Virologin warnt:
Brauchen wir mehr Disziplin im Kampf gegen Corona?

Ulrike Protzer aus München ist eine anerkannte Virologin.
  • Ulrike Protzer aus München ist eine anerkannte Virologin.
  • Foto: Sven Hoppe/dpa/Archivbild
  • hochgeladen von Victor Schlampp

REGION (dpa) - Die Münchner Virologin Ulrike Protzer sieht in der Nachlässigkeit der Menschen während der Corona-Pandemie eine größere Gefahr als in der neuen Virus-Variante. Dies erkläre auch die trotz Lockdowns nur langsam sinkenden Infektionszahlen, erläuterte die Direktorin des Instituts für Virologie am Helmholtz Zentrum München und an der Technischen Universität München der Deutschen Presse-Agentur.


"Die neue Variante des Coronavirus' birgt ein erhöhtes Risiko, sich im Eins-zu-eins-Kontakt anzustecken. Aber: Der Eins-zu-eins-Kontakt muss überhaupt erst mal passieren. Und er muss so passieren, dass der Abstand nicht ausreichend gewahrt wird oder dass Masken nicht getragen werden. Nur dann kann es da auch wirklich zu einer Übertragung kommen." Dann allerdings scheine das Ansteckungsrisiko mit der neuen Variante größer zu sein.
 Wichtig sei es etwa, die Maske in entsprechenden Situationen aufzubehalten und nicht zwischendurch abzusetzen. Dass ein wirksamer Schutz möglich sei, zeigten Erfahrungen im Klinikum. Dort hätten sich Mitarbeiter am seltensten in dem Bereich angesteckt, in dem Corona-Patienten behandelt wurden.
 Angesichts weiterhin hoher Infektionszahlen sehe sie derzeit keine Chance auf ein Ende des Lockdowns, sagte Protzer. "Solange die Zahlen so hoch sind, sollte man jeden Risikokontakt vermeiden." Es sei sinnvoll, Gastronomie und nicht zwingend erforderliche Läden vorerst noch geschlossen zu halten.
Einer großen Studie in den USA zufolge habe das größte Ansteckungsrisiko in Restaurants bestanden. Der zweitgrößte Risikofaktor seien demnach Geschäfte gewesen, allerdings habe damals keine Maskenpflicht gegolten. "Das Risiko ist sicher geringer, wenn man konsequent Maske trägt - was im Restaurant schlicht nicht vorstellbar ist." Waren vorzubestellen und abzuholen, sei in der Krise eine gute Möglichkeit mit sehr geringem Risiko.


Kommentar von Victor Schlampp: Unser Umgang mit Corona-Regelungen

Mit ihrer Feststellung trifft Ulrike Protzer den sprichwörtlichen Nagel auf den Kopf. Wer so wie ich fast jeden Werktag mit dem öffentlichen Nahverkehr und in der Nürnberger Fußgängerzone unterwegs ist, kann dies bestätigen und nur mit einem mulmigen Bauchgefühl erahnen, wie es mit der Maskennutzung wohl im privaten Umfeld vieler Menschen bestellt sein mag. Auch, wenn man auf den ersten Blick viele Menschen sieht, die sich im öffentlichen Bereich vorbildlich verhalten, so fallen mir doch viele Widersprüche auf: Selbst in den Zügen darf die Maske zu Essen und Trinken abgenommen werden und gerade jetzt scheinen einige Menschen besonders hungrig und durstig zu sein. Einige meinen, was beim Essen erlaubt sei, gelte auch fürs Telefonieren mit dem Smartphone. Rauchen ist ja seit einigen Jahren in allen Zügen verboten, aber am Bahnsteig im Freien nicht. Man sieht Gruppen von meist jungen Menschen in der Fußgängerzone oder an den Bahnhöfen entlang der S-Bahn-Route, die sich freundlich umarmen, ohne Masken zu tragen. Und dann jene, die denken, es reiche aus, wenn der Mund bedeckt sei und ihre sichtbaren Nasenlöcher wie Corona-Virus-Abschussbatterien präsentieren. Muss das sein? Dabei kann man vielen nicht wirklich einen Vorwurf machen, weil von der Politik fast wöchentlich neue Gebote, Verbote und Appelle kommen. Was wir brauchen, sind mehr Aufklärung, konsequente Kontrollen, spürbare Bußgelder bei Verstößen und mehr Disziplin. Ansonsten wird ein Ende des harten Lockdowns auch nach dem 14. Februar wohl ein Wunschtraum bleiben.

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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