Wie geht es mit dem Pilatushaus weiter?

Das Pilatushaus (Mitte) ist eines der wenigen Bürgerhäuser aus der Spätgotik (erbaut 1489).
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  • Das Pilatushaus (Mitte) ist eines der wenigen Bürgerhäuser aus der Spätgotik (erbaut 1489).
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NÜRNBERG (nf) - Das weit über 500 Jahre alte Pilatushaus (Tiergärtnertorplatz) steht seit 2012 leer. Wegen schwerer statischer Probleme mussten Wohnungen und Büros ausziehen. Seitdem wird die Diskussion um die Höhe der Sanierungskosten geführt und es wird darüber diskutiert, ob die Stadt bereit wäre, das Haus im Rahmen eines Erbbaurechtvertrages an die Altstadtfreunde abzugeben. Laut SPD-Antrag soll es ein Atelierhaus für Künstler werden, außerdem will man von der Verwaltung wissen, welche Pläne überhaupt und in welchen Zeitraum angedacht wurden. 

SPD-Fraktionsvorsitzende Dr. Anja Prölß-Kammerer: ,,Über konkrete Nutzungspläne wurde bislang nicht diskutiert, beziehungsweise es wird davon ausgegangen, dass es sich weiter um Büro- bzw. klassische Wohnnutzungen handeln soll. Neue Nutzungsideen wurde bislang noch nicht vertieft angedacht. Eine Idee wäre, das repräsentative Fachwerkhaus am Tiergärtnertorplatz zu öffnen, beispielsweise für Ateliers, in denen sich regionale und/oder internationale KünstlerInnen einmieten könnten. Gerade im Rahmen der Entwicklungen rund um die Bewerbung zur Kulturhauptstadt Europas könnte dies eine Nutzung sein, von der nicht nur das Haus und das direkte Umfeld, sondern das Nürnberger Kulturleben insgesamt profitiert. Man könnte die Vergabe der Ateliers auch mit Stipendien verknüpfen oder daran denken, hier ein ,artists in residence'-Programm mit verschiedenen kulturellen „Aufgaben im Rahmen der Kulturhauptstadtidee zu verwirklichen. Den gerade im Sommer viel und gern genutzten Tiergärtnertorplatz könnte dieses Projekt weiter positiv beeinflussen."

Doch haben die Altstadtfreunde überhaupt noch Interesse an dem Projekt?

Altstadtfreunde-Chef Karl-Heinz Enderle hat sich so geäußert: ,,Abgesehen davon, dass auf AEG, im Z-Bau, ebenso bald in ,The Q', dem ehemaligen Quelle-Areal, reichlich Wirkungsmöglichkeiten für Künstler vorhanden sind und entstehen (natürlich nie genug!), ist das tatsächlich eine pfiffige und innovative Idee? Anders als mit dem „Haus des Spiels“ am Egidienberg, das wir voll und ganz unterstützen – wenn man uns dort ebenso Raum lässt – wird man mit dem Atelierhaus am Tiergärtnertorplatz die Jury wohl kaum groß beeindrucken können."

Enderle weiter: ,,Und wenn wir schon bei spektakulären Ideen zum herausragenden Nürnberger Fachwerkhaus sind: Wie wäre es, wenn wir das Germanische Nationalmuseum überzeugen könnten, im Erdgeschoss des spätmittelalterlichen Gebäudes ein paar Schaustücke oder neudeutsch Teaser aufzustellen, die zum Museumsbesuch einladen? Schließlich hat das Flaggschiff der Nürnberger Museumslandschaft hier und im benachbarten Turm seinen Ursprung. Die Aufseß-Rose über der Eingangstür erinnert bis heute daran. Das Vorhaben eines Atelierhauses ist mit uns jedenfalls kaum realisierbar – schon weil sich dann die riesigen Investitionskosten noch weniger amortisieren ließen. Die von uns angebahnte Kostenschätzung, die wir bei Ausstieg von der Kommune erstattet bekommen, müsste dann von der Stadt selbst beauftragt werden. Und schließlich: Die Fachleute sagen, dass beim Pilatushaus angesichts vieler offener Fragen, beispielsweise der Zuschüsse, frühestens 2021 mit einem Baubeginn zu rechnen sei. Da wird es sehr eng bis 2025."

Historisches

Pilatushaus oder Haus zum geharnischten Mann. Eines der wenigen erhaltenen Bürgerhäuser aus der Spätgotik (erbaut 1489), zählt zu den wichtigsten Baudenkmälern der Altstadt. Die Eckfigur zwischen dem Erdgeschoss aus Sandstein und dem Obergeschoss aus Fachwerk zeigt den Heiligen Georg als Drachentöter, den Heiligen der Ritter und Plattner. Er war somit auch der Zunftheilige des Hausbesitzers und Plattners (auf die Herstellung von Plattenpanzern spezialisierter Schmied) Hans Grünewald.

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