Feuerwerksverbot: Was sagen Sie dazu?
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Der Verband der pyrotechnischen Industrie nennt den Bund-Länder-Beschluss einen "Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche".
  • Der Verband der pyrotechnischen Industrie nennt den Bund-Länder-Beschluss einen "Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche".
  • Foto: Christophe Gateau/dpa
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Berlin (dpa) - Nun ist es offiziell: Silvester wird wieder leiser. Der Verkauf von Böllern und Feuerwerk zu Silvester wird bundesweit verboten.

Das hatten Bund und Länder gestern beschlossen. Auch wer schon Raketen und Böller hat, soll an bestimmten belebten Plätzen darauf verzichten müssen. Vom Raketen-Zünden wird generell abgeraten, um Belastungen der Kliniken durch Verletzte zu vermeiden. Die Reaktionen auf das Verbot sind gemischt: Während unter anderem Tier- und Umweltschützer sich über die Abwesenheit der lauten Böller freuen, fällt damit für andere eine beliebte Silvestertradition erneut ins Wasser.

Wie stehen Sie zum Feuerwerksverbot?

Frust und Existenzängste

Für den Verband der pyrotechnischen Industrie (VPI) ist die Auslastung der Krankenhäuser kein Argument für das Verkaufsverbot: Nicht legales Silvesterfeuerwerk sei in anderen Jahren schuld an mehr Patienten in den Notaufnahmen, sondern zu viel Alkohol und illegale Feuerwerksprodukte. Die Böller-Hersteller warnen gar vor einem "Todesstoß für die gesamte Feuerwerksbranche in Deutschland".
Auch bei anderen Feuerwerkfans ist der Frust groß: "Ich warte 364 Tage oder eben 730 Tage... und dann sowas. Das tut mir richtig weh", schreibt etwa eine Instagram-Nutzerin. "Ich verstehe nicht, wie so eine alte Tradition verboten wird. Der eine Tag ändert auch nichts an den anderen 364 Tagen, wo die Umwelt belastet wird", schreibt ein anderer.

Viel Sympathie für Feuerwerksverbot

Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) warb dagegen schon im November für ein Böller-Verbot, zusammen mit der Gewerkschaft der Polizei (GdP), einigen Ärzten und Tierschützern. Schließlich gebe es viele Verletzte durch Böller und Raketen, Tiere würden durch den Lärm gestresst, die Umwelt verschmutzt und die Feinstaubbelastung durch das Schwarzpulver sei hoch. DUH-Geschäftsführer Jürgen Resch lobte nun den Beschluss, aber forderte auch, das Abbrennen von Feuerwerk flächendeckend zu verbieten, auch in künftigen Jahren.

Kommunen müssen entscheiden

Dem Beschluss vom Donnerstag zufolge müssen Kommunen bestimmen, an welchen besonders beliebten Orten kein Feuerwerk gezündet werden darf, ein pauschales Verbot aber gibt es auch in diesem Jahr nicht. Es soll aber Versammlungsverbote geben.
Die hält Aerosolforscher Gerhard Scheuch für kontraproduktiv: "Weil diese Versammlungen dann natürlich in Innenräumen stattfinden werden und wir wissen, dass die Ansteckungsgefahr in Innenräumen um ein Vielfaches höher ist als draußen." Die Daten zeigten dies eindeutig. "Wir müssen uns mehr um die Lufthygiene in den Innenräumen kümmern, wir müssen aufpassen, dass wir uns drinnen nicht anstecken, wir müssen die Menschen sensibilisieren, dass sie in Innenräumen vorsichtiger sind - dass sie sich mit weniger Leuten treffen, die Treffen kürzer gestalten, mehr die Fenster aufmachen und lüften und eben eigentlich auch mehr ins Freie gehen."

Kommentar von MarktSpiegel-Redakteur Victor Schlampp

Die Regierung hat es wieder getan: Auch 2021 ist der Feuerwerksverkauf deutschlandweit verboten. Natürlich gibt es viele gute Gründe von der Feinstaubbelastung, über verschreckte Tiere bis hin zu unnötigem Müll. Und jetzt kommt auch noch die "Corona-Pandemie" dazu. Wer möchte in Abrede stellen, dass man angesichts der übervollen Intensivstationen jeden Unfall im unsachgemäßen Umgang mit Feuerwerk vermeiden muss? Aber sollte man dann auch nicht auch gleich alle Autofahrten vor den Weihnachtsfeiertagen bis Anfang des nächsten Jahres verbieten, weil in dieser Zeit erfahrungsgemäß viele schwere Unfälle zu verzeichnen sind? Und es stellt sich mir die Frage: Müssen verantwortungsbewusst handelnde Mehrheiten in unserer Gesellschaft immer häufiger dafür "bluten", weil sich Minderheiten nicht an Gesetze und Verordnungen halten?
Glücklich jene, die noch Feuerwerksvorräte oder gute Kontakte nach Osteuropa haben. Sie können - zumindest auf dem Land oder in Gemeinden, in denen es kein Böllerverbot geben wird - eine alte Tradition fortführen, wenn sie es wollen. Dass diese Privilegierung zu Unverständnis und Unmut führt, wundert mich nicht.  Um eines klar zu stellen: Ich bin nicht betroffen. Meinen letzten Silvesterböller habe ich vor 30 Jahren gezündet, und im Alter reagiere ich empfindlich auf den alljährlichen Krach am Jahreswechsel. Was mich jedoch maßlos ärgert, ist, dass man Menschen, die sich gerne einmal im Jahr für wenige Stunden als Hobbyfeuerwerker betätigen wollen, diese Freude nimmt, und gleichzeitig einer Traditionsbranche den Boden unter den Füßen wegzieht. Die Verbotskultur feiert – nicht nur in Deutschland – einen Sieg nach dem anderen: Zigaretten, Glühbirnen, Silvesterfeuerk, brennende Kerzen in öffentlichen Gemeinschaftsräumen. Was kommt wohl als nächstes? Gerne hätte ich mir in diesem Jahr ein kleines Sortiment an Raketen und Böllern beim Discounter gekauft. Nicht, um diese an Silvester zu zünden, sondern als Erinnerung daran, in welch einem freien Land ich als junger Erwachsener noch leben durfte.

Autor:

Victor Schlampp aus Schwabach

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