Gluck-Festspiele 2021
Opernmusik mit absolutem "Gänsehaut-Feeling"!

Michael Hofstetter ist der neue Indendant der Gluck Festpiele 2021.
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  • Michael Hofstetter ist der neue Indendant der Gluck Festpiele 2021.
  • Foto: Gluck Festspiele
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NÜRNBERG (vs) - Die in der Metropolregion im Zweijahresrhythmus stattfindenden Gluck Festspiele sollen - wenn auch in stark verkürzter Form - nicht der Corona-Pandemie zum Opfer fallen. Der neue Intendant Prof. Michael Hofstetter möchte damit den Künstlerinnen und Künstlern eine Brücke für eine hoffentlich bald wieder unbeschwerte Zukunft bauen – und an einem Leuchtturm-Wochenende den neuen Weg der Gluck Festspiele verdeutlichen.

UPDATE: Festspiele auf September verschoben!

Nun ist es amtlich - die Gluck Festspiele 2021 werden von Ende April/Anfang Mai auf Donnerstag 16. bis Sonntag, 19. September 2021 verschoben. "In der aktuellen Situation war weder das Thema Chorproben noch die Einreisen der Mitwirkenden gewährleitet (was auch ein Streaming unmöglich gemacht hätte). Allerdings ist den Gluck Festspielen diese Verschiebung auch im Sinne der Gesamtverantwortung für unser Land wichtig, die solche Festivals derzeit einfach nicht zulässt", so der Veranstalter in einer aktuellen Pressemitteilung. Das komplette, umgestellte und ergänzte Programm wird dieser Tage veröffentlicht.

Der Kartenvorverkauf läuft bereits seit einigen Monaten. Der MarktSpiegel hatte im Vorfeld die Gelegenheit genutzt, mit dem neuen Intendanten Michael Hofstetter zu sprechen.

MSP: Herr Hofstetter: Warum ist Christoph Gluck so wichtig für die Entwicklung der modernen Oper?

Michael Hofstetter: Gluck war ja mit der Gattung der opera seria selbst sehr erfolgreich. Seine wesentliche Mission aber war es, die Wahrhaftigkeit menschlicher Gefühle in die Partitur und auf die Bühne zu bringen. Für die Wucht menschlicher Emotionen aber, wie sie Gluck darstellen wollte, war ihm die herkömmliche Form der Oper mit ihrem stereotypen Ablauf aus Arie und Secco-Rezitativ zu einschränkend. Christoph Gluck wollte Geschichten erzählen, mit Sängerinnen und Sängern, die tiefste menschliche Emotionen wie Freude, Leid, Hass oder Trauer überzeugend transportieren sollten.

MSP: Und ist ihm das gelungen?

Michael Hofstetter: Unbedingt! Christoph Gluck selbst war ein zutiefst leidenschaftlicher Künstler. Er hatte ein Stammensemble von nur wenigen Sängerinnen und Sängern, die seinen hohen Ansprüchen genügten. Einige der wesentlichen Sänger mit denen Gluck regelmäßig arbeitete, hatten die Kunst der Darstellung sogar im legendären Londoner Shakespeare Ensemble erlernt. Wie sehr Gluck Emotionalität forderte, zeigt sehr gut eine überlieferte Situation: Wenn Orpheus am Anfang der Oper den Namen seiner verstorbenen Geliebten ruft, dann – forderte Gluck – müsse er so schreien, als würde man ihm in diesem Moment das rechte Bein absägen.

MSP: Dann waren die Gluck-Opern zu dieser Zeit „großes Kino?“

Michael Hofstetter: Das kann man so sagen. Und der einzelne Mensch mit seinen ganz persönlichen, unverwechselbaren Gefühlen, das ist immer noch der Stoff, aus dem auch im 21. Jahrhundert Erfolgsfilme gemacht werden.

Gluck Festspiele: Deshalb begeistert die Oper auch heute noch

MSP: Wie kann man heute junge Menschen für die Oper begeistern?

