Mail-Mafia greift Nürnberger Firmen an! MarktSpiegel enthüllt die Tricks der Täter

Mitglieder der Internet-Mafia bringen ahnungslose Buchhalter dazu, Geld auf Konten im Ausland zu überweisen. Foto: © Fotolia/Sergey Nivens
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  • Mitglieder der Internet-Mafia bringen ahnungslose Buchhalter dazu, Geld auf Konten im Ausland zu überweisen. Foto: © Fotolia/Sergey Nivens
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NÜRNBERG (mask) – Der große Deal verlangt höchste Vertraulichkeit, daran lässt die E-Mail keinen Zweifel. ,,Zurzeit bereiten wir die Übernahme eines Unternehmens vor, welches die erforderlichen finanziellen Transaktionen erfordert", lässt der Chef eines großen Nürnberger Unternehmens (Name der Redaktion bekannt) seinen Mitarbeiter wissen. Niemand werde eingeweiht, nur dieser eine Kollege: ,,Aufgrund Ihrer Diskretion und Ihrer bisher einwandfreien Arbeit in unserem Unternehmen möchte ich Ihnen die Verantwortung für dieses Projekt übertragen." Solche E-Mails gehen seit Wochen in deutschen Unternehmen ein, jetzt auch vermehrt in Franken. Der MarktSpiegel erfuhr: auch die Managerin eines großen Nürnberger Modehauses bekam eine Mail von der Internet-Mafia! Dreiste Kriminelle, die sich Firmengelder auf Konten ins Ausland überweisen lassen!

 
Die Kripo spricht vom CEO Fraud: CEO steht für Chief Executive Officer (Vorstandschef, Generaldirektor, Geschäftsführer), Fraud ist das englische Wort für Betrug. Und der läuft so: ,,Die Täter geben sich nach Sammlung jeglicher Art von Information über das anzugreifende Unternehmen beispielsweise als Geschäftsführer des Unternehmens aus und veranlassen einen Mitarbeiter zum Transfer eines größeren Geldbetrages ins Ausland", erklärt Erste Kriminalhauptkommissarin Elke Schönwald, Leiterin der Pressestelle des Polizeipräsidiums Mittelfranken in Nürnberg. Dabei arbeiten die Täter mit vor allem mit den Hebeln Zeitdruck und Geheimhaltung.

Die gefälschten, angeblichen Mails von der Unternehmensführung, wirken authentisch – weil die Täter im Vorfeld recherchieren. Branchendienste, Internetauftritte, Organigramme werden ausgewertet, auch über Xing und LinkedIn bekommen die Täter Infos. Notfalls mit einem zusätzlichen Anruf. Das BKA zählte in drei Jahren 250 Betrugsfälle, die bekanntesten 2016 beim Nürnberger Autozulieferer Leoni AG (40 Mio. Euro) und beim österreichisch-chinesischen Luftfahrtzulieferer FACC (50 Mio. Euro). Weltweit sollen sich die Schäden auf 2,8 Milliarden Euro summieren, das Geld vor allem nach China und Hongkong gehen.

Was können Sie tun? Das rät Hauptkommissarin Schönwald:
• Achten Sie darauf, welche Informationen über Ihr Unternehmen öffentlich sind bzw. wo und was Sie und Ihre Mitarbeiter/innen im Zusammenhang mit Ihrem Unternehmen publizieren! • Führen Sie klare Abwesenheitsregelungen und interne Kontrollmechanismen ein! • Sensibilisieren Sie Ihre Mitarbeiter/ innen hinsichtlich des beschriebenen Betrugsphänomens! • Bei ungewöhnlichen Zahlungsanweisungen sollten - vor Veranlassung der Zahlung - folgende Schritte durchgeführt werden: 1. Überprüfen der E-Mails auf Absenderadresse und korrekte Schreibweise. 2. Verifizieren der Zahlungsaufforderung über Rückruf bzw. schriftliche Rückfrage beim genannten Auftraggeber. 3. Kontaktaufnahme mit der Geschäftsleitung bzw. dem Vorgesetzten. Wenden Sie sich bei Auffälligkeiten und Fragen an die örtliche Polizeidienststelle oder an das zuständige Landeskriminalamt!

Autor:

Peter Maskow aus Nürnberg

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