Zwei Nürnberger Studenten entwickeln ergonomische Griffe mittels 3D-Druck
Alles im Griff: Individuelles Fahrradfahren ohne Schmerzen

Simon Jung (l.), Masterabsolvent des Studiengangs Maschinenbau, und Niklas Sievernich, Bachelorabsolvent des Studiengangs International Business & Technology.
  • Simon Jung (l.), Masterabsolvent des Studiengangs Maschinenbau, und Niklas Sievernich, Bachelorabsolvent des Studiengangs International Business & Technology.
  • Foto: TH Nürnberg
  • hochgeladen von Nicole Fuchsbauer

NÜRNBERG (pm/nf) - Der Griff ist beim Fahrrad ein wichtiger Kontaktpunkt zwischen dem Rad und der Fahrerin bzw. dem Fahrer. Für ein gutes Fahrerlebnis sollte der Griff deshalb perfekt in der Hand liegen. Zwei Studenten der TH Nürnberg haben nun ein Verfahren entwickelt, mit dem sie passgenaue Fahrradgriffe mittels additiver Fertigung herstellen können.  Bei ihrem Start-up „Tailored Grips“ werden sie von der Gründungsberatung der TH Nürnberg unterstützt.

Das Fahrrad wird immer beliebter. Laut einer Umfrage des Bundesministeriums für Verkehr und digitale Infrastruktur im vergangenen Jahr nutzen 44 Prozent der Deutschen regelmäßig das Fahrrad, in 76 Prozent der Haushalte ist mindestens ein Fahrrad vorhanden. Umso wichtiger ist es, das Fahrerlebnis so angenehm wie möglich zu gestalten sowie Verletzungen und chronische Schmerzen bei Vielfahrerinnen und -fahrern vorzubeugen.
Das Gründerteam der TH Nürnberg um Simon Jung, Masterabsolvent des Studiengangs Maschinenbau, und Niklas Sievernich, Bachelorabsolvent des Studiengangs International Business & Technology, haben Fahrradgriffe auf Basis des 3D-Druckverfahrens konstruiert, die sich individuell auf die Fahrradfahrerinnen und -fahrer anpassen lassen. Durch den eigens entwickelten Druckprozess ist sowohl eine wirtschaftliche und nachhaltige als auch eine kundenorientierte Herstellung der hochwertigen und maßgeschneiderten Produkte möglich. „Die Benutzung von falschen Griffen kann bei häufigen und langen Radtouren zu medizinischen Problemen in den Händen führen. Diese Erfahrung musste ich leider schon selbst machen und mich an der Hand operieren lassen. Um weiterem Schaden vorzubeugen, suchte ich nach Griffen, die auf meine Bedürfnisse zugeschnitten waren, konnte jedoch keine finden. Daher habe ich beschlossen, das Problem selbst anzugehen“, so Gründer Niklas Sievernich.
Unterstützung fand er dabei innerhalb der Hochschule: Simon Jung beschäftigte sich in seiner Masterthesis mit der Optimierung von Bauteilausrichtungen für die additive Fertigung. Auf der Basis seiner daraus gewonnenen Erkenntnisse sowie weitergehender Analysen, Werkstofftests und Simulationen, konnte das Gründerteam den ersten Prototyp eines individuell auf die Handform abgestimmten Fahrradgriffes herstellen.

Bereits der Prototyp zeigte eine enorme Verbesserung der ergonomischen und dämpfenden Eigenschaften im Vergleich zu bisher am Markt verfügbaren Griffen. Aufgrund des großen Potenzials und der Neuheit des Verfahrens konnte Simon Jung seine Erfindung in Form eines Patents schützen lassen. „Der Prototyp hat es uns erlaubt, aktiv auf potenzielle Kundinnen und Kunden sowie Expertinnen und Experten aus dem Fahrradmarkt zuzugehen. Das überwältigende Feedback hat uns weiter darin bestärkt, eine Gründung anzustreben. Durch die Gründungsberatung der TH Nürnberg wurden wir dann auf das EXIST- Gründerstipendium aufmerksam,“ erklärt Simon Jung.

Das EXIST-Gründerstipendium unterstützt insbesondere Studierende sowie Absolventinnen und Absolventen aus Hochschulen mit Kapital, um innovative Gründungsideen zu realisieren und einen professionellen Businessplan zu entwickeln. Prof. Dr. Carsten Rudolph und Toni Oed von der Gründungsberatung der TH Nürnberg unterstützten das Team bei der Antragsstellung – mit Erfolg. Toni Oed: „Für uns von der Gründungsberatung ist es immer wieder toll, engagierte Gründerinnen und Gründer aus dem Hochschulumfeld bei der Umsetzung ihrer Gründungsidee zu helfen. Bei der Antragsstellung für das EXIST-Stipendium ist unsere Unterstützung besonders intensiv, dementsprechend freut es uns für Niklas und Simon umso mehr, dass sie mit der gewonnenen Förderung nun richtig durchstarten können!“Neben der Gründungsberatung unterstützt auch Prof. Dr.-Ing. Michael Koch von der Fakultät Maschinenbau und Versorgungstechnik das Team mit seinem Expertenwissen im Bereich der additiven Fertigung. Gemeinsam mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Instituts OHM-CMP steht er den Gründern bei technischen Fragen zur Seite. Damit können Simon Jung und Niklas Sievernich neben ihrem eigenen Know-how auf eine breite Unterstützung bauen, um den Weg in die erfolgreiche Selbstständigkeit mit ihrem Start-up „Tailored Grips“ anzugehen.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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