Michael Hofstetter: Der Wunsch, Opern zu hören, beginnt meist mit der Freude am eigenen Gesang. Ich würde es sehr begrüßen, wenn nach der Corona-Pandemie bei uns das Singen wieder neu entdeckt und noch mehr im Schulunterricht gefördert würde. Zudem werden aber auch die existentiellen Themen des menschlichen Seins bei Gluck verhandelt. In „Alceste“ etwa geht es darum, ob man für einen anderen Menschen sterben kann und wie der andere mit dieser Schuld weiterlebt. Ein Gewissenskonflikt, den selbst „Titanic“ wieder aufgreift. Mit solchen Themen können Glucks Opern wie Hollywood-Filme auch junge Leute packen.

MSP: Wie wollen Sie dem Publikum diese Leidenschaft bei den Gluck Festspielen 2021 vermitteln?

Michael Hofstetter: Ich habe das große Glück, für die Aufführung der Gluck-Oper „Orfeo ed Euridice“ in der sogenannten „Parma-Fassung“ ein Sänger-Ensemble vom absolutem Weltrang besetzen zu können, allen voran den männlichen Sopranisten Samuel Marino. Er besitzt eine der ganz wenigen Männerstimmen, die in der Lage sind, in dieser speziellen Fassung die hier geforderten extrem hohen Spitzentöne glasklar und mit beeindruckender Emotionalität zu singen. Mit der jungen Sopranistin Ayelet Kagan habe ich eine ebenso ideale Euridice gefunden: Sie verkörpert die perfekte Leidenschaft und lässt die Zuschauer keinen Augenblick im Zweifel, warum Orfeo ohne sie nicht leben will und kann. Zwei brillante junge Menschen, die ein absolut glaubwürdiges Traumpaar auf der Bühne sind.

MSP: Was kann uns Christoph Gluck außerhalb seiner Musik heute noch sagen?

Michael Hofstetter: Die Protagonisten in Glucks Opern machen Gefühle wie Freude, Leid, Hoffnung oder Einsamkeit unmittelbar erlebbar und zeigen, dass es weltweit bei den Menschen keine Unterschiede gibt. Sie alle sind mitfühlende und verletzliche Wesen und daher mit gleicher Würde und gleichem Respekt zu behandeln. Gluck war überzeugter Humanist. Selbst in der Konkurrenzsituation zu den Komponisten seiner Zeit hatte er stets Respekt vor dem Können anderer. Doch bei all seiner seelischen Kraft und geistigen Stärke war er auch den leiblichen Genüssen nicht abgeneigt. Von ihm stammt der berühmte Ausspruch „Fressen, Saufen, Lustig sein“. Das macht diesen unglaublichen Komponisten, der so gerne auf einen Sockel gestellt wird, auch menschlich und sympathisch. Meine Vision – für mich ist Christoph Gluck das geistige musikalische Band in der Metropolregion Nürnberg. Er steht für das Beste, was unsere Gesellschaft sein kann: für Humanismus, Wahrhaftigkeit und menschliche Größe.

Informationen zu Michael Hofstetter

• geboren 1961 in München
• heute ein von London über Paris bis Graz international renommierter Dirigent
• langjähriger Chefdirigent unter anderem bei Chor und Orchester der Ludwigsburger Schlossfestspiele und dem Stuttgarter Kammerorchester sowie Generalmusikdirektor in Gießen
• ehemaliger Professor für Orchesterleitung und Alte Musik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz
• seit 2020 Intendant der Internationalen Gluck-Festspiele Nürnberg
• zahlreiche CD- und DVD-Aufnahmen; Träger der Robert-Stolz-Medaille und des Horst-Stein-Preises

Informationen zum Programm und Kartenvorverkauf

• direkt via Internet über reservix
• an den bekannten Vorverkaufsstellen
• Rund um die Uhr per Telefon unter der Nummer 01806 700 733 (pauschal 0,20€ aus dem Festnetz)
• Weitere Infos zum Programm, Preisen und Spielorten gibt es im Internet

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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