So zerstört Corona unsere Musikgruppen
Viele Austritte und kaum Neuanmeldungen

Ein Foto aus der Zeit vor der Corona-Pandemie: Eine Blaskapelle spielt bei einem Volksfest.
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  • Foto: picture alliance/Armin Weigel/dpa/Archivbild
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MÜNCHEN (dpa/lby) - Chöre, Musikensembles und Laientheater sind von der Corona-Pandemie ziemlich beeinträchtigt worden - vor allem bei der Nachwuchs-Suche. Die Gewinnung neuer Mitglieder sei in den vergangenen zwei Jahren faktisch zum Erliegen gekommen, sagte Andreas Horber, Geschäftsführer des Bayerischen Musikrates, der Deutschen Presse-Agentur in München. Die Bevölkerung habe Laienmusik kaum erleben und damit keinen Bezug aufbauen können, «Tage der offenen Tür» mit der Möglichkeit, Instrumente auszuprobieren, fielen weitgehend aus.

Der Musikrat hatte deshalb vor Weihnachten in einem Brief an Bayerns Staatsregierung verlangt, für ungeimpfte 12- bis 18-Jährige die bis Mitte Januar geltende Ausnahme von der 2G-Regel (nur Geimpfte und Genesene), die etwa beim Besuch von Musikschulen gilt, wenigstens bis Ostern zu verlängern. Kinder und Jugendliche dürften bei der Entwicklung ihrer Talente sowie beim aktiven Erleben von Musik und Kunst nicht von der Impfentscheidung ihrer Eltern abhängig sein, heißt es darin. Das dürfe nicht dazu führen, dass sie etwa ihre Musikausbildung abbrechen müssten. Das würde die Nachwuchsarbeit von Jahrzehnten zerstören, Ausbildungswege ruinieren und die Musiklandschaft dauerhaft und nachhaltig beschädigen, so der Musikrat.

Coronamaßnahmen vergraulen den Nachwuchs

«Nachdem wir nun im Frühjahr in das dritte von Corona geprägte Jahr gehen, wird dieses Thema die bayerische Laienmusik-Landschaft noch nachhaltig verändern und eine große Herausforderung für unsere Chöre und Vereine werden», sagt Horber. Zahlen zur Mitgliederentwicklung hat er noch nicht. Das ganze Ausmaß werde sich erst zeigen, wenn ein regelmäßiger Probenbetrieb ohne größere Einschränkungen wieder möglich sei.
Eine Studie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt mit mehr als 4300 Chören in Deutschland, Österreich und der Schweiz aus dem Frühjahr lässt erahnen, was die Laienkultur erwartet. Die meisten Ensembles hatten demnach mit Austritten zu kämpfen, weniger als ein Drittel behielt die ursprüngliche Mitgliederzahl. Groß waren die Einschnitte vor allem im Nachwuchsbereich: Fast jeder achte Kinder- und Jugendchor existiere de facto nicht mehr, so die Erkenntnis.

Digitale Treffen sind keine Lösung

In Bayern haben nach Einschätzung des Musikrates die meisten Gruppen bislang durchgehalten. Einige kleinere Ensembles hätten aufgehört, vor allem Männerchöre sowie Gruppen mit vielen Senioren. Viele davon hätten sich aber auch ohne Corona in wenigen Jahren aufgelöst.
Digitale Treffen sind für Chöre und Orchester in der Regel keine Alternative zum gemeinsamen Musizieren. Das liegt vor allem an der Latenzzeit, die dafür sorgt, dass Töne durch die Internet-Übertragung nur verzögert ankommen. Der Bayerische Musikrat arbeitet nach eigenen Angaben an dem System «Digital Stage». Es sei noch in der Pilotphase und ermögliche Singen und Musizieren an verschiedenen Orten mit sehr geringen Verzögerungszeiten. Allerdings sei es momentan auf rund zehn Personen beziehungsweise Standorte begrenzt und mit einem relativ hohem technischen Aufwand versehen.

Auch Theatergruppen sind betroffen

Auch Theatergruppen konnten nach Auskunft des Verbandes Bayerischer Amateurtheater kaum neue Schauspielerinnen und Schauspieler anwerben. Bei vielen Bühnen hätten sich aber Spielwillige für die Zeit nach Corona beworben, berichtete Verbandspräsident Horst Rankl. Digitale Treffen waren nur eine Notlösung, auch für junge Laienschauspieler: «Die Jugendlichen wollen zusammenkommen, gemeinsam Theater üben, Spielen und miteinander die Zeit verbringen», sagte Rankl.

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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