Engpässe beim Wohnungsbau
Ziel in weiter Ferne!

Symbolfoto: Julian Stratenschulte/dpa
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WIESBADEN (dpa/mue) - In Deutschland werden weiterhin zu wenige Wohnungen gebaut, um die Engpässe insbesondere beim bezahlbaren Wohnraum zu beseitigen. Im vergangenen Jahr sank die Zahl der neugebauten Wohnungen überraschend wieder unter die Marke von 300.000, wie das Statistische Bundesamt mitteilt.


Mit 293.393 fertiggestellten Einheiten blieb der Neubau demnach unter dem politischen Ziel von jährlich 400.000 neuen Wohnungen, das zuletzt im Jahr 2000 erreicht worden war. Damit endete auch der 2011 begonnene Aufwärtstrend bei den Fertigstellungen. Die amtierende Bundesregierung hat sich in ihrem Koalitionsvertrag vorgenommen, 400.000 neue Wohnungen pro Jahr zu schaffen.

Der Rückgang um 4,2 Prozent zum Vorjahr sei nur der Vorbote eines «dramatischen Einbruchs beim Wohnungsbau», warnt der Spitzenverband der Wohnungswirtschaft (GdW), hinter dem etwa 3.000 Immobilienunternehmen mit zusammen 6 Millionen Wohnungen stehen. Am aktuellen Rand würden weniger neue Wohnungen genehmigt als im Vorjahr, klagen auch Immobilienverbände. Im ersten Quartal wurde das Vorjahresergebnis um vier Prozent verfehlt. Auch die Baubranche zeigte sich enttäuscht: «Mit rund 293.400 fertig gestellten neuen Wohnungen sind wir im vergangenen Jahr deutlich hinter der Erwartung und der Prognose geblieben», sagt der Hauptgeschäftsführer des Zentralverbands Deutsches Baugewerbe (ZDB), Felix Pakleppa. «Wir müssen leider davon ausgehen, dass es in diesem Jahr auch nicht mehr werden.»



Wegen des Ukraine-Kriegs und der weltweiten Störungen der Lieferketten mangelt es im Moment so ziemlich an allem, was man für einen Neubau braucht: Materialien sind nicht vorhanden oder astronomisch teuer, Facharbeiter knapp und die Bauzinsen in den vergangenen Monaten stark gestiegen. Dazu kämen unklare Klimavorgaben, Förderchaos und bürokratische Hemmnisse, klagt die Branche. «Es gibt eine große Bauzurückhaltung», fasst Michael Schick vom Immobilienverband Deutschland (IVD) zusammen. 
Zur Realität gehört daher, dass in Deutschland der Wiesbadener Statistik zufolge zwar knapp 850.000 Einheiten von den Behörden genehmigt, aber von den Investoren bislang nicht in Angriff genommen worden sind. Die Unternehmen warteten aus Unsicherheit ab, erklärt GdW-Präsident Axel Gedaschko: «Um das abzustellen, muss die Regierung dringend eine verlässliche und auskömmliche Fördersystematik sowie eine wirksame Rohstoffstrategie zur nachhaltigen Versorgung von Deutschlands Baustellen auf den Weg bringen.»

Autor:

Uwe Müller aus Nürnberg

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