Am härtesten traf es Nürnberg
Warnstreiks im Nahverkehr: Pendler hart getroffen

REGION (dpa/lby) - Schüler und Berufspendler haben am Freitagmorgen in Bayern vor erheblichen Herausforderungen gestanden: Wegen eines Warnstreiks, zu dem die Gewerkschaft Verdi aufgerufen hatte, fuhren Busse und Bahnen in vielen Städten gar nicht oder nur im Notmodus. Am härtesten traf es Bayerns zweitgrößte Stadt Nürnberg. Dort standen sowohl Busse als auch Straßenbahnen und U-Bahnen komplett still, wie die Verkehrsgesellschaft VGN mitteilte. «Wir haben diesmal kein Notnetz», sagte eine VGN-Sprecherin.

In München legten vor allem Busfahrer die Arbeit nieder. Nach Angaben eines Sprechers der Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) fuhren auf den Linien 52, 100, 151, 196 und 199 keine oder nur sehr wenige Busse. «Vor allem Schüler müssen ausweichen», sagte der MVG-Sprecher. U-Bahnen, Trambahnen und S-Bahnen fuhren normal, waren aber häufig sehr voll, weil Fahrgäste aus Bussen umgestiegen waren.

Zu Warnstreiks mit teils erheblichen Behinderungen kam es auch in weiteren Städten, darunter Augsburg, Erlangen, Fürth, Bamberg, Regensburg und Ingolstadt. Bereits am Vortag waren mehrere Krankenhäuser von Arbeitsniederlegungen betroffen, darunter mit dem Klinikum Nürnberg eines der größten kommunalen Krankenhäuser Deutschlands. Dort waren zahlreiche Operationen aufgeschoben worden.

Die Aktionen im öffentlichen Dienst werden in der Öffentlichkeit kontrovers diskutiert. Viele Menschen sind der Auffassung, dass die befristeten Arbeitsniederlegungen mit in der Folge teils überfüllten Bussen und Bahnen gerade in Zeiten steigender Corona-Fallzahlen unverantwortlich sind. Andere argumentieren, dass etwa Busfahrer gerade in Corona-Zeiten hohe Gesundheitsrisiken eingingen und deshalb ein Recht auf eine bessere Bezahlung hätten.

Busfahrer privater Arbeitgeber arbeiten in Bayern derzeit für weniger als 13 Euro pro Stunde, wie Verdi-Verhandlungsführerin Silke Vorpahl erläuterte. Bei den Beschäftigten öffentlicher Arbeitgeber gehe es dagegen vor allem um bessere Arbeitsbedingungen, etwa längere Pausen. Trotz bestehenden Fahrermangels und dem Ruf der Politik nach mehr Schulbussen und nach einer Verkehrswende, verweigere sich der Arbeitgeberverband LBO jeglicher Lohnverhandlungen. «Der Arbeitgeberverband provoziert durch ein solches Verhalten einen unnötigen Konflikt. Dabei ist jetzt die Zeit, die wichtige Arbeit der Busfahrer während der Pandemie zu wertschätzen», betonte Vorpahl.

Verdi und der Beamtenbund dbb fordern für die bundesweit 2,3 Millionen Tarifbeschäftigten von Bund und Kommunen 4,8 Prozent mehr Geld, mindestens aber 150 Euro. Mitte September war die zweite Verhandlungsrunde ohne Ergebnis geblieben. Zudem fordert Verdi für die Busfahrer privater Unternehmen eine deutliche Lohnsteigerung von 3,50 Euro pro Stunde.

Die Gewerkschaften deuteten an, dass es auch in den nächsten Tagen zu weiteren Aktionen kommen könnte. «Wir wollen den Druck bis zur dritten Verhandlungsrunde am 22./23 Oktober aufrechterhalten, um den Arbeitgebern Gelegenheit zu geben, über ihre bisherige Verweigerungshaltung nachzudenken», sagte der Tarifkoordinator bei Verdi Bayern für den öffentlichen Dienst, Peter Hoffmann.

Nicht bestreikt wurde am Freitag der Nahverkehr in den Städten Coburg, Aschaffenburg und Würzburg. In Coburg und Aschaffenburg war es bereits in der Vergangenheit zu tageweisen Ausständen kommen, in Würzburg gelten gesonderte Tarifbedingungen.

Autor:

Nicole Fuchsbauer aus Nürnberg

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