Charkiw: Angriffe auf zivile Infrastruktur
Evakuierung aus Mariupol: Berichte über Bruch der Waffenruhe

Kiews Bürgermeister Wladimir Klitschko gratuliert frisch verheirateten Mitgliedern der ukrainischen Territorialen Verteidigungskräfte nach einer Hochzeitszeremonie an einem Kontrollpunkt.
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  • Kiews Bürgermeister Wladimir Klitschko gratuliert frisch verheirateten Mitgliedern der ukrainischen Territorialen Verteidigungskräfte nach einer Hochzeitszeremonie an einem Kontrollpunkt.
  • Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
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MARIUPOL (dpa) - Auch bei einem neuen Anlauf für eine Rettung von Zivilisten aus der belagerten ukrainischen Hafenstadt Mariupol sind am Dienstag laut Angaben aus Kiew Schüsse gefallen.

Soldaten helfen einem Kind beim Überqueren des Flusses in Irpin unweit von Kiew.
  • Soldaten helfen einem Kind beim Überqueren des Flusses in Irpin unweit von Kiew.
  • Foto: Diego Herrera/EUROPA PRESS/dpa
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«Waffenruhe verletzt! Russische Streitkräfte beschießen jetzt den humanitären Korridor von Saporischschja nach Mariupol», schrieb der Sprecher des ukrainischen Außenministeriums, Oleg Nikolenko, bei Twitter.

Ein Mann steht auf einer zerstörten Brücke in Irpin unweit der Hauptstadt Kiew.
  • Ein Mann steht auf einer zerstörten Brücke in Irpin unweit der Hauptstadt Kiew.
  • Foto: Felipe Dana/AP/dpa
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Acht Lastwagen und 30 Busse stünden bereit, um humanitäre Hilfe nach Mariupol zu liefern und Zivilisten nach Saporischschja zu bringen. «Der Druck auf Russland MUSS erhöht werden, damit es seine Verpflichtungen einhält», schrieb Nikolenko weiter. Von russischer Seite gab es zunächst keine Angaben dazu. Am Morgen hatte der Sprecher der prorussischen Kräfte im Gebiet Donezk, Eduard Bassurin, behauptet, ukrainische «Nationalisten» blockierten die Evakuierung.

Trotz des Vormarschs russischer Truppen will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bis zum Kriegsende in Kiew bleiben.
  • Trotz des Vormarschs russischer Truppen will der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bis zum Kriegsende in Kiew bleiben.
  • Foto: Uncredited/Ukrainian Presidential Press Office/dpa
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Rotes Kreuz: Keine sichere Flucht möglich

Humanitäre Helfer bezeichnen die Situation in Mariupol als katastrophal. «Die Situation ist apokalyptisch», sagte IKRK-Sprecher Ewan Watson in Genf. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) stehe bereit, den Abzug der Zivilisten zu ermöglichen, die aus der Stadt wollen, sagte Watson. Russland und die Ukraine hätten die Bedingungen dafür aber noch nicht geschaffen. «Wir versuchen verzweifelt, den Dialog zu ermöglichen», so Watson.

In der Stadt gingen alle Vorräte zur Neige. Das IKRK habe sämtliche Bestände ausgeliefert und versuche, auf allen möglichen Wegen Nachschub ins Land zu bringen. Watson betonte, dass das IKRK nicht von «humanitären Korridoren» spricht, sondern von «sicherem Geleit» (safe passage).

Fast 3000 Menschen aus Irpin evakuiert

Besser scheint die Evakuierung der Bevölkerung inzwischen in Irpin, nordwestlich von Kiew, zu laufen. Aus der umkämpften Stadt sind nach Behördenangaben bisher etwa 3000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. «Die Evakuierung der Bevölkerung aus der Stadt Irpin nach Kiew geht weiter», teilte der ukrainische Katastrophenschutz mit. Einwohner haben der Agentur Unian zufolge weder Wasser noch elektrischen Strom.

