Pflegethemen im Fokus: Gesundheitsministerin Melanie Huml auf der Inviva 2018

Beim Expertengespräch auf dem Inviva-Podium (v.l.) Reiner Prölß, Ulrike Nikola, Melanie Huml und Ulrike Mascher. (Foto: © Victor Schlampp)

NÜRNBERG (vs) - Viel Zeit hat sich die bayerische Gesundsheits- und Pflegeministerin Melanie Huml heute auf der Inviva genommen, um im Rahmen einer Podiumsdiskussion interessierten Besucherinnen und Besuchern Rede und Antwort zu stehen.


Das Thema lautete „Wie werden wir morgen gepflegt?“ Vielleicht auf den ersten Blick überraschend: Über alle Parteigrenzen hinaus waren sich sowohl die Präsidentin des VdK Deutschland, Ulrike Mascher, als auch der Referent für Jugend, Familie und Soziales der Stadt Nürnberg, Reiner Prölß, mit der Ministerin einig, dass die Pflege in Deutschland insgesamt gut funktioniere und die Politik viele Weichen richtig gestellt habe. So verwies Melanie Huml auf den Beschluss der Bundesregierung als Sofortmaßnahme 8.000 neue Stellen für Pflegerinnen und Pfleger zu schaffen und dafür Bundesmittel in Höhe von rund 400 Millionen Euro bereit zu stellen. Für Reiner Prölß ist dies ein guter Anfang, der weiter ausgebaut werden müsse. Kritik übte er an den Nörglern, die diese Maßnahme als „Tropfen auf den heißen Stein“ bezeichnen würden. Irgendwo, so der Referent der Stadt Nürnberg, müsse doch ein Anfang gemacht werden, auf den man aufbauen könne.
Auf der anderen Seite benannte er aber auch die seiner Meinung nach Hauptursache für die Probleme in der Pflege: die Entscheidungen der Bundesregierung Ende der 90er Jahre, welche die Pflege weg von einer öffentlichen Aufgabe zum Spielball privater profitorientierter Unternehmen gemacht habe. Und auch Ulrike Mascher gab der Pflegeministerin einen wichtigen Denkanstoß mit auf den Weg. Es fehlten in Bayern Geriatrieeinrichtungen sowie Präventions- und Rehabilitationsprogramme, damit Senioren nach einem Unfall und bei längerer Krankheit wieder selbstständig ihr Leben meistern könnten. Der Satz „Gestürzt, im Krankenhaus, ins Pflegeheim“ dürfe nicht länger Gültigkeit haben. „Man kann heute auch bei alten Menschen soviel für die Gesundheit tun und nicht einfach sagen, der ist schon 75 Jahre alt, das lohnt sich nicht mehr“.

Wie geht es weiter?

Reiner Prölß sieht die städtischen Pflegeheime gut aufgestellt. Er plädiert für eine Neubewertung durch die Heimaufsicht, wo mehr Gewicht auf die Aussagen der Heimbewohnerinnen und Bewohner gelegt werde, statt durch einen geringen Mangel unverhältnismäßig abgewertet zu werden. Zudem sei es wichtig, den Politikern klar zu machen, dass Pflege in erster Linie Aufgabe von gut bezahlten Fachkräften sei und nicht von ehrenamtlich tätigen Familienmitgliedern.

Fazit

Die Diskussionsrunde unter der Moderation von Ulrike Nikola (BR Studio Franken) zeigte, dass die Pflege in Deutschland nicht so schlecht ist, wie oftmals in der Öffentlichkeit dargestellt wird. Pflegeheime, wo keine Fehler passieren, wird es ebenso wenig geben, wie Baustellen, auf denen Unfälle ausgeschlossen werden können. Die Problematik ist in der Politik angekommen. Ob die getroffenen Maßnahmen ausreichend sind, wird die Zukunft zeigen.
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