Prozessauftakt in Nürnberg
Angeklagter schweigt zu tödlichen Schüssen auf Fürther Hochzeit
- Das Motiv für den Mord soll ein Streit um Unterhaltszahlungen für die beiden Kinder des Angeklagten und seiner Ex-Freundin gewesen sein.
- Foto: Daniel Karmann/dpa
- hochgeladen von Arthur Kreklau
NÜRNBERG (pm/ak) – Vor dem Landgericht Nürnberg hat am Dienstag der Prozess gegen einen 27‑jährigen Franzosen begonnen, dem die Staatsanwaltschaft den heimtückischen Mord an einem 47‑Jährigen vorwirft. Die Tat ereignete sich im vergangenen März auf einer Hochzeitsfeier in Fürth, bei der plötzlich sechs Schüsse fielen und ein Familienvater vor den Augen zahlreicher Gäste tödlich verletzt wurde. Zum Auftakt des Verfahrens ließ der Angeklagte über seinen Verteidiger erklären, dass er sich nicht zu den Vorwürfen äußern werde.
Nach Überzeugung der Staatsanwaltschaft war ein Streit um Unterhaltszahlungen für die beiden Kinder des Angeklagten und seiner früheren Lebensgefährtin Auslöser der Eskalation. Die Frau war nach der Trennung nach Deutschland zurückgekehrt, woraufhin es zu Auseinandersetzungen über finanzielle Ansprüche gekommen sein soll. Staatsanwalt Roland Fleury schilderte, der Angeklagte sei gemeinsam mit mehreren Verwandten zu der Feier gekommen, auf der sich auch das spätere Opfer befand. Der 47‑Jährige sei arg- und wehrlos gewesen, als der Schütze sechs gezielte Schüsse auf seinen Oberkörper abgab. Der Mann starb kurz darauf im Krankenhaus.
Unmittelbar nach der Tat floh der Verdächtige mit seinen Begleitern nach Frankreich. Dort stellte er sich noch in derselben Nacht der Polizei und räumte die Schüsse ein, schwieg jedoch fortan zu den Hintergründen. Für die Ermittler steht dennoch fest, dass der Konflikt bereits zuvor eskaliert war. Wegen der Unterhaltsforderungen habe es sogar Verhandlungen vor einem nicht-staatlichen Roma-Gericht in Frankreich gegeben. Nachdem die Familie der Frau die dort festgelegte Summe nicht gezahlt habe, seien aus dem Umfeld des Angeklagten Drohungen per Telefon und über Facebook ausgesprochen worden.
Seit Anfang April sitzt der 27‑Jährige in Deutschland in Untersuchungshaft. Auch sein Vater und zwei Brüder, die laut Staatsanwaltschaft an der Tat beteiligt gewesen sein sollen, wurden inzwischen festgenommen und wegen gemeinschaftlichen Mordes angeklagt. Sie befinden sich ebenfalls in Untersuchungshaft.
Für den Prozess sind insgesamt 15 weitere Verhandlungstage angesetzt. Ein Urteil könnte nach derzeitiger Planung Ende März fallen.
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