Stadt Nürnberg informiert
Warum gilt die Große Drüsenameise als gefährlich?
- Prof. Dr. Heike Feldhaar, Universität Bayreuth (links), und Oberbürgermeister Marcus König (rechts) im Gespräch mit Anwohnenden des Hasenbucks.
- Foto: Günther Babel / BV Hasenbuck
- hochgeladen von Nicole Fuchsbauer
NÜRNBERG (pm/nf) – Bei einer Informationsveranstaltung der Stadt Nürnberg in Kooperation mit dem Bürgerverein Hasenbuck informierte Prof. Dr. Heike Feldhaar von der Universität Bayreuth über die Ausbreitung der Großen Drüsenameise, mögliche Schäden und geeignete Maßnahmen.
Oberbürgermeister Marcus König hörte sich die Besorgnisse der circa 40 Anwohnern an und sagte die Koordination und Begleitung der Stadt zu. Denn im Mittelpunkt stand die Bedeutung eines koordinierten Vorgehens: Nur wenn möglichst viele betroffene Grundstücke gleichzeitig in den Blick genommen werden, lässt sich die Ausbreitung der Ameise eindämmen.
Prof. Dr. Heike Feldhaar, Inhaberin des Lehrstuhls für Populationsökologie der Tiere an der Universität Bayreuth, erläuterte zu Beginn die Besonderheiten der Großen Drüsenameise. Die ursprünglich aus Südeuropa stammende Art wurde eingeschleppt und kann sich aufgrund ihrer besonderen Lebensweise großflächig ausbreiten. In den Nestverbänden leben mehrere Königinnen, die sich nicht gegenseitig bekämpfen. Dadurch können sogenannte Superkolonien entstehen.
Für den Menschen ist die Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) nicht direkt gesundheitsgefährdend oder giftig, aber sie gilt als extrem gefährlich für die Infrastruktur, die Bausubstanz und das heimische Ökosystem. Da sie gigantische "Superkolonien" mit Millionen von Arbeiterinnen und hunderten Königinnen bildet, tritt sie in extremen Massen auf. (Umweltbundesamt).
Diese besondere Struktur erschwert die Bekämpfung erheblich. Die Beseitigung eines einzelnen Nests hat nur begrenzte Wirkung, wenn sich in der Umgebung weitere Nester befinden. Zudem kann die Große Drüsenameise in bestimmten Fällen Schäden verursachen, etwa durch das Annagen von Kabeln oder das Unterhöhlen von Treppenfundamenten.
„Jeder muss auf seinem Grundstück tätig werden – sei es im eigenen Garten oder auf der Großbaustelle. Nur so können wir es gemeinsam schaffen, diese Ameisenart einzudämmen“, appellierte Oberbürgermeister König an die Anwohnenden und Verantwortlichen vor Ort.
Eine einzelne Maßnahme, mit der sich die Große Drüsenameise vollständig bekämpfen lässt, gibt es nicht. Auch die Gestaltung der Umgebung kann nach Einschätzung von Prof. Dr. Feldhaar zur Eindämmung beitragen. „Biodiversität, hohes Gras und unsere einheimischen Wegameisen helfen bei der Eindämmung. Aber wir werden diese invasive Ameisenart wahrscheinlich nicht mehr loswerden“, erklärte Feldhaar.
An geeigneten Methoden zur gezielten Bekämpfung soll im kommenden Frühjahr weiter geforscht werden. Prof. Dr. Feldhaar plant dazu gemeinsam mit einem Schädlingsbekämpfer Untersuchungen, um eine Kombination aus Köder und Gift zu finden, die möglichst gezielt der Großen Drüsenameise schadet.
„Heißes Wasser hilft nur bedingt. Meist reicht es nicht bis zum tieferliegenden Nest und schadet somit nicht der Königin. Außerdem tötet es auch alles andere im Boden“, erläuterte sie. Heißes Wasser oder heißer Dampf sollten daher nur auf Pflaster, Sand oder Kies eingesetzt werden. Nachfolgend kann auf dem nassen Boden das Ausstreuen von Fadenwürmern (Nematoden) bei der Bekämpfung helfen.
Auch die größeren Bauflächen in Lichtenreuth sollen in das gemeinsame Vorgehen einbezogen werden. Bei einem Treffen Mitte Oktober wird die Stadt Nürnberg die dort tätigen Bauträger und Investoren über die Große Drüsenameise informieren und sie auffordern, ebenfalls gegen vorhandene Nester vorzugehen.
Die Informationsveranstaltung machte deutlich, dass die Eindämmung der Großen Drüsenameise eine gemeinsame Aufgabe ist. Stadt Nürnberg, Wissenschaft, Anwohnende, Bauträger und weitere Verantwortliche sollen dabei zusammenwirken, um die weitere Ausbreitung möglichst wirksam einzudämmen.
Sie möchten kommentieren?
Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.