  • Die Berngauer sind entsetzt am Tag nach den tödlichen Schüssen auf Behördenmitarbeiter.
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«Wir sind ein eigentlich friedliches Dorf», erzählte eine Bewohnerin am Morgen nach den dramatischen Stunden. «Wir sind eine tolle Gemeinde.» Die Frau war mit Blumen, einer Kerze und einem kleinen Gedenkstein in Herzform an den Tatort gekommen. «Der Ort ist sehr geschockt. Also es ist wirklich großes Gesprächsthema. Ich habe heute auch schon mit ein paar Müttern reden können. (...) Uns fehlen die Worte.» In der örtlichen Schule sei ein Krisenteam unterwegs, um mit den Kindern über die Ereignisse zu sprechen.

Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.  | Foto: Daniel Löb/dpa
  • Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.
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Ein Bürger berichtete der dpa von großer Unsicherheit in der Gemeinde während des mehrstündigen Polizeieinsatzes. «Also meiner Meinung nach verändert sich die Menschheit extrem mittlerweile. Man hört eine negative Schlagzeile nach der anderen, und jetzt ist es halt auch schon bei uns», sagte der Mann. «Mir tun auch die Angehörigen richtig leid.» Niemand habe das Recht, ein Menschenleben zu nehmen. Er könne sich nicht vorstellen, warum jemand eine derartige Tat begehe.

Ein Fahrschullehrer, der zur Tatzeit in Berngau unterwegs war, sprach von einer sehr verstörenden Tat. «Die Leute sind sehr bedrückt. Man merkt das auch. Die Leute sind sehr schockiert.» Er sei strikt gegen privaten Waffenbesitz. 

Bürgermeister Meier geht davon aus, der er den mutmaßlichen Schützen vom Sehen kennt, persönlich aber nicht. «Ansonsten war er meines Wissens auch nicht im Dorf integriert, nicht in Vereinen, nicht in Gruppierungen, war, glaube ich, für sich allein.» Er sei nach seinen Erkenntnissen auch nicht in einem örtlichen Schützenverein aktiv. «Bestätigen kann das natürlich nur der Schützenverein selbst, aber meine Informationen sind, dass er hier kein Schütze im Ort ist.»

Motivsuche am Tag danach. | Foto: Daniel Löb/dpa

Polizeilich sei der 60-Jährige, der in Berngau im Landkreis Neumarkt südöstlich von Nürnberg einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes und seine 54 Jahre alte Kollegin erschossen haben soll, zuvor nach aktuellem Stand der Ermittlungen nicht bekannt gewesen.

Es gebe auch keine Hinweise auf eine wie auch immer geartete extremistische Gesinnung, sagte Herrmann am Rande eines Termins in Oberschleißheim.

Keine Erkenntnisse bei Staats- und Verfassungsschutz

Weder Staats- noch Verfassungsschutz hätten bisher irgendwelche Erkenntnisse über den Mann. Es werde aber in alle Richtungen ermittelt und unter anderem überprüft, ob es eine Vorgeschichte im Kontakt mit dem Landratsamt Neumarkt in der Oberpfalz gegeben habe, sagte Herrmann. Der Mann besaß laut Waffenregister als Sportschütze und Jäger zehn Waffen legal. Seine Kontrolle erfolgte nach Landratsamtes routinemäßig und ohne Vorankündigung.

Motivsuche am Tag danach. | Foto: Daniel Löb/dpa

Der Mann war festgenommen worden, nachdem er sich stundenlang in einem Haus in Berngau verschanzt hatte. Dabei wurde er schwerer verletzt als zunächst bekannt. Spezialkräfte hätten bei der Festnahme auf ihn geschossen - durch die Schüsse sei dieser schwer verletzt worden, wie die Polizei mitteilte. Zunächst hatten die Beamten von leichten Verletzungen am Bein gesprochen.

Mutmaßlicher Schütze im Krankenhaus

Der 60 Jahre alte Deutsche sei unter polizeilicher Bewachung in ein Krankenhaus gebracht worden. Wann er vernommen werden könne, müsse man noch abwarten, sagte ein Polizeisprecher vor Ort. Der Schütze soll nach seiner medizinischen Behandlung einem Ermittlungsrichter vorgeführt werden, der dann über die Frage einer Untersuchungshaft oder einer Unterbringung in einer Fachklinik entscheiden würde.

Er hatte nach Polizeiangaben selbst bei der Einsatzzentrale angerufen. «Der Tatverdächtige meldete sich telefonisch bei der Einsatzzentrale. Er gab in den folgenden Gesprächen an, in seiner Wohnung und im Besitz von Schusswaffen zu sein», schilderte eine Polizei-Sprecherin in der Nacht. Er habe auch zugegeben, geschossen zu haben - und angekündigt, nicht widerstandslos aufgeben zu wollen. Es begann ein Großeinsatz der bayerischen Polizei, der sich bis tief in die Nacht zog.