Um Irpin wird seit Tagen erbittert gekämpft. Russische Truppen halten einen Teil der Stadt besetzt, die in Friedenszeiten etwa 45.000 Einwohner zählte. Zuletzt hatten Bilder aus Irpin gezeigt, wie Hunderte Zivilisten unter einer zerstörten Brücke zusammengekauert Schutz suchen und von ukrainischen Soldaten über Behelfsstege geleitet werden.

Am Sonntag waren mindestens acht Menschen getötet worden, als russische Truppen nach Angaben aus Kiew die Fluchtroute beschossen. Die Nato geht davon aus, dass Angaben über russische Angriffe auf flüchtende Menschen der Wahrheit entsprechen. «Zivilisten ins Visier zu nehmen, ist ein Kriegsverbrechen, und es ist vollkommen inakzeptabel», sagte Nato-Generalsekretär Jens Stoltenberg.

Menschen bringen sich vor dem russischen Artilleriebeschuss in einem Schulkeller im Dorf Horenka in der Nähe von Kiew in Sicherheit.
  • Menschen bringen sich vor dem russischen Artilleriebeschuss in einem Schulkeller im Dorf Horenka in der Nähe von Kiew in Sicherheit.
  • Foto: Efrem Lukatsky/AP/dpa
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Ukraine: Fluchtkorridor von Sumy funktioniert

Auch der mit der russischen Armee vereinbarte Fluchtkorridor von Sumy ins zentralere Poltawa ist offenbar zustande gekommen. Das ukrainische Außenministerium in Kiew veröffentlichte ein entsprechendes Video beim Kurznachrichtendienst Twitter. Darin war zu sehen, wie Zivilisten mit Gepäck in mit Wasserflaschen gefüllten Kleinbussen saßen. Autos schlossen sich der startenden Kolonne an.

Tweet Sumy

Sumy liegt nur etwa 30 Kilometer von der russischen Grenze entfernt. Seit Tagen wird die Stadt von russischen Truppen angegriffen. Das zentralukrainische Poltawa liegt etwa 170 Kilometer südlicher und ist bisher von direkten Kämpfen verschont geblieben.

Ukrainische Zivilisten erhalten in den Außenbezirken von Lwiw eine Einweisung in die Benutzung von Waffen.
  • Ukrainische Zivilisten erhalten in den Außenbezirken von Lwiw eine Einweisung in die Benutzung von Waffen.
  • Foto: Bernat Armangue/AP/dpa
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Bürgermeister von Charkiw: Angriffe auf zivile Infrastruktur

Der Bürgermeister der ebenfalls umkämpften Metropole Charkiw warf den angreifenden russischen Truppen den vorsätzlichen Beschuss ziviler Infrastruktur vor. «Kindergärten, Schulen, Entbindungsstationen, Kliniken werden beschossen», sagte Bürgermeister Ihor Terechow dem US-Fernsehsender CNN laut Übersetzung. «Wenn es um Hunderte zivile Gebäude geht, dann ist das kein Versehen. Das ist ein gezielter Angriff.» Terechow fügte hinzu: «Ich betrachte dies als einen Akt des Völkermordes an der Stadt Charkiw.»

Charkiw ist die zweitgrößte Stadt der Ukraine. Terechow sagte, die Metropole mit ihren rund 1,5 Millionen Einwohnern sei unter konstantem Beschuss.

Ein zerstörtes Auto steht vor einer beschädigten Kirche in Irpin.
  • Ein zerstörtes Auto steht vor einer beschädigten Kirche in Irpin.
  • Foto: Felipe Dana/AP/dpa
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Lwiw: Brauchen Unterstützung für Flüchtlinge

Die westukrainische Stadt Lwiw bittet internationale Organisationen um Unterstützung bei der Unterbringung von Kriegsflüchtlingen. Die Stadt sei zu einem Zufluchtsort für etwa 200.000 Menschen geworden, die vor Bombeneinschlägen und Raketenangriffen geflohen seien, sagte Bürgermeister Andrij Sadowyj einer Mitteilung zufolge. Die Menschen bekämen warmes Essen und alles Nötige. «Dies ist eine extrem schwere Belastung für die Stadt, und heute stehen wir am Rande unserer Fähigkeiten», warnte er.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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