Er durfte sogar den Dalai Lama empfangen!
Germanisches Nationalmuseum: Generaldirektor Prof. Dr. G. Ulrich Großmann geht in den Ruhestand

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann gründete das „Deutsche Burgenmuseum“ und war Weltpräsident des Internationalen Kunsthistorikerverbands (CIHA).
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  • Prof. Dr. G. Ulrich Großmann gründete das „Deutsche Burgenmuseum“ und war Weltpräsident des Internationalen Kunsthistorikerverbands (CIHA).
  • Foto: Germanisches Nationalmuseum
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NÜRNBERG (pm/nf) - Zum 1. Juli 2019 verabschiedet sich Prof. Dr. G. Ulrich Großmann nach 25 Jahren als Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg in den Ruhestand. In seiner Amtszeit hat er vor allem Schwerpunkte auf die Forschungsarbeit gelegt und notwendige Baumaßnahmen angestoßen. Daneben werden sicherlich die große Sonderausstellung „Der frühe Dürer“ und Besuche hochrangiger Persönlichkeiten wie dem Dalai Lama, Günter Grass oder Vaclav Havel in Erinnerung bleiben. Großmann richtete außerdem eine Außenstelle des Germanischen Nationalmuseums auf der Nürnberger Kaiserburg ein, gründete das „Deutsche Burgenmuseum“ und war Weltpräsident des Internationalen Kunsthistorikerverbands (CIHA).

Forschung

Auf wissenschaftliche Forschung legte Prof. Dr. G. Ulrich Großmann in seiner Amtszeit immer einen besonderen Wert. Ein Jahr nach seinem Amtsantritt wurde die sogenannte „Blaue Liste“ mit Forschungsinstitutionen von überregionaler Bedeutung und gesamtstaatlichem wissenschaftlichem Interesse in die Leibniz-Gemeinschaft überführt. Das Germanische Nationalmuseum ist seither Mitglied. Drei Evaluierungen der Forschungsleistungen und -projekte am Museum fanden unter Großmann statt, die alle positiv beschieden wurden.

Baumaßnahmen

Mehrere Bauprojekte prägten außerdem Großmanns Amtszeit. Zu den sichtbarsten und umfangreichsten zählt sicherlich die von 2004 bis 2010 realisierte Sanierung des Galeriebaus. Der an den Kornmarkt grenzende Gebäudeteil bedurfte aus baulicher, technischer und konservatorischer Hinsicht der Ertüchtigung. Großmann ergriff die Gelegenheit und ließ auch das Konzept der Dauerausstellung überarbeiten. Gattungsübergreifend werden hier seitdem Kunst und Kulturgeschichte präsentiert: Gemälde und Skulpturen stehen Musikinstrumenten, Möbeln, kunsthandwerklichen Erzeugnissen und Textilien gegenüber – eine der großen Stärken eines kulturgeschichtlichen Museums wird auf diese Weise ausgespielt.Außerdem setzte sich Großmann für den Bau eines neuen Depots ein. Kein Außenlager, sondern ein in unmittelbarer Nähe zum Museum liegendes Tiefdepot sollte es werden. 2013 war Spatenstich, derzeit wird das 5. Untergeschoss ausgehoben, im Herbst 2019 wird Richtfest gefeiert.
Eine weitere große Baumaßnahme konnte Großmann noch anstoßen. Die Gelder für die Sanierung der Spätmittelalterhalle, einem unter Denkmalschutz stehenden Nachkriegsbau von Sep Ruf, sind bewilligt. Die Umsetzung wird allerdings sein Nachfolger Daniel Hess verantworten.

Sonderausstellungen

Zu den wesentlichen Ausstellungen unter Generaldirektor Prof. Großmann gehört sicherlich die große Sonderschau zum Frühwerk Albrecht Dürers 2012. Das Interesse war enorm, lange Besucherschlangen zogen sich durch die Kartäusergasse bis quer über den Kornmarkt. Nie zuvor in der Geschichte des GNM hatte es einen solchen Andrang zu einer Sonderausstellung gegeben. Bedeutend für Großmann persönlich war die Sonderausstellung „Mythos Burg“ zwei Jahre zuvor, die er als Bauhistoriker und Burgenforscher zu seinem Forschungsschwerpunkt ausrichtete.

Wissenschaftliches Engagement

Neben seiner Lehrtätigkeit an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg mit dem Schwerpunkt auf Kunstgeschichte des Mittelalters ist Prof. Großmann in zahlreichen Gremien und Verbänden aktiv. Von 1982 bis 2006 war er Vor- sitzender des internationalen Arbeitskreises für Hausforschung, seit 1992 ist er Gründungsvorsitzender und aktuell 2. Vorsitzender der Wartburg-Gesellschaft zur Erforschung von Burgen und Schlössern und von 2012 bis 2016– eine Höhepunkt seiner Karriere – war er Präsident des Internationalen Kunsthistorikerverbands (CIHA – Comité International d’Histoire de l’Art).
Im Jahr 1999 eröffnete er auf der Nürnberger Kaiserburg eine Außenstelle des Germanischen Nationalmuseums, 2016 auf der Thüringer Heldburg das „Deutsche Burgenmuseum“, dessen Initiator und aktuell stellvertretender Vorsitzender des Trägervereins Großmann ist.

Beruflicher Werdegang

G. Ulrich Großmann studierte Kunstgeschichte, Europäische Ethnologie und Christliche Archäologie in Marburg und Würzburg. 1979 wurde er in Marburg mit einer Dissertation über den „Schlossbau 1530–1630 in Hessen“ promoviert. Anschließend arbeitete er als Bauhistoriker am Westfälischen Freilichtmuseum Detmold. Sechs Jahre später wurde Großmann Gründungsdirektor des Weserrenaissance-Museums in Lemgo, bis er im August 1994 als Generaldirektor ans Germanische Nationalmuseum in Nürnberg wechselte. Im selben Jahr wurde er an der Universität Hannover mit einer Abhandlung zur historischen Bauforschung habilitiert.Prof. Großmann trat sein Amt als Generaldirektor in schwierigen Zeiten an: Das Museum hatte gerade umfassende Baumaßnahmen beendet – eine neue Eingangshalle und die „Straße der Menschenrechte“ gehörten dazu, – es galt als verschuldet und gleich mehrere Sammlungsleiterstellen waren unbesetzt. Großmann ergriff die Chance und lenkte das Germanische Nationalmuseum in neue Bahnen. Er besetzte die vakanten Positionen mit herausragenden Wissenschaftlern, ließ die finanziellen Verbindlichkeiten aufarbeiten und erkämpfte Zusagen für neue Mittel, um Forschungsvorhaben und notwendige Baumaßnahmen realisieren zu können.

Prof. Dr. G. Ulrich Großmann gründete das „Deutsche Burgenmuseum“ und war Weltpräsident des Internationalen Kunsthistorikerverbands (CIHA).
Zum neuen Generaldirektor des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg wurde Prof. Dr. Daniel Hess berufen.
Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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