Am Ort des Geschehens war der Schock groß: «Die Betroffenheit ist enorm», sagte Berngaus Erster Bürgermeister Thomas Meier der Deutschen Presse-Agentur. «Die Stimmung ist tatsächlich fatal.» In der Gemeinde mit ihren etwa 2.600 Einwohnern herrsche Unverständnis über die Tat, die Menschen hätten Mitgefühl mit den Angehörigen.

Jährlich mindestens 60.000 Waffenkontrollen in Bayern

Innenminister Herrmann will den Fall mit den bayerischen Landratsämtern besprechen, allerdings fänden jährlich mindestens 60.000 solcher Waffenkontrollen im Freistaat statt, betonte der CSU-Politiker. In den vergangenen Jahren habe es keine derartigen Vorfälle bei solchen Anlässen gegeben.

Anders habe sich die Lage bei den tödlichen Schüssen auf einen Polizisten in Ansbach dargestellt, betonte Herrmann. Damals sei es um die gezielte Entwaffnung des Mannes gegangen, weshalb auch die Polizei die kommunalen Mitarbeiter begleitet habe. Man werde aber mit den Kreisverwaltungsbehörden die Abläufe bei solchen Kontrollen durchsprechen, sagte Herrmann. Die bisherigen Erkenntnisse würden noch keine Hinweise darauf geben, was man künftig anders machen könne.

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Berngau (dpa) - Die Mitarbeiter des Landratsamtes Neumarkt in der Oberpfalz trauern um ihre bei einer routinemäßigen Waffenkontrolle getöteten Kollegen. «Wir haben gestern durch die schreckliche Tat eines Einzelnen zwei liebgewonnene und sehr zuverlässige Mitarbeiter bei uns im Landratsamt Neumarkt verloren», sagte Landrat Martin Meier (Freie Wähler) am Morgen nach den dramatischen Ereignissen. «Es ist schrecklich, es ist eine unfassbare Tat, es ist grauenvoll, und wir können das Ganze noch gar nicht richtig einordnen und auch noch nicht richtig greifen.»

Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen. 
 | Foto:  Daniel Löb/dpa
  • Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.
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Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Behörde würden nun unterstützt. Niemand müsse mit seiner Trauer und mit seinem Schmerz alleine sein. Meier bedankte sich unter anderem bei den Einsatzkräften in Berngau.

Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.  | Foto:  Daniel Löb/dpa
  • Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.
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In der kleinen Gemeinde hatten eine Mitarbeiterin und ein Mitarbeiter des Landratsamtes am Donnerstagnachmittag einen registrierten Waffenbesitzer routinemäßig kontrollieren wollen und waren dabei getötet worden - mutmaßlich erschossen von dem Mann, der legal zehn Waffen besaß. Der 60 Jahre alte Verdächtige ist nach Worten von Bayern Innenminister Joachim Herrmann (CSU) Jäger und Sportschütze.

Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.  | Foto:  Daniel Löb/dpa
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Die Hintergründe der Tat sind bisher unbekannt. Der Verdächtige konnte festgenommen worden. Die Ermittler haben bisher nicht mitgeteilt, ob der 60-Jährige, der schwer verletzt wurde, schon befragt werden konnte.

Verdi fordert Konsequenzen

«Niemand darf bei der Erfüllung seiner beruflichen Aufgaben um sein Leben fürchten müssen», sagte der Geschäftsführer von Verdi Oberpfalz, Alexander Gröbner. Die Gewerkschaft forderte, die bestehenden Schutz- und Präventionskonzepte für Beschäftigte im Außendienst zu überprüfen und weiterzuentwickeln. «Dazu gehören eine sorgfältige Gefährdungsbeurteilung, klare Sicherheitsabläufe, ausreichende personelle Ressourcen und wirksame Schutzmaßnahmen», hieß es in einer Mitteilung.

Größerer Polizeieinsatz in der Oberpfalz. Zwei Behördenmitarbeiter bei Waffenkontrolle erschossen.  | Foto:  Daniel Löb/dpa
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Kondolenzbücher im Landratsamt

Landrat Meier sagte zudem: «Ich möchte nicht versäumen, mich zu bedanken bei den Mitarbeitern meines Krisenstabes, die trotz einer erheblichen emotionalen Ausnahmesituation sehr sachlich, sehr ruhig, sehr koordiniert gearbeitet haben.» Dankbar sei er auch für «die vielen, vielen Solidaritätsbekundungen, die momentan unser Landratsamt erreichen».

Das Landratsamt sollte am Freitag für Besucher geschlossen bleiben, ebenso die Außenstellen. Am Samstag sollen von 9.00 bis 12.00 Uhr Kondolenzbücher für die Opfer im Eingangsbereich des Landratsamtes ausgelegt werden.

Landratsämter organisieren und beaufsichtigten viele öffentliche Aufgaben im Landkreis und sind Anlaufstelle für Bürgerinnen und Bürger aus den kreisangehörigen Gemeinden, etwa bei Fragen zu Abfallwirtschaft, Kreisstraßen, öffentlichem Nahverkehr, Schulen, sozialen Hilfen und Gesundheitsversorgung.